DJ-Pärchen macht sich zum Affen

Ein amerikanisches DJ-Duo will 100‘000 Dollar für seine Welttournee sammeln. Bis heute kamen auf Kickstarter rund 169 Dollar zusammen. Das Netz lacht.

Die meisten Musiker, die ich kenne, reissen sich für ihre Projekte ziemlich den Arsch auf. Damit beim nächsten Konzert im abgefucktesten Schuppen des Dorfes zwei Leute mehr anwesend sind. Oder sie ihre Fähigkeiten vor kritischem Publikum ausbauen können. Es gibt kein Erfolgsrezept, aber Engagement zeigen, sich Arme und Beine ausreissen, klingt schon mal nach keinem Holzweg. Anders denkt wohl das DJ-Duo LYTT. 

Spendenaufruf für 100 Riesen 

LYTT, bestehend aus den Verlobten Amberly und Matthew aus Alaska und Kalifornien, machen erst seit kurzem ihren eigenen Sound. Auf Soundcloud veröffentlichten sie bisher ein Lied, auf Facebook sind die Turteltäubchen seit Mitte Februar unterwegs. Obwohl die beiden nicht unbedingt viel vorzuweisen haben, riefen sie dennoch ein Crowdfunding auf Kickstarter und GoFundMe ins Leben. Sie haben sich nämlich hohe Ziele gesteckt und wollen diesen Sommer auf Welttournee. Dafür brauchen sie dein Geld. Ihr Ziel: Über 100'000 Franken. Bescheiden. Und komisch, wenn man bedenkt, dass mit dem DJing doch auch etwas Geld verdient wird.

Zusammengekommen sind nach einem Monat ganze 169 Franken (gestern waren es noch 64) auf Kickstarter und nichts auf GoFundMe – und sie haben noch bis 1. April Zeit, die restliche Knete zu erhalten. Autsch. Mit dem Geld wollen sie sich unter anderem auch einen Agenten an Bord holen, ihre Musik professionell im Studio aufnehmen, Musikvideos produzieren und Fotoshootings organisieren.

Welttournee oder Weltreise?

Das Problem bei Amberly und Matthews geplanter Welttournee besteht nicht nur aus dem fehlenden Cash, sondern auch, dass erst ein Gig auf Ibiza bestätigt wurde. Trotzdem hofft das Liebespärchen, dass auch andere Clubs sie bucht (unter anderem das Kaufleuten in Zürich oder das Berghain – anfangs vom Duo «Bargain» genannt – in Berlin), weil «LYTT viele Connections hat und an vielen Orten der Welt gebucht werden kann». Klingt unglaubwürdig. Aber wer weiss, vielleicht hat einer ihrer 33 Fans auf Facebook ja ein paar Connections.

Wir sind nicht die einzigen, die ihr Vorgehen nicht nachvollziehen können. Im Netz erfahren die beiden zurzeit einen kleinen Shitstorm. Auf Kickstarter schreiben Leute Kommentare, wie «Ich zahle euch 200 Riesen, wenn ihr mit eurer Musik aufhört» und «Ist das wirklich euer Ernst? Das ist das Absurdeste, das ich seit langem gelesen habe». Auch auf Facebook tummeln sich lauter ähnliche Kommentare. Verschiedene Portale, wie EDMTunes.com und YourEDM.com haben ihr Crowdfunding kritisiert. Sie könnten nun realisieren, wie albern ihr Spendenaufruf wirkt, stattdessen postet das Duo die verschiedenen Artikel auf Facebook und fragt ihre «Fanbase» – sichtlich stolz –, ob es noch mehr solcher Berichte zu lesen gibt.  

Eigentlich wollen wir ja keine Träume und Bestrebungen kaputtmachen, aber 100 Riesen für mittelmässige EDM-Musik zu verlangen klingt einfach dämlich. Hauptsächlich, weil ihre Vorstellung eher einer Weltreise ähnelt und keiner Tour. Wer sie trotzdem unterstützen möchte: Wenn du 14 Franken spendest, erhältst du einen Song gratis. Wenn du über 7’100 Franken beisteuerst, erhältst du ein DJ-Equipment inklusive Festplatte mit der benötigten Musik und einen DJ-Crashkurs. Per Videochat. Cool.


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22 Kommentare

Max Wolfensberger vor 21 Tagen
Ist für Geld zu arbeiten bereits so out? Zum Glück noch nicht.
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sar vor 22 Tagen
Autsch
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Antwort
Cry fair vor 22 Tagen
Wiso hab ich nur reingehört?! Ich blödian...
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Lapos vor 24 Tagen
Berghain und edm, alles klar.
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