Wenn wir bei Vor­stellungs­ge­sprächen ehrlich wären

Vorstellungsgespräche sind der Horror – schon nur weil man ständig aufpassen muss, um seine Makel zu verstecken und sich von seiner besten Seite zu präsentieren. Doch was würde passieren, wenn wir einfach mal knallhart ehrlich wären?

Kein Mensch mag Vorstellungsgespräche. Da sitzt man im Büro seines potenziellen Arbeitgebers wie das Kanninchen vor der Schlange und legt jedes Wort auf die Goldwage. Je nachdem ist man noch verkatert oder hat kurz vor dem Gespräch festgestellt, dass man noch Kaffeeflecken auf der guten Hose hat. Tja.

Aber was wäre, wenn wir einfach mal auf unsere Jobaussichten pfeifen und bei einem Vorstellungsgespräch gnadenlos die Wahrheit sagen würde? Wir haben uns ein paar ehrliche Antworten auf die klassischen Fragen ausgedacht. Oh und damit dir das Ganze in der Realität doch noch ein bisschen was bringt, fragten wir Rebekka Hänggi von Jobs.ch (JobCloud), wie man denn am besten antworten sollte, wenn man die Stelle tatsächlich will.

Warum haben Sie sich bei uns beworben?
Was wir gerne sagen würden: «Weil ich irgendwie meine Miete bezahlen muss und mein früherer Chef mich rausgeworfen hat, nachdem ich seine Ehefrau bei der Weihnachtsfeier als heissen Feger bezeichnet habe.»

Wie es richtig wäre: Du solltest gut vorbereitet sein und über die Firma Bescheid wissen. Es ist heute ja einfach, sich Informationen zum Unternehmen beschaffen (Website, Social Media Kanäle etc.) – das gehört zur Vorbereitung dazu.

Aus welchem Grund wollen Sie Ihren derzeitigen Arbeitgeber verlassen?
Was wir gerne sagen würden: «Naja, so ganz freiwillig war das ja nicht. Aber mein Arbeitsplatz war eh viel zu weit vom Kaffeeautomaten entfernt. Ausserdem ist der Chef ein Hornochse – dafür hat er eine hübsche Lady an seiner Seite.»

Wie es richtig wäre: In den meisten Fällen kann man hier sehr ehrlich antworten (fehlende Perspektiven, Arbeitsort, neue Herausforderung, Umstrukturierung). Bleibe aber sachlich und zieh nicht über den alten Arbeitgeber, Chef oder Teammitglieder her. Das wirkt sehr unprofessionell.

Nennen Sie fünf Begriffe, die Ihren Charakter beschreiben.
Was wir gerne sagen würden: «Unzuverlässig, neurotisch, arrogant, taktlos und … hmm … Mayonnaise.»

Wie es richtig wäre: Bleibe realistisch und reflektiere dich selbst im Vorfeld kritisch. Wenn du wie 90% der Bewerbenden mit «ungeduldig» antwortest, weil sich das sehr gut auch als positive Eigenschaft verkaufen lässt, wirkt das eher aufgesetzt und künstlich.

Was möchten Sie in drei Jahren erreicht haben?
Was wir gerne sagen würden: «Irgendwie wär’s cool, die 1000er-Marke bei meinen Instagram-Followern zu knacken. Ausserdem möchte ich endlich alle 36 Staffeln von ‹Dr. Who› schauen und dafür sorgen, dass die Betreibungen aus meinem Register gelöscht werden.»

Wie es richtig wäre: So möchten Personaler herausfinden, ob eine längere Mitarbeit von dir im Unternehmen möglich ist. Deshalb ist es ratsam, nicht gleich von einem Job am anderen Ende der Welt zu sprechen, sondern eher zu betonen, dass du dich in diesem Berufsbereich sehr wohl fühlst und dort gerne noch weitere Erfahrungen machen möchtest.

Warum denken Sie, der richtige Kandidat für diese Stelle zu sein?
Was wir gerne sagen würden: «Das würde ich so nicht behaupten. Wahrscheinlich könnten Sie ohne grossen Aufwand einen motivierteren und kompetenteren Kandidaten finden. Ausserdem machen Roboter wirklich beeindruckende Fortschritte und in zwei, drei Jahren wäre eine Maschine genauso fähig, den Job zu erledigen.»

Wie es richtig wäre: Setz dich in die Position des Arbeitgebers und überlege, welche Vorteile der Arbeitgeber durch dich hat. Was ist dein USP, also was unterscheidet dich von anderen Bewerbenden?

Was würden Sie gerne verdienen?
Was wir gerne sagen würden: «Ungefähr eine Million. Oder einfach immer einen Franken mehr als Sie.»

Wie es richtig wäre: Recherchiere im Voraus, was branchenüblich ist und bezüglich der Unternehmensgrösse passen könnte. Im besten Fall steigst du ein wenig höher ein, als du tatsächlich möchtest, das gibt dir zusätzliche Verhandlungsbasis. Verhandeln kannst du dann, indem du rechtfertigst, welche Leistung du für deinen Lohn lieferst. 

Was stört Sie am meisten an anderen Menschen und wie gehen Sie damit um?
Was wir gerne sagen würden: «In den meisten Fällen reicht ihre alleinige Existenz. Wie ich damit umgehe? Manchmal schütte ich mir Gin in mein Frühstücks-Müesli.»

Wie es richtig wäre: Niemand ist perfekt und niemand kann alle mögen – aber das ist auch okay so. Wichtig ist, dass du aufzeigst, wie du dich damit auseinandergesetzt hast und wie du eine Lösung gefunden hast.

Was sind Ihre persönlichen Stärken und Schwächen?
Was wir gerne sagen würden: «Ich erkenne über ein Dutzend Pornostars an ihrem Stöhnen, ausserdem habe ich Ganon in ‹Zelda – Breath of the Wild› bereits drei Mal besiegt. Dafür fällt es mir schwer, meine Steuererklärung rechtzeitig zu erledigen … oh und mein Atem riecht morgens manchmal nach Gin.»

Wie es richtig wäre: Hier geht es wieder um Selbstreflexion: Was kannst du wirklich gut? Wie beschreiben dich deine Freunde? Was treibt dich zur Weissglut? Wenn du reflektiert und ehrlich antwortest, macht dich das menschlich und zeigt, dass du darüber nachgedacht hast. 


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28 Kommentare

Lisa vor 24 Tagen
Kanninchen. Das kann aber was...
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Antwort
IT Projektleiter vor 24 Tagen
Mein Headhunter kümmert sich um Alles. Lebenslauf auf Englisch eingereicht, 3 Gespräche, Gehalt hat gepasst. 165k. Wo muss ich unterschreiben? Was sind das für dämliche Fragen?
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Antwort
Nico vor 24 Tagen
Leider kommt man mit ehrlichkeit nicht wirklich weit. Ich auf alle fälle werde bei einem gewerbungsgespräch (falls ich die chance nochmald habe) nie mehr ehrlich sein. Ich war für ein paar jahre im ausland (ausgewandert) und wollte mir etwas aufbauen. Leider läuft es nicht so gut wie ich es mir gewünscht habe. Es blieb mir nichts anderes übrig, als zurück in die schweiz zu gehen. Wärend meiner suche nach einem job, wurde ich für ein vorstellungsgespräch eingeladen. Es lief alles tiptop. Mir wurde gesagt, dass ich mir alles überlegen soll und mich am nächsten tag melden soll. Falls ich mich für den job entscheide, könne ich den vertrag unterschreiben unf am montag anfangen. Ich habe mir das am abend überlegt und wollte mich am morgen sofort melden. Der arbeitgeber kam mir zuvor. Er rief am morgen früh an u f sagte mir, dass das nix wird. Ich werde ha sowieso wieder ins ausland gehen sobald sich dort die lage ändert. Ich war so enttäuscht. Habe das nie gesagt. Werde zukünftig irgendwas erzählen über meinen auslandaufenthalt. Nur nie mehr, die wahrheit. Es wird eh alles verdreht und man wird selbst angelogen. Bin bis heute arbeitslos und ich denke, dass sich das auch nicht so bald ändert, da ich auch schon über 45 bin.
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Lukas Meister vor 24 Tagen
Ich sehe da eine Lücke in Ihrem Lebenslauf.. Können Sie dazu was sagen?............ JA, WAR GEIL!
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