Weisst du was ein Küfer macht?

Fünf Wochen lang schicken wir unsere Praktikantin durch die Schweiz. Ihre Mission: Sie wird die unterschiedlichsten und spannendsten Lehrstellen testen. Diese Woche übt sie sich als Küferin.

Ich bin auf dem Weg in eine der letzten Küfereien der Schweiz. Bis vor kurzem wusste ich nicht einmal was ein Küfer genau macht. Doch vor der Werkstatt angekommen, sehe ich ziemlich deutlich, was produziert wird. Auf dem Dach des Gebäudes prangen nämlich drei riesige alte Holzfässer, so wie wir sie aus Piratenfilmen kennen.

Roland Suppiger, der den Familienbetrieb in vierter Generation führt, schüttelt mir kräftig die Hand. Der Mann kann zupacken und das muss er auch. Immerhin werden hier Fässer produziert, die bis zu 20'000 Liter fassen und leer fast 5000 Kilo wiegen.

«Unsere Werkzeuge sind vom Aussterben bedroht»

Vor sechzig Jahren gab es noch fast 450 Küfereien in der Schweiz, übrig geblieben sind davon genau noch drei. Der Familienbetrieb Suppiger mit vier Angestellten im Kanton Schwyz ist einer davon. Ich darf gleich mit anpacken. Die Werkstatt ist laut und staubig und riecht nach verbranntem Holz – denn um die Fässer in ihrer runden Form zu fixieren, werden sie stundenlang ausgebrannt. Später wird in den Fässern Whiskey und Wein gelagert werden.

Stolz zeigt mir Roland Suppiger seine Werkzeugsammlung: «Die meisten davon bekommt man heute gar nicht mehr. Wir arbeiten mit Maschinen, die schon fast hundert Jahre alt sind», erzählt er. Das Handwerk hat sich so gut wie gar nicht verändert, nur ein paar Schleif- und Schneidmaschinen sind modern. Ich habe mittlerweile richtig Bock auf die Arbeit mit den schweren Hämmern und Maschinen und entdecke den inneren, bärtigen Kerl in mir.

Finde deinen inneren Kerl

Als erstes baue ich Deckel für ein 60 Liter Fass, ein sogenanntes Barriques, zusammen. Ich nagle verschiedene Holzstücke zusammen, ziehe Kreise mit einem grossen Zirkel und schleife was das Zeug hält. Am Ende darf ich das Holzstück sogar an der Schneidmaschine in einen Kreis verwandeln. Beim Grobschleifen sieht es Roland Suppiger mit der Genauigkeit nicht ganz so eng. Meine Lieblingssätze des Tages: «Ja so ungefähr» und «Ja etwa so, wir arbeiten ja nicht nach Millimetern». Ob ich richtig gearbeitet habe, schätzt er mit blossem Auge ab. Erst später folgt die Detailarbeit, die mir zum Glück erspart bleibt.

Um im 21. Jahrhundert weiterhin bestehen können, werden in der Küferei auch Wellnessprodukte hergestellt. Zum Beispiel Badewannen wie sie noch unsere Urgrosseltern hatten. Mit einem Zirkel messen wir die Form des Badewannenbodens aus. Anschliessend lösen wir mit gezielten und kräftigen Hammerschlägen die Ringe, die die Wanne zusammenhalten und setzen den von mir bereits abgeschliffenen Boden ein. Mittlerweile habe ich durchs Abschleifen und Nageln Splitter und Blasen an den Fingern – ein gutes Gefühl. Immerhin sehe ich, wie meine Arbeit langsam zu einem grossen Ganzen wird.

Eine Ausbildung für die Zukunft?

Die Arbeit an sich ist zwar anstrengend, aber ziemlich erfüllend. Trotzdem wurden in den letzten zwanzig Jahren nur eine Handvoll Lehrlinge ausgebildet. Einer davon ist der 28-jährige Stefan, der bereits eine Schreinerausbildung abgeschlossen hat: «Ich habe ein Praktikum in der Küferei gemacht und gemerkt, dass mir dieser alte Beruf mehr Spass macht als nur zu Schreinern. Das Runde und Ovale fasziniert mich», meint der ehemalige Lehrling.

Stefan liebt die Arbeit in der staubigen Werkstatt: «Wenn ich morgens ankomme, weiss ich schnell was zu tun ist». Trotzdem hat er sich als Schreiner ein zweites Standbein aufgebaut und arbeitet daher nur 60 Prozent in der Küferei, denn er macht sich Sorgen um die Zukunft. «Küfer wird es immer brauchen. Allerdings wie viele? Es gibt nur drei Werkstätten in der Schweiz, wer weiss ob ich immer eine Anstellung bekomme», befürchtet er. Das sei auch ein Grund dafür, warum kaum Lehrlinge in diesem Fachgebiet ausgebildet werden.


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14 Kommentare

Johannes vor 3 Monate
Er erstellt Holtfässer
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Forumgehts? vor 3 Monate
Weisst du was ein Küfer macht? küfen
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Antwort
Der Freundliche SUVA Mitarbeiter. vor 3 Monate
Und wo sind die Arbeitssicherheits Schuhe
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Antwort von Lisa vor 2 Monate
Jetzt weisst du weshalb es nur noch so wenige Küfer gibt. Haben sich alle ein Fass auf den Fuss fallen lassen.
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