Der längste und tiefgründigste Peniswitz aller Zeiten

Der neuste Netflix-Hit ist mehr als nur eine Parodie auf den Hype um True-Crime-Serien. Noch nie waren Zeichnungen von Schwänzen so spannend und sozialkritisch.

Wenn du True-Crime-Shows wie «Making a Murderer» gut findest und ausserdem offen über seichte Pimmelwitze lachen kannst, wirst du «American Vandal» lieben. Die aktuellste Netflix-Eigenproduktion ist eine der wohl besten Serien der Saison und schafft es – mit (trotz?) Genitalhumor, Teenie-Wahnsinn und erstaunlich vielen künstlerischen Aufnahmen von Toiletten – sowohl als wahnsinnig gute Satire auf überdramatisierte Krimidokus zu überzeugen, als auch als Milieustudie zeitgenössischer Jugendkultur zu funktionieren.

Ein Vorfall, ein Verdächtiger, eine Doku

Die Story und Umsetzung schafft es, aufgeteilt auf acht halbstündige Folgen, trotz des Plots, stellenweise ziemlich tiefsinnig zu sein. Zwei Schüler der Hanover High drehen eine Doku über den Skandal, der die Grundpfeiler der Schule erschüttert hat.

Jemand hat die Autos der Lehrer am Schulparkplatz mit Kunstwerken dekoriert – mit 27 gigantischen roten Schwänzen, um genau zu sein. Hauptverdächtiger ist sofort Schulclown, Wannabe-Prankster und notorischer Schwanzbild-Vandale Dylan – der sofort suspendiert wird.

Man brilliert auf der Meta-Ebene

Im Style «echter» True-Crime-Serien machen sich zwei von Dylans Mitschülern daran, die Hintergründe aufzudecken und herauszufinden, ob das Urteil gegen den unbeliebten Aussenseiter gerechtfertigt oder vorschnell gefällt wurde. Auf einer Meta-Ebene zeigen sie so verschiedene Gruppendynamiken, Machtverhältnisse und Intrigen innerhalb des Schul-Mikrokosmos auf. Und genau hier brilliert die Show.

Von der offenherzigen Schulschlampe über den uncoolen Nerd, der es für ein bisschen Popularität mit der Wahrheit nicht so genau nimmt bis hin zum zwielichtigen Sportlehrer: So gut wie alle Charaktere hätten Motiv für den Penis-Streich, bei weitem nicht alle haben ein Alibi.

Wo sind die Sackhaare?

Und jeder hat zumindest ein Geheimnis. Nicht zuletzt dieser Vernetzung an Storylines ist es zu verdanken, dass Fragen wie «Wer hat die 27 roten Schwänze gemalt?», «Wo sind die Sackhaare?» und «Hat dieser Handjob tatsächlich stattgefunden?» keineswegs lächerlich erscheinen.

Im Gegenteil: Als Zuschauer vergisst man schneller als einem lieb ist den satirischen Aspekt hinter «American Vandal» und findet sich mitten in einem komischerweise wahnsinnig spannenden Krimidrama wieder. Und das, obwohl die Show im Grunde nicht viel mehr ist, als ein vier Stunden langer, tiefgründiger und sozialkritischer Peniswitz.


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12 Kommentare

Cyrill vor 3 Monate
Freue mich auf Saul heute Abend!
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Antwort
Sandro vor 3 Monate
Hoffentlich werden diese Autosprayer Idioten erwischt.
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Flori vor 3 Monate
Von Tillate wird irgendwie alles gehypt was bescheuert ist. Ich lese hier nur von bunten Achselhaaren, glitzerndem Periodenblut usw.
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Antwort von Chris vor 3 Monate
Seit meinem letzten Kommentar habe ich auch die restlichen Folgen geguckt. Bescheuert geht anders. Letztendlich bleibt es jedoch immer eine Frage des persönlichen Geschmacks und darüber kann man auch nach Tausenden von Jahren einfach nicht diskutieren. Der Eine mag's, der Andere eben nicht. Was soll's.
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