Dicke Titten, Kartoffelsalat und Johnny Däpp

Tag 3 unseres Mallorca-Abenteuers führt uns zu einem der grössten Stars der Insel: Lorenz Büffel. Wir durften ihn vor, während und nach einem Auftritt begleiten.

Die Grossraum-Disco «Mega-Park» ist neben «Bierkönig» und «Oberbayern» eine der ersten Adressen am Ballermann, wenn es um Exzess, Dauerparty und schlechten Musikgeschmack geht. Einer, der sich mit schlechtem Musikgeschmack (der natürlich immer subjektiv ist und auf gar keinen Fall verallgemeinert werden sollte) so richtig gut auskennt und sich damit sogar seinen Lebensunterhalt verdient, ist Lorenz Büffel. Seines Zeichens Entertainer, Sänger und Ballermann-Superstar.

Neben Ex-Pornosternchen Mia Julia ist der gebürtige Österreicher an der Playa de Palma einer der wohl gefragtesten Acts der Stunde. Mit seinem Hit «Johnny Däpp» – der im Übrigen nicht nur ungemein blöd ist, sondern leider auch ziemlich ins Ohr geht – bringt er regelmässig massenweise Fans zum Ausrasten. Mehr als regelmässig. Um genau zu sein: Er hat allein für dieses Jahr schon satte 451 Bookings im Kalender stehen.

Oberste Promi-Liga am Ballermann

Eines davon ist der heutige Auftritt im oben erwähnten Mega-Park. Meine charmante Reisebegleitung Pearl und ich dürfen (oder müssen) live dabei sein und den Künstler inklusive Entourage auch noch persönlich kennenlernen. Als ziemlicher Miesepeter und Verächter von allem, was Spass macht, machen Vorfreude und Enthusiasmus bei mir nicht gerade Freudensprünge. Auch Pearl kann sich gerade noch so im Zaum halten, da sie als Westschweizerin zwar Sonne und Strand geniessen kann, die deutsche Ballermann-Popkultur jedoch nur vom Hörensagen kennt und ihr entsprechend misstrauisch gegenübersteht.

Mit einem freundlichen «Ah, die Schweizer!» werden wir beim Hintereingang der Diskothek von einer lustigen Truppe begrüsst. Einige nette Herren (darunter natürlich Lorenz Büffel, aber auch Kultsänger Ikke Hüftgold, der zur alteingesessenen Riege der Ballermannpromis gehört), die stolz ihre Bierbäuche vor sich hertragen, sowie ein paar hübsche junge Damen, die halt einfach «irgendwie mit dabei» sind (wieso, weshalb, warum auch immer – den Grund erfahren wir nie, können ihn uns aber denken) begrüssen uns. Man merkt: Diese Truppe findet uns mindestens genauso seltsam, wie wir sie. Und das ist voll in Ordnung so.

Adiletten, Alkohol, alles gut

Man führt uns durch einige kahle Gänge, die nach muffigem Keller riechen, bis wir uns plötzlich in einem riesigen Saal wiederfinden, dessen Interieur und Stimmung eindeutig ans Oktoberfest erinnern. Nur etwas billiger. Auf ein paar Tischen tanzen halbnackte Damen lasziv in Unterwäsche, während aus den Boxen die altbewährte Kirmesmusik schallt, die wir ja schon von unserer ersten Erkundungstour kennen.

Natürlich bieten uns Lorenz und seine Gang sofort Bier an – danke dafür! – das wir dankend ablehnen. Weil wir eben Langweiler sind – sorry dafür. Viel Zeit, uns mit dem Star des Abends zu unterhalten, bleibt erstmal nicht, denn gleich gehts los! Die Fans, die allesamt Adiletten tragen und wohl schon mehr intus haben als ihre Mütter für gut heissen würden, können die Show kaum erwarten.

Bullshit kann so wunderbar sein!

Zusammen mit drei sexy Tänzerinnen, die Kuhhörner auf ihren Mützen tragen, entert Lorenz Büffel die Bühne und zieht – wie so ziemlich alles und jeder hier an diesem Ort – alle Register, um möglichst viele Klischees zu erfüllen. Und wir müssen zugeben: Das Konzept geht auf. So sehr wir auch versuchen, hippe Cool Kids zu sein – der Energie und dem Charme von Songs wie «Dicke Titten Kartoffelsalat» oder dem wunderschön monoton gegrölten «Johnny Däpp Däpp Däpp Johnny Johnny Däpp» können wir uns nicht verwehren.

Beschämt versuchen wir, nicht zu auffällig mitzuwippen und es kostet ungemeine körperliche und seelische Anstrengung, uns nicht den fröhlichen Bierzeltchören anzuschliessen, die zu abwechselnd sexistischem Bullshit und einfach nur stupidem Nonsens abgehen, als gäbe es kein Morgen mehr. Irgendwie ist es fast schon rührend – so sorgenfrei und simpel. Ich kann mich nicht entscheiden, wie ich mich fühlen soll.

Wie wird man Ballermann-Star?

Im Anschluss an den Auftritt – währenddessen eine der Damen des büffelschen Anhangs uns bei jedem Song beinahe hysterisch darauf hinweist, dass nun das Highlight kommen würde und wir unbedingt mitfilmen müssten – haben wir die Chance, endlich mit Lorenz persönlich zu reden. Im kurzen Interview erfahren wir, dass seine Mama sehr stolz auf ihn sei, er natürlich nur der Erfahrung wegen ins Dschungelcamp gehen würde (Geld? Hat er genug!) und er Pearl und mich so als Menschen echt super fände und nur ganz schnell jemanden begrüssen müsse. Bitte kurz warten, komme gleich wieder.

Eine halbe Stunde später machen wir uns auf den Weg zurück ins Hotel. Aber natürlich nicht, ohne uns noch anständig von Büffel und seinem Team drei Tische weiter zu verabschieden und für den herzlichen Empfang und das Interview zu bedanken. Wir sind ja schliesslich wohlerzogene Leute hier bei Tilllate und wollen uns nichts vorwerfen lassen. Nächster Schritt: Ballermann-Stars werden.

 


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