Eure Trauer-Posts sind pure Heuchelei

Zwei grosse Musiker sind in den letzten Tagen von uns gegangen. Wie immer folgen auf den Todesfall eines Star unzählige Trauer-Posts in den sozialen Medien. Mittlerweile wissen wir bereits im Vorfeld, wie diese aussehen werden.

Gleich zwei Mal stockte Musikliebhabern in den letzten Tagen der Atem: Zuerst nahm sich Chester Bennington, der Jugendheld einer ganzen Generation von Gitarren-Fans, das Leben. Kurz darauf verstarb mit Polo Hofer auch noch ein echtes Schweizer Original.

So sicher wie das Amen in der Kirche folgt auf solch tragische Meldungen das «RIP» in den sozialen Medien. Von Bowie über George Michael bis hin zu Prince – stirbt ein berühmter Mensch, so dauert es nur Minuten und der News-Feed wird überflutet mit Trauer-Posts. Natürlich gibt es Menschen, die der Tod ihres Vorbildes aufrichtig trifft, gewisse Beiträge wirken aber doch eher heuchlerisch. Und weil wir euch so gerne auf den Schlips treten, haben wir eine Typologisierung von Leuten, die in sozialen Medien um Stars trauern, erstellt:

Der Trittbrettfahrer

Der Trittbrettfahrer trauert um der Trauer Willen. Er sieht bei seinen besser informierten Freunden, dass da offenbar jemand Wichtiges gestorben ist, also gibt er einfach auch mal seinen «RIP»-Senf dazu. Ob er sich überhaupt für den verstorbenen Star interessiert hat, ist dabei zweitrangig – er will einfach Likes auf Kosten eines Toten abstauben. Selbst wenn es sich dabei um Tiefflieger wie Mario Barth handeln würde. Du erkennst den Trittbrettfahrer daran, dass er oftmals einige Stunden oder sogar Tage zu spät dran ist, weil er zuerst googeln musste, wer der Verstorbene überhaupt war.

 

 

Der Modefan

Im Falle von Polo Hofer ist der Modefan der Typ, der es damals in der Primarschule amigs noch lässig fand, wenn der Lehrer «Alperose» angestimmt hat. Weiter hat er sich aber nie mit unserer Mundart-Ikone befasst. Das Linkin-Park-Äquivalent sind Typen, die zwar «Meteora» gefeiert haben, in den letzten Jahren aber bei jeder Gelegenheit betont haben, dass die Band seit mindestens drei Alben irrelevant geworden ist. Nun, da die beiden Sänger tot sind, erinnert sich der Modefan nostalgisch zurück und stilisiert Bennington beziehungsweise Hofer in der Konsequenz zu Legenden hoch. Er hat die schon immer gemocht, okay? IMMER!

 

 

Der Moralapostel

Von seinem hohen Ross herab kritisiert der Moralapostel die konventionellen «RIP»-Posts. Seine moralische Überlegenheit bringt er zum Ausdruck, indem er wahlweise darauf hinweist, dass jeden Tag unzählige weniger berühmte Leute mit dem Tod konfrontiert sind oder dass man sich lieber für die wahren Probleme der Menschheit, wie etwa das Bienensterben, einsetzen sollte.

 

 

Der Verschwörungstheoretiker

Wie bei allen grossen Medienereignissen gibt es auch bei toten Promis Leute, die dahinter eine riesige Verschwörung wittern. Wahrscheinlich wurde Chester im Auftrag der Illuminati von den Eidechsen-Menschen getötet, weil er die Wahrheit über Pizzagate enthüllen wollte. Ähä.

 

 

Der Witzbold

Dieser Typ nimmt den Tod mit Galgenhumor. Die Vorlage für seinen Schabernack liegt irgendwo im künstlerischen Schaffen des Verstorbenen. Im Falle von Chester Bennington durchsucht er also sofort die Lyrics von Linkin Park nach Zitaten, die sich nun für ein Spässchen eignen. Dann postet er Dinge wie «Früher waren sie besser – but in the end it doesn't even matter». Wow! So originell! So edgy! Du solltest für Mario Barth schreiben, du Comedy-Gott!

 

Linkin Park from toosoon

 

Der Zyniker

Eine Kombination aus Witzbold und Moralapostel: Der Zyniker hält sich grundsätzlich für besonders abgeklärt und regt sich über die Trauerposts auf, weil er im Leben selbst nichts erreicht hat. Er nutzt den Tod des Stars dann zum Beispiel als Aufhänger (Haha. Ha.), um für News-Portale Artikel zu schreiben, in denen er Trauer-Posts typologisiert und euch erzählt, wie heuchlerisch die ganze Aufregung ist.

Aber wir möchten jetzt nicht so sein – selbstverständlich gibt es auch Beiträge, die eine schöne Verabschiedung an die verstorbenen Legenden sind. In diesem Sinne: Mach's gut, Polo; rest in peace, Chester.


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108 Kommentare

Lia vor 22 Tagen
der Autor ist also der Gruppe der Zyniker zuzuordnen - die, die selber nichts erreicht haben.
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bobi vor 22 Tagen
wenighateliestsichgut
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Antwort
Der Witzbold vor 22 Tagen
"Galgenhumor" genau mein Ding ;D
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Lisa vor 22 Tagen
Äs chund mir vor als wärä mir numä einisch hiä. Winä. Film vergissiänis niä. Alpärosä chömä mir i sinn mögä si für di wider wachsä. R.I.P. Polo Hofer
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