Ist der Lover weg, wartet schon der Ersatzschatz

Cushioning ist der neueste Begriff, wenn es um die Beziehungsunfähigkeit unserer Generation geht. Statt mit vollem Einsatz in eine Beziehung einzusteigen, hält man sich lieber noch einen Backup-Lover warm.

Laut Bestseller-Autor Michael Nast sind wir die «Generation Beziehungsunfähig». Wir tindern uns die Daumen wund, in der Hoffnung, schnellen Sex und oberflächliche Liebeleien zu finden. Was echte Liebe bedeutet, wissen wir laut Nast nicht mehr. Monat für Monat ploppen deshalb neue Beziehungsbegriffe im Netz auf – von «Ghosting» bis «Benching» gibt es mittlerweile für praktisch jedes beziehungsgestörte Verhalten einen passenden Begriff. Ganz neu mit am Start: «Cushioning».

Du datest jemanden, hast möglicherweise sogar Schmetterlinge im Bauch, aber willst die Gefühle weder dir noch der beteiligten Person gestehen. Du hast Angst, dass die aufblühende Beziehung in die Brüche gehen könnte. Oder dass deine Gefühle doch nicht so tief sind. Oder dich der Herzmensch nur ausnutzt. Deswegen flirtest du mit anderen potentiellen Lovern, hältst sie dir warm und gehst so auf Nummer sicher – denn wenn dus dir beim A-Team verkackst, hast du durch diese Taktik ein Kissen, das dich vor dem harten Aufprall auf dem Boden der Einsamkeit schützt.

«Wenn das Schiff untergeht, rettet er mich vor dem Absaufen»

Trifft das auf dich zu? Herzlichen Glückwunsch. Du bist ein unehrlicher, herzloser Pisser, der wohl ein ernsthaftes Problem mit dem Alleinsein hat und andere Menschen als Bestätigung für die eigene Liebenswürdigkeit und Attraktivität benutzt. Möglicherweise hat Herr Nast recht und wir haben wirklich verlernt, wie man Herzmenschen mit Respekt und echter Nähe begegnet. Zumindest könnte man das denken, wenn man die Geständnisse von Leuten liest, die «Cushioning» machen.

«Mein Freund und ich sind seit rund einem Jahr ein Paar. Trotzdem gibt es da ein, zwei Typen, die unverblümt mit mir flirten und die Chance sofort nutzen würden, wenn ich wieder Single wäre», verrät eine 22-Jährige im Interview mit «The Tab». «Die Aufmerksamkeit finde ich gut, denn wenn das Schiff untergeht, habe ich jemanden, der mich vor dem Absaufen rettet.»

Raus aus dem Selbstmitleidsbad, rein in die Verantwortung

Sich bewusst mit dieser Attitüde durchs eigene Liebesleben zu kämpfen, ist ziemlich assi, wenn wir ehrlich sind. Doch oft laufen diese Verhaltensmuster auch unbewusst ab – wir merken quasi gar nicht, wie unser Handeln auf andere wirken könnte.

Statt uns jetzt aber selbst in die Opferrolle zu stecken und uns in Selbstmitleid und Enthaltsamkeit zu baden, könnten wir uns das nächste Mal auch einfach auf den swipenden Daumen hauen. Vielleicht kann sich unsere Generation dann endlich von dem zähen Stigma der Unverbundenheit befreien, dass an ihr klebt. 


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41 Kommentare

Lapos vor 8 Monate
Nun ja, ich habe festgestellt dass wir irgendwie unter steigerungswahn leiden. Aber irgendwann ist es gut, wie es ist. Es lässt sich nicht unendlich alles steigern. Beobachtet mal bei euch selber, wie oft ihr etwas steigern möchtet. Es ist krankhaft, meiner meinung nach.
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Jack Dawson vor 9 Monate
Haha "der einem von dem Absaufen rettet". Was wohl die meisten Frauen vergessen dass es keine Garantie gibt ob der "Retter im Rettungsboot" auch was ernstes oder nur zum Stich kommen will und sie dann zum Grund der Titanic schicken.
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Nicole vor 9 Monate
Ich warte noch bis der richtige zum Heiraten kommt. In der Zwischenzeit versüsse ich mir das Leben mit einer sogenannten Bumsbeziehung. Er entstammt einem anderen Kulturkreis, also eine Heirat ist unmöglich und wäre auch für mich nicht denkbar mit ihm. Könnte das nicht ertragen, die Sitten und Gebräuche von denen und dann ständig die Verwandschaft im Nacken zu haben. Nicht einmal wohnen möchte mit ihm zusammen. Wir verbringen eine anstengende Nacht in der Woche miteinander und dann geht jeder wieder seine eigenen Wege, bis zum nächsten mal. Seine Eltern haben wohl seine Braut schon ausgesucht. Aber ich hoffe auch für mich ist noch der Richtige auf dem Weg. Bei meiner Schwester ging es auch schnell. Raus aus der alten Beziehung, rein in eine neue, nach 3 Monaten schwanger, nach weiteren 6 geheiratet. So stelle ich das bei mir auch mal vor.
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Antwort von vor 9 Monate
Oh mein Gott. Der hat 5 andere Freundinnen und vielleicht schon Frau und Kind. Und deine Argumente sind ja mal voll beschränkt. Stell dir das nur so vor. Kind kriegsch bald emal. Nacher chasch denn mit gschidne Anekdote cho!! Du snob.
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