Ich bin zu fett für Manuel Neuers Gesicht

Unser immer ganz in Schwarz gekleideter Redaktor hat sich auf Mallorca schweren Herzens einem Ballermann-Umstyling unterzogen.

Mallorca ist laut, fröhlich, bunt, lebensfreudig. Also alles, was ich nicht bin. Und trotzdem bin ich hier. Mittlerweile seit fast einer Woche. Schon vor dem Abflug von Zürich nach Palma de Mallorca musste ich meiner Reisebegleitung Pearl versprechen, während unserer Zeit hier zumindest einmal mein ohnehin nicht sonneninselgerechtes Outfit gegen die typische Ballermann-Uniform zu tauschen.

Dummerweise gehöre ich zu der Gattung Idioten, die grundsätzlich nie nein sagen können. Das Unvermeidbare stand also heute an. Es klingt – wie wohl so oft bei mir – nach Jammern auf abartig hohem Niveau, aber alleine der Gedanke daran, etwas Farbiges zu tragen liess (und lässt) mich fast in Ohnmacht fallen.

Seit mittlerweile mehr als zehn Jahren trage ich konsequent nur noch schwarze – wenn ich mich ganz verwegen fühle auch selten mal dunkelgraue – Klamotten. Immer lang, weit geschnitten, möglichst schlicht und oft selbstgemacht. Teils liegt das natürlich auch irgendwo an Body-Issues, will ich gar nicht abstreiten.

Schutzwall aus schwarzen Stoffen

Für Diät und Sport bin ich ganz einfach zu bequem – judge me! – und ausserdem habe ich mich mittlerweile an meine schwarze Ritterrüstung mehr als nur gewöhnt. Meine wunderschönen dunklen Stoffschichten dienen als Schutzwall zwischen mir und der Welt, die ich so oft nicht verstehe und die mich auch nicht immer so richtig verstehen will. Ist eben so eine Kopfsache.

Um Pearl und vor allem auch mir selbst etwas zu beweisen, überwinde ich meinen inneren Schweinehund. Ganz nach dem Motto: Wenn schon Ballermann, dann richtig. Ich tausche also meine wallenden, edlen Gewänder in schönstem Schwarz gegen einen Synthetik-Alptraum in verschiedenen Gelbtönen. Beim Anprobieren merke ich erst, wie fett ich mittlerweile geworden bin, als mir ein XXL-Shirt mit Manuel Neuers Gesicht vorne drauf zu eng ist.

Bloss keine Schwächen eingestehen!

Trägt jetzt natürlich nicht unbedingt dazu bei, meine Motivation zu steigern. Einzige passende Alternative ist ein T-Shirt mit merkwürdigen Phrasen, deren Bedeutung mir noch immer nicht ganz klar ist. Was zur Hölle soll bitte ≪No Melon Coco≫ heissen?! Das Shirt in Kombination mit einer kurzen Hose, einer Zuhälter-Sonnenbrille, einem lächerlich hässlichen Hut und einem neongelben Badetuch lässt mich aussehen wie ein Sextourist mit Rechtschreibschwäche. Vor lauter Scham, Welthass und Ekel breche ich auch noch in kalten Schweiss aus, der binnen Augenblicken das gesamte Ensemble durchnässt.

Der Gedanke daran, in diesem Aufzug über den Ballermann zu rennen treibt mir echte Tränen in die Augen. Aber jetzt einen Rückzieher zu machen ist keine Option mehr. Wenn es etwas gibt, das ich mehr hasse als Sommersonne und bunte Kleider, dann ist es zugeben zu müssen, dass ich mich selbst überschätzt habe und etwas nicht auf die Reihe bekomme. Während der ersten Viertelstunde im neuen Outfit, in der ich mich so schutz- und hilflos wie schon seit Jahren nicht mehr gefühlt habe, wechselt meine Gemütslage im Sekundentakt.

Alles halb so wild

Wut und Aggressionen wechseln zu erbärmlichen Selbstmitleid, das irgendwann von trotziger Gleichgültigkeit abgelöst wird. Während ich erst noch davon überzeugt bin, dass all die starrenden Blicke mir gelten, muss ich jedoch bald einsehen, dass das sehr transparente Kleid meiner Begleitung wohl viel interessanter zu sein scheint, als ein dicker Blödmann mit Hut. Davon gibts hier nämlich mehr als genug. Sexy Bikinimodels mit Riesenmöpsen und durchsichtigen Kleidchen eher weniger.

Es dauert eine Weile aber dann muss ich mir eingestehen: Klar sieht das total bescheuert aus und figurschmeichelnd ist auch etwas anderes. Aber hey – am Ende des Tages hat sich kein Schwein für meine Aufmachung interessiert. Ich rühme mich doch sonst immer damit, dass mir die Meinung anderer egal sei. Habe mich wohl gerade selbst beim Lügen ertappt. Auf die Frage, ob ich jetzt auf den Geschmack gekommen sei und öfter bunte Klamotten tragen würde, gibt es trotzdem nur eine Antwort: Niemals wieder.


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