Youtuber nehmen Drogen, damit du es nicht musst

Holländische Youtuber konsumieren auf der Videoplattform Drogen und erhalten dadurch Millionen von Views. Der fragwürdige Kanal mache das «im Namen der Wissenschaft».

Nachdem ein paar Fakten, Zahlen und halbherzige Warnungen über 3,4-Methylendioxy-N-methylamphetamin – besser bekannt als die Droge MDMA – runtergerattert werden, geht’s los: Nellie Benner und Bastian Rosman spielen «Schere, Stein, Papier» – der Gewinner muss die Droge konsumieren.

Was wie eine komische Szene aus einer versifften Hipsterparty klingt, ist in Wirklichkeit das holländische Wissenschaftsprojekt «Drugslab», das man sich ernsthaft auf Youtube in Videoform geben kann. Angeblich alles im Namen der Forschung.

Wissenschaftlicher Drogenselbsttest

Von Alkohol bis Zauberpilze: Die drei holländischen Moderatoren Rens Polman, Nellie Benner und Bastiaan Rosman haben in den vergangen fünf Monaten schon die verschiedensten Drogen unter die Lupe genommen und auch konsumiert: «Wir tun das im Namen der Wissenschaft, damit wir Dir die Auswirkungen von Drogen auf den menschlichen Körper zeigen können», steht in der Sendebeschreibung.

 In jeder Videofolge erklären sie die physischen und psychischen Auswirkungen der jeweils getesteten Droge, geschmückt wird das Ganze mit historischen Infos. Dann nimmt einer der Moderatoren die behandelte Droge. Nach dem Konsum wird das Versuchskaninchen medizinisch überwacht und – wenn es darauf reagiert – interviewt.

Kritische Stimmen? Fehlanzeige.

So gesteht die 30-jährige Nellie während eines Kokaintrips:«Ich hätte jetzt gerne Sex». Rens – der ist 25 Jahre alt – dass er dank den eingenommen Magic Mushrooms Angst kriegt und Bastiaan Rosman, 23 Jahre, fühlt sich nach dem Spacecake-Schmaus einfach nur dumm. Am Tag danach ziehen sie noch im gleichen Video ein Fazit und erläutern ihr Post-Drogenbefinden.

Auf das Versuchsvideo folgt ein Erklärvideos das nochmals die Do’s and Dont’s für den jeweiligen Konsum erläutert. Kritische Stimmen? Fehlanzeige. Die Folgen wirken fast verharmlosend.

Angst um Anzeigen haben sie keine

Unterstützt und finanziell gefördert werden die Trips der Drugslab-Moderatoren von «Bart's Neverending Network» – kurz BNN – einer Rundfunkgesellschaft die dem Niederländischen Staatsfernsehen angehört. Der fragwürdige Youtube-Kanal ist Teil der «Spuiten en Slikken»-Serie (Spritzen und Schlucken) von BNN. Ein Jugendprogramm, das sich seit 2005 mit Sex und Drogen auseinandersetzt.   

Juristisch gesehen müssen sich der Sender und die Moderatoren keine Sorgen machen: Wegen den lockeren Drogengesetzen Hollands wird in nächster Zeit keine Anzeige oder Mahnung in die Redaktion von Drugslab reinflattern.  

Mehr Mahnfinger, bitte!

Und obwohl die unkritische Drogenparty wohl einige Eltern in Panikmodus versetzen dürfte, kommt die Sendung an: Der Kanal, der am 8. September 2016 lanciert wurde, zählt knapp über 10 Millionen Views und über 300‘000 Abonnenten. Tendenz steigend. In den Kommentaren überschlagen sich die User mit Vorschlägen, was die experimentierfreudigen Moderatoren als nächstes einwerfen sollen.

Schön und gut, dass jemand Drogen konsumiert, damit wirs nicht machen müssen. Aber sogar wir wünschen uns bei diesem «Wissenschaftsprojekt» einen kritischeren Ansatz.

Für alle die trotzdem angefixt sind, hier ein Drugslab-Beispiel. In den Untertiteln kannst du die englische Übersetzung aktivieren.


Kommentar schreiben

24 Kommentare

Puff vor 5 Monate
So viele Kommentare die sich mit dem Thema noch NIE auseinander gesetzt haben aber einem die Welt erklären wollen mit ihren absolut falschen Alternativen Fakten. Drogen machen sofort süchtig und so n Quark xD Manchmal frage ich mich schon wie naiv und verbohrt man sein kann. Es ist einfach meine Freiheit als Mensch die mir erlaubt meinen Geist und meinen Körper zu erforschen wie ich möchte. Es interessiert mich einfach was da abgeht. Alles ist mein Risiko, mein Problem. Selbst wenn die schädlich sind, darum geht es ja auch gar nicht! Es wird ja auch nicht das Hallenklettern verboten, oder Motorrad fahren, obwohl man sich da schwer verletzen oder sogar töten kann. Woher nimmt der Staat sich das Recht raus, meinen Freizeitsplan zu reglementieren verdammte scheiße. Wird ja niemand gezwungen das zu nehmen. Stattdessen werden Menschen die niemanden schaden und kein Verbrechen begehn wie Kriminelle behandelt. Nur weil man zB. eine Pflanze raucht??? Gehts eigentlich noch??? Eine Heilpflanze die einfach so in der Natur wächst!!! Ein Geschenk der Mutter Erde und wir verbieten sie. Kranke Welt in der wir leben...
0
0
Antwort
Liv vor 8 Monate
Ich bin der selben Meinung wie andere hier, wenn jemand Drogen nehmen will dann nimmt er sie sowieso. Ist die Person immerhin gut informiert sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass was schief geht. Die drei aus den Videos finde ich sehr sympathisch und sie zeigen, was einen guten Tripsitter ausmacht und wie wichtig die richtige Dosierung ist.
5
0
Antwort
Timih vor 8 Monate
Danke. Häde ig gewust wege kanapis häde ni gnome. Ish zschpott jeze.
0
1
Antwort
Openworld vor 8 Monate
Gibst schon lange... Ich finde es persönlich schon gut, Aufklärung und so weiter, aber das sie es so offen zeigen finde ich schon fragwürdig... ich finde es schon toll tipps und ect.. schlussendlich hilf das auch sich zu überlegen möchtet man das wirklich mit sich tun.. Und ganz gross Alkohol ist gefährlicher als manche "harte drogen"
4
1
Antwort
«Krishna war der erste Influencer»

«Krishna war der erste Influencer»

Hier werden Hausdächer zu Halfpipes

Hier werden Hausdächer zu Halfpipes

Sie reist seit einem Jahr kostenlos um die Welt

Sie reist seit einem Jahr kostenlos um die Welt

«Ein krasser Einstiegslohn ist nicht wichtig»

«Ein krasser Einstiegslohn ist nicht wichtig»