Als Büchsenmacher musst du schiessen können

Fünf Wochen lang schicken wir unsere Praktikantin durch die Schweiz. Ihre Mission: Sie wird die unterschiedlichsten und spannendsten Lehrstellen testen. Diese Woche übt sie sich als Büchsenmacherin.

 

Heute gehts für mich an einen ganz besonderen Ort. Und zwar nach Burgdorf im Kanton Bern. Das Waffengeschäft-Wyss, das zur Zeit zwei Lehrlinge als Büchsenmacher ausbildet. So nennt man nämlich Waffenschmiede heute.

Ich habe ein mulmiges Gefühl im Bauch, da ich mich mit Waffen – ausser dem gelegentlichen Kopfschütteln über das amerikanische Waffengesetz – kaum auskenne. Und jetzt betrete ich einen Laden, der mit den gefährlichsten Gerätschaften vollgestopft ist: Hunderte von Messern, Jagdgewehren, Pistolen und Pfeffersprays. Natürlich findet man auch allerlei Zubehör wie Munition, Reinigungsmittel und Schutzkleidung, die hier verkauft werden.

In der Schweiz bekommt nicht jeder eine Waffe

Daniel Wyss steht gerade hinter der Theke und bedient einen Kunden. Der unauffällige Mann holt gerade sein Gewehr ab, das er in der ladeneigenen Werkstatt hat reinigen lassen. «Die meisten unserer Kunden sind Jäger und Sportschützen», klärt mich Herr Wyss auf. «Die Waffenkontrolle in der Schweiz ist sehr streng. Jede Waffe ist registriert und kann bis zum Hersteller zurückverfolgt werden.»

Hinter der Verkaufstheke befindet sich eine kleine Werkstatt, aufgeteilt in zwei Räume. Dort werden zwar keine Waffen mehr produziert, trotzdem gibt es viel zu tun. Zielfernrohre und Zielgeräte werden montiert, Gewehre neu geölt, Holzverzierungen neu geschliffen oder ganze Pistolen von Grund auf gereinigt. Deshalb heisst es im ersten Lehrjahr: Waffen auseinandernehmen und sie wieder zusammenbauen und zwar so lange, bis man es im Schlaf kann oder zumindest so schnell ist wie James Bond.

Was wenn plötzlich ein Schuss losgeht?

Ich werde nach hinten in die Werkstatt geschickt, wo sich Lehrling Luca um mich kümmern wird. Er übergibt mir ein Sturmgewehr mit 1990er Jahrgang, das ich reinigen soll. Das Auseinandernehmen geht noch einigermassen gut, aber beim Zusammensetzen scheitere ich die ersten Male kläglich. Kaum nimmt das Gewehr aber halbwegs Gestalt an, habe ich richtig Schiss davor, dass plötzlich ein Schuss losgeht. «Angst solltest du nie haben, nur Respekt», rät mir der Lernende.

Luca grinst: «So. Jetzt müssen wir testen, ob es richtig funktioniert. Der beste Teil am Beruf des Büchsenmachers.» Daraufhin öffnet er eine kleine Luke im Boden, die ich erst gar nicht bemerkt hatte und wir steigen in einen winzigen fensterlosen Raum. Unter dem Waffengeschäft befindet sich nämlich ein zwanzigmeterlanger Schiesstand.

Adrenalin durchströmt meinen Körper

Ich bekomme wieder das 90er Sturmgewehr in die Handgedrückt. Doch bei dem Gedanken daran, damit zu schiessen, zittern mir schon die Knie. Einerseits weil ich Angst habe, dass mich der berüchtigte Rückstoss umhaut, andererseits, weil ich schon immer mit einer echten Waffe schiessen wollte. Das Gewehr ist so schwer, dass ich es kaum halten kann. Doch dann drücke ich ab und treffe sogar die Zielscheibe. Ein Adrenalinstoss durchfährt meinen ganzen Körper.

Luca selbst ist ein bisschen stolz auf mich während ich noch weitere fünfmal abdrücken darf. Die Herausforderung zu treffen, aber auch eine so tödliche Waffe in den Händen zu halten, ist ziemlich aufregend. Das Schiessen an sich macht ziemlich viel Spass. Der Lernende selbst geht seit seinem elften Lebensjahr an den Schiesstand. «Ich besitze natürlich einen Waffenschein, so wie jeder Büchsenmacher.»

Allerdings muss man verdammt aufpassen. Denn der Schein wird einem beim zweiten Strafregistereintrag wieder entzogen. Dabei muss die Straftat nichts mit einer Waffe zu tun haben. Wer sich also eine Lehre als Büchsenmacher überlegt, sollte sich dieses Risikos bewusst sein. Auch Herr Wyss meint: «Müsste ich meinen Schein jetzt abgeben, kann ich eigentlich meinen Laden aufgeben.»


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61 Kommentare

FortuneZero vor 5 Monate
Dumm nur, dass es in der Schweiz keinen Waffenschein gibt. Wir haben kein Konzept, dass es für den Besitz einer Waffe eine Lizenz braucht, wofür auch. Entweder es sind freie Waffen, für die reicht ein Vertrag. Meldepflichtige Waffen, für die muss man nur den Strafregisterauszug und einen Waffenerwerbsschein (Das OK bis zu 3 Waffen von einem Verkäufer zur gleichen Zeit zu erwerben. Der hat aber sonst nichts mit dem Besitz zu tun.) Zum Schluss die "verbotenen" Waffen, für welche man eine Sonderbewilligung benötigt welche aber normalerweise immer ausgestellt wird.
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Antwort von ProTell vor 5 Monate
Das hast du ja gut auswändig gelernt 😉 nein, stimmt schon was du sagts. Aber die praktikantin wirds da nicht so genau nehmen, was mich auch nicht stört. Denn wir sind ja vom fach und wissen, was gemeint ist. Schlechter journalismus? Kann sei, aber sie ist doch eine praktikantin.. 😉
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Pesche kaderli vor 5 Monate
IZitat "ich besitze natürlich einen Waffenschein, so wie jeder Büchsenmacher" Ach ja.... Als Büchsenmacher sollte der Stift zwuschen Waffenerwerbschein und -Tragschein unterscheiden können....
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Ex-Sportschütze vor 5 Monate
"Ich habe ein mulmiges Gefühl im Bauch, da ich mich mit Waffen – ausser dem gelegentlichen Kopfschütteln über das amerikanische Waffengesetz – kaum auskenne." Hauptsache mal Vorurteile, aber nichts wissen; wie die meisten! Das Ami-Waffengesetz ist ungefähr gleich streng wie bei uns, mit Abweichungen. Und wer beim Waffenzusammenbauen Angst hat, es könne sich ein Schuss lösen..., naja, der/ die hat wirklich keine Ahnung von Waffen! Der Schuss kann sich nur lösen, wenn eine Kugel in der Kammer ist und der Schlagbolzen das Zündhütchen trifft. Da man eine Waffe NIE im geladenen Zustand auseinander nimmt, geschweige denn zusammensetzt, ist es so gut wie unmöglich! Aber eben: Die Hauptsache ist doch: Waffe = böse; darum verbieten!
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