«Meine Mutter hat meinen Bruder vergessen»

Du prügelst dich mit deinem Bruder morgens vor dem Badezimmer und findest das schon nervig? Die 19-jährige Sophie setzt sich jeden Tag gegen sieben Geschwister durch und weiss wie stressig das sein kann.

Wer Geschwister hat, kennt die täglichen Dramen, Diskussionen und Überlebenskämpfe, die man führen muss: Jeden Morgen streitet man sich um das Badezimmer, versteckt seinen Joghurt vor Essensdieben oder man sitzt stundenlang auf der Schüssel und wartet auf Klopapier. Aber was machst du, wenn du nicht nur ein oder zwei Geschwister hast, sondern gleich Sieben und noch drei Stiefgeschwister? Mit diesem Szenario lebt die 19-jährige Sophie* aus dem Kanton Aargau.

Wir sprachen mit ihr beim Kaffeeklatsch über kaltes Duschwasser, vergessene Brüder und laute Tischdiskussionen.

Hallo Sophie, wie kommst du zu so vielen Geschwistern?

Wir sind acht Kinder zu Hause. Aber das war nicht so geplant, wir sind eine grosse Patchworkfamilie. Meine Mutter und mein Vater haben zusammen fünf Kinder. Seit ein paar Jahren hat meine Mami einen neuen Freund. Mit ihm hat sie nochmal drei Kinder bekommen und er brachte noch drei ältere Kinder mit in die Beziehung. Das kumuliert sich dann.

Krass, und wie gross ist da der Altersunterschied?

Die Älteste von uns, meine Schwester, ist einundzwanzig Jahre alt. Der jüngste erst drei. Aber ich denke, er wird auch der Jüngste bleiben, denn meine Mutter ist mittlerweile Mitte vierzig.

Wie siehts aus mit der Privatsphäre?

Naja, die hab ich mal mehr, mal weniger. Ich muss mir zwar ein Zimmer mit meiner jüngeren Schwester teilen, aber ich kann mich trotzdem gut zurückziehen. Auch am Esstisch kanns sehr laut werden, weil jeder was zu erzählen hat. Wenn es mir zu viel wird, flüchte ich zu meinem Freund. Dort ist es schön ruhig.

Und was machst du wenn dein Freund bei dir übernachten möchte?

Er kommt mich zwar besuchen, aber schläft nicht bei mir. Wir können meine Schwester ja nicht rausschicken. Deshalb schlafe ich einfach bei ihm.

Wie gross ist der Kampf morgens im Badezimmer? Gibts Verletzte?

Obwohl wir zwei Badezimmer haben, wird es trotzdem ziemlich stressig und laut. Früher haben wir alle gleichzeitig das Haus verlassen. Wenn du abends duschen wolltest, hattest du dann nur noch kaltes Wasser, weil der Boiler leer war.

Spielst du Dauer-Babysitter für deine jüngeren Geschwister?

Nicht wirklich. Wir leben alle bei meiner Mutter und sie arbeitet als Hausfrau. Deshalb meistert sie ganz viel alleine und ich bewundere sie dafür. Wenn sie manchmal weggeht, passen wir auf die Kleinen auf. Das ist dann voll in Ordnung.

Kam es schon mal vor, dass deine Mutter einen von euch vergass?

Ja, einmal vor vielen Jahren, meinen damals fünfjährigen Bruder. Wir wollten einen kleinen Ausflug machen. Als wir aber am Zielort ankamen, merkten wir, dass wir ihn zu Hause vergessen hatten. Wir sind sofort zurück. Mein Bruder spielte immer noch glücklich in seinem Zimmer und hatte nicht mal bemerkt, dass wir weg waren.

Sorgt ihr euch manchmal wegen des Geldes bei so vielen Kindern?

Ehrlich gesagt, ich habe keine Ahnung wie meine Eltern das machen. Wir haben alle eine gute Zahnversicherung, durften Sport betreiben oder ein Instrument lernen. In der Ferien sind wir einfach immer in der Schweiz geblieben und haben ein Haus gemietet.

Wie spart ihr?

Für Grossfamilien gibt’s da Vergünstigungen zum Beispiel Reka-Ferienhäuser. Einmal pro Jahr gehen wir alle ins Kino und wenn wir auswärts essen, dann nur in Deutschland. Jetzt wo die Älteren von uns verdienen, geben wir auch zu Hause etwas ab.

Nervt das deine jüngeren Geschwister nicht, wenn sie immer die abgetragenen Kleider vermacht bekommen?

Das ist ein doofes Vorurteil und ich glaube es stört sie nicht. Die finden das eher cool, weil wir Grossen ihre Vorbilder sind und sie alles so haben wollen wie wir. Ausserdem bekommen sie zum Geburtstag und Weihnachten neues zum Anziehen geschenkt.

Und wie viele Kinder willst du später haben?

Ich will höchstens drei Kinder! So viel Stress wie meine Mutter hatte, möchte ich nicht. Ausserdem will ich nur so viele Kinder, wie ich mir leisten kann.

Was lernt man in so einer Grossfamilie?

Durch das Zusammenleben mit acht Geschwistern lernt man, Rücksicht aufeinander zu nehmen, Kompromisse einzugehen und sich auch mal durchzusetzen. Das finde ich sehr gute Eigenschaften – vor allem heute.

*Name von der Redaktion geändert


Kommentar schreiben

42 Kommentare

Al Baner vor 10 Monate
Ihr Schweizer packt es einfach nicht, deshalb wird es bald keine mehr geben von euch. Ich, albanischer Papa, habe mittlerweile meine dritte Frau geheiratet. Mit den ersten beiden habe ich jeweils 4 Kinder. Mit der neuen schon eines. Beziehe IV und alle meine Kinder und Frauen leben von der allimente und dem Kindergeld. Praktisch, oder?
0
12
Antwort
Antwort von A.Brunner vor 10 Monate
Typisch!! Von den anderen Leben und dann noch Stolz sein! Was gibts Du deinen Kinder auf den Weg, Gar rein nichts. Jammerlichen Leben.
6
0
Antwort
Antwort von Schweizer vor 10 Monate
Deswegen sollten wir eine Zwangskastration einführen. Fühle dich aber nicht zu sicher, das wird nicht mehr so lange dauern wirst schon sehen. Es kommt die Zeit an der ihr ans flüchten denkt nur dann wird es zu spät sein!
2
1
Antwort
Erich vor 10 Monate
Mein Typ für zukünftige Papas;Vasektomie/Sterilisation/Unterbindung spätestens nach dem zweiten Nachwuchs.Kosten einmalig 620sfr. O.K.wir sind ein Ohne -Kind- Paar .Diese kleine Sache hat uns mächtig Geld gespart.
3
23
Antwort
«Kein Alkohol? Bist du etwa schwanger?»

«Kein Alkohol? Bist du etwa schwanger?»

Was würdest du deinem Kindheits-Ich sagen?

Was würdest du deinem Kindheits-Ich sagen?

Schaust du dir Filme in der Synchronfassung an?

Schaust du dir Filme in der Synchronfassung an?

Die Leichenstarre vor der Linse
sponsored

Die Leichenstarre vor der Linse