Sind wir wirklich zu doof für Fremdwörter?

Die heutigen Studenten können ihre eigenen Texte nicht mehr verstehen, denn Fremdwörter sind uns scheinbar fremd. Stimmt das wirklich? Wir wolltens von euch wissen.

Während meiner Schulzeit im Gymmi durften meine Klassenleidensgenossen und ich uns immer wieder den Vorwurf anhören, die heutigen Studenten könnten die Universitätstexte nicht verstehen, da sie keine Fremdwörter mehr kennen. Die Folge waren stundenlange und trockene Übungsbeispiele, bei denen wir die uns unbekannten Wörter einfachen Alltagsbegriffen zuordnen mussten. Ihr könnt euch in etwa vorstellen wie spassig das war.

Ein Polyglott ist nicht sprachbegabt sondern mehrsprachig

Heute bin ich meinen Lehrern etwas dankbar. Immerhin weiss ich jetzt, wie ich meinem Gegenüber während eines polarisierenden Disputs subtil die Meinung sagen kann, ohne dass er meine verwendeten Termini versteht – oder generell was ich sage. Bei Donald Trump zum Beispiel würde das gut funktionieren.

Trotzdem geht mir der Vorwurf meiner Lehrer, unser Wortschatz sei auf ein absolutes Minimum geschrumpft, nicht aus dem Kopf. Immerhin hat unser Bildungssystem eigentlich gar keinen so miesen Ruf. Um mich also vom Gegenteil zu überzeugen, ging ich auf die Strasse und liess Passanten Begriffe kreuz und quer aus dem Fremdwortspektrum erraten.

Ein bisschen Latein schadet nie

Meine Hoffnungen sanken nach den ersten Kandidaten ziemlich schnell. Die meist genannte Antwort, die ich zu hören bekam war ein langes «Eeeehhhh» gefolgt von einem kopfschüttelnden «Keine Ahnung». Einige konnten sich zwar denken, dass Gastritis eine Krankheit ist – genauer eine Magenschleimhautentzündung – aber was zur Hölle ist schon wieder eine Physis?

Etwas schockiert war ich schon, als kaum einer wusste was ein Skrotum ist oder etwa was Cunnilingus bedeuten könnte. Scheint so, als müssten meine ehemalige Lehrerin und viele andere Schweizer Lehrer die Fremdwortübungen nochmals nach vorne kramen. Sorry liebe zukünftigen Maturanden, aber da müsst ihr jetzt echt durch.

Wie fit fühlst du dich mit Fremdwörtern? Hättest du gewusst, was ein Skrotum oder ein Yuppie ist? Und was bedeutet Fertilität schon wieder? Sags uns in den Kommentaren.


Kommentar schreiben

96 Kommentare

Markus vor 28 Tagen
Ich habe gelernt, dass jeder komplexe Sachverhalt mit wenigen, einfachen und allgeminverständlichen Wörtern erklärt werden kann und alles andere nur Wichtigtuerei ist.
4
4
Antwort
Antwort von Rolf vor 26 Tagen
Dann nennen mir mal ein treffendes einfaches Wort mit der Bedeutung Antibiotikum, das nicht von 90% der Schweizer verhunzt wird indem sie immer von einem Antibiotika reden. Und wenn du wirklich eines kennst, hilf mir doch gleich mit dem deutschen Begriff für Generikum weiter.
6
0
Antwort
mantua me genuit vor 28 Tagen
Bin Lateiner. Versteh so manches. Bin behutsam, wenn's um Fachbegriffe geht. Kommunikation ist kein Kräftemessen. Der Sender ist verantwortlich, dass der anvisierte Empfänger die Nachricht mitkriegt.
9
0
Antwort
Alain Surlemur vor 28 Tagen
Wenn ich mir die Beispiele so ansehe, Gastritis, Skrotum, Physis, Cunnilingus, Fertilität, dann scheint das Fremdwortspektrum von Frau Gehrig eher einseitig zu sein und mehr über Ihre persönlichen Interessen auszusagen als über die Bildung Ihres Gegenübers. Nur so meine zwei Sesterzen
10
0
Antwort
Das sind die grossen Leiden der Pornostars

Das sind die grossen Leiden der Pornostars

«Die Videos sind mir ziemlich eingefahren»
sponsored

«Die Videos sind mir ziemlich eingefahren»

Würdest du gefundenes Geld zurückgeben?

Würdest du gefundenes Geld zurückgeben?

Sogar die Bünzlischweizer lieben ihn

Sogar die Bünzlischweizer lieben ihn