Gemütlicher Deutsch-Pop von Britney

Unser neuer Lieblings-Deutschpop kommt aus Köln, ist hübsch unaufgeregt und heisst Britney.

Momentan feiern alle Bilderbuch. Klar: Die Erben Falcos sind schon ziemlich sexy, wenn sie in ihrem jüngsten Video-Release an der Stange tanzen und in schicken Marlboro-Jacken lasziv in die Gegend lächeln. Aber Deutsch-Pop hat noch anderes zu bieten als hübsch aussehende, nuschelnde Toyboys. Zum Beispiel sympathische Musiker mittleren Alters, die übers Schlafen, Frösche und Judo singen. So wie Britney.

Das Kölner Duo Britney schnappte sich nicht nur den besten Bandnamen der Welt, sondern drehte für seinen Debütsong «Hallo Frosch» ein schickes Video im gelungenen Dada-Stil. Roboter, Clowns, Kakteen, eine Tänzerin und ein nacktes Hähnchen – das Duo setzt all das an einen Tisch und schafft damit eine skurrile und doch familiäre Dinner-Atmosphäre, die wir uns auch für unser Familienweihnachten gewünscht hätten.

Nonsens oder Poesie?

So wie bei Bilderbuch kann man sich bei Britney auch nie ganz sicher sein, inwiefern es sich bei den Lyrics um Poesie oder Nonsens handelt. «Hallo Frosch! Machst du noch Judo, oder was?», will Sänger Oliver Minck im Refrain wissen. Die Parallelen zur Hamburger Schule rund um Tocotronic oder Nonsens-Poeten wie Element of Crime liegen auf der Hand. Und nachdem Tocotronic zwei eher langweilige Alben abgeliefert haben, braucht die Schule dringend ein paar neue Kids, die auf dem Schulhof etwas Randale machen. Und das könnten Britney ganz gut hinkriegen.

Ein Händchen für Pop hat das Duo jedenfalls. Als Lokalheld der Kölner Musikszene bewies Oliver Minck schon mehrmals, dass er ausdrucksstarke (oder: kryptisch-künstlerische) Texte schreiben kann. Nachdem er seine früheren Bands aus uns unbekannten Gründen alle nach Wetterphänomenen benannte («Die Sonne», «Wolke»), widmet er sich gemeinsam mit Jeong-Il Sin (der Solo auch als «Cadavre de Schnaps» unterwegs ist) jetzt neuer, witterungsloser Musik.

Wir hoffen, bei Britney geht noch einiges. Und damit meinen wir keine komischen Aktionen mit Haarerasieren und Mumu zeigen wie ihre Namensvetterin, sondern eher gemütlichen Deutschpop, den wir in unseren imaginären Schaukelstühlen vor dem imaginären Kamin hören können. 


Kommentar schreiben

1 Kommentar

Ekeltoni vor 6 Monate
Skurill auf künstlerisch geht anders. Was die machen ist einfach komisch. Nicht komisch im sinn von lustig, irritierend, oder sogar "bei genauem hinschauen horizonterweiternd". Es ist komisch im sinn von "was? Brot als handschuh? Naja. Was steht eigentlich in der zeitung?". Es ist komisch weil mans in dieser kombi noch nie gesehen hat, aber es ist nichts darüber hinaus.
4
1
Antwort
Ich habe mich eine Woche lang verkleidet

Ich habe mich eine Woche lang verkleidet

«Ich bin Sexsklave für dominante Frauen»

«Ich bin Sexsklave für dominante Frauen»

Pegasus stand kurz vor der Auflösung

Pegasus stand kurz vor der Auflösung

Eingerahmte Tattoos für die Hinterbliebenen

Eingerahmte Tattoos für die Hinterbliebenen