Betreibungen sind der Vorhof zur Hölle

Wer seine Rechnungen nicht bezahlt, bekommt es früher oder später mit dem Betreibungsamt zu tun. Was genau das bedeutet und wie du den schlechten Schuldenruf wieder wegbekommst, haben wir für dich herausgefunden.

Niemand macht es gerne, aber jeder muss: Rechnungen bezahlen. Wer sich weigert, bei dem landet irgendwann ein Brief vom Betreibungsamt im Postkasten. Und dann bekommen die unbezahlten Mahnungen einen ziemlich bitteren Nebengeschmack. Die sogenannte Betreibung, die uns unsere Eltern immer als absolutes Horrorszenario beschrieben haben, wird eingeleitet. Allein im Jahr 2015 wurden in der Schweiz fast drei Millionen Zahlungsbefehle ausgestellt, wie das Bundesamt für Statistiken verrät.

Du kannst einen Betreibungsbeamten nicht aufhalten

Wurde dir früher noch die ganze Wohnung mit Fernseher, Waschmaschine und Designerstuhl gepfändet, sieht das mittlerweile anders aus. Gerhard Kuhn vom Betreibungsamt Basel erklärt uns: «Heute macht es meistens keinen Sinn mehr, Haushaltgegenstände zu pfänden, weil der Versteigerungserlös kaum die Kosten deckt. Wer den Zahlungsbefehl ignoriert und keinen Rechtsvorschlag erhebt, dem wird irgendwann der Lohn gepfändet.» Sprich, das Amt rechnet aus, wie viel du mindestens zum Leben brauchst. Alles Überflüssige wird dann für die Gläubiger abgezogen. Ob du willst oder nicht.

Der pfändbare Teil des Lohnes wird dir während höchstens einem Jahr abgezogen. Bleibt danach noch ein Teil der Schuld offen, kann der Gläubiger die Pfändung um ein weiteres Jahr verlängern. Danach muss er eine ganz neue Betreibung einleiten lassen.

Rund die Hälfte aller Betreibungen endet übrigens in solchen Pfändungsvollzügen. Dabei bewegen sich die Schulden meistens zwischen ein paar hundert und ein paar tausend Franken, wie uns Herr Kuhn erzählt. «Die meisten hinken mit ihren Krankenkassen, Steuern oder Telefonrechnungen hinterher. Wer seine Finanzen nicht im Griff hat und seine Sachen am Ende des Monats nicht begleichen kann, landet schnell in einem Teufelskreis.»

Die Kosten summieren sich

Wer zum Beispiel seine Krankenkasse nicht bezahlt, bekommt bei der dritten Mahnung gleich eine Betreibungsandrohung. Erst dann wendet sich die Krankenkasse an ein Amt, von dem du dann einen Zahlungsbefehl bekommst, dem du innert 20 Tagen nachkommen musst. Ignorieren kannst den Brief nicht. Ausserdem fallen bei jeder weiteren Erinnerung vom Amt neue Gebühren an. Das macht das ganze also nur noch schlimmer.

Nach Erhalten des Zahlungsbefehls hast du aber drei Möglichkeiten: Du kannst deine Schulden endlich bezahlen. Oder du erhebst in den ersten zehn Tagen einen Rechtsvorschlag und beweist vor Gericht, dass du keine offenen Schulden hast. Unternimmst du gar nichts, steht irgendwann die Polizei vor der Tür und im schlimmsten Fall kommt es dann zur Lohnpfändung.

Heute ist es einfacher sich zu verschulden

Auch wenn sie nicht mehr ganz so verpönt sind wie vor 30 Jahren: Betreibungen sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen. «Was unseren Eltern so Angst gemacht hat, war das Gerede im Dorf. Damals kannte man den Betreibungsbeamten noch in der Gemeinde. Heute lebt man anonymer, sodass der soziale Druck geringer ist», meint Herr Kuhn. Daher bleiben Betreibungen meistens geheim.

Wer aber einmal betrieben wurde, hat heute noch mit Spätfolgen zu kämpfen. Denn wer sich für eine Wohnung bewirbt, muss auch meistens einen Betreibungsregisterauszug beilegen. Steht da erstmal drin, dass du deine Rechnungen nicht begleichst, kannst du gleich zu Hause wohnen bleiben. Und solch ein Eintrag bleibt für fünf Jahre bestehen. Verlustscheine sogar 20 Jahre!

Aber auch hier gibt es eine Lösung: Die verschuldete Person kann den Gläubiger bitten, den Eintrag beim Betreibungsamt streichen zu lassen. Nicht alle Unternehmen lassen sich aber auf solche Deals ein. Deshalb überleg es dir echt zweimal oder besser dreimal, wenn du das nächste Mal eine Rechnung nicht begleichst.


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93 Kommentare

Mr. Nasty vor 17 Tagen
Ist wohl bei mir bald so weit! Ich habe der Steuerverwaltung erklärt, dass ihre Steuerabrechnung falsch ist und ich das so nicht bezahlen möchte. Sie ist nicht auf meine Erklärung eingegangen und somit habe ich meine Steuern nicht bezahlt. Ich habe jetzt schon die Betreibungsandrohung erhalten. Aber ich bezahle nicht etwas, was falsch ist! Es ist mühsam! In der Schweiz können dir diese Staatsangestellten mit nichts und wieder nichts, das Leben zur Hölle machen, selbst wenn man richtig liegt. Aber sie haben recht. Es ist eine Diktatur, nichts weiter.
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Antwort von Herr Bünzli vor 15 Tagen
Ich würde es bezahlen und dann gerichtlich anfechten, auch würde ich mit der kantonalen Steuerverwaltung das Gespräch suchen.
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Amtsmissbrauch vor 20 Tagen
Ich wurde auch mal betrieben, als ich Rechtsvorschlag einreichte, verweigerte der Betreibungsbeamte zunächst die Annahme und sagte das sei nicht möglich, ich müsse bezahlen. Erst als ich ihn nach ihn nach längerer Diskussion davon überzeugen konnte, dass die Forderung nicht gerechtfertigt ist. Nahm er meinen Rechtsvorschlag an. Als ich ihn am Schluss darauf hinwies, dass ich sein Verhalten daneben finde, und dass es sich bei seiner Weigerung zu Beginn den Tatbestand einer Amtspflicht Verletzung erfüllt. Wurde er wütend und rastete fast aus. Dies geschah vor mehr 10 Jahren in einer kleinen Aargauer Gemeinde, welche sich fest in der Hand einer grossen rechts gerichteten Partei befindet.
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Antwort von W. Aehler vor 20 Tagen
Und sie sind wohl Mitglied einer nicht ganz so grossen linksgerichteten Partei?
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