«Darf ich mal deine Mumu anfassen?»

Unser Autor beginnt das neue Jahr mit neuen Herausforderungen, Erfahrungen und Erkenntnissen. Unter anderem weiss er jetzt, dass Vaginas keine schleimigen, monströsen Fleischwunden sind.

Anstelle von Neujahrsvorsätzen, die ich sowieso nie einhalten werde, habe ich vor einiger Zeit schon beschlossen, über meinen eigenen Schatten zu springen und jedes Jahr Sachen auszuprobieren, die mir eigentlich ziemlich fernliegen oder zumindest fremd sind. Horizonte erweitern und so. Letztes Jahr habe ich meine Flugangst überwunden, das erste Mal Gras geraucht und mich den Gefahren der Berge ausgesetzt. Sexuell habe ich mich in die BDSM-Szene gewagt, mit Hobbysklaven experimentiert und Erotikkinos besucht.


Auf dem Selbstüberwindungstrip


Als «alte Seele» und stolzer Langweiler, der seine Freitagabende lieber mit einer Familienpizza und «Modern Family»-Bingewatching verbringt, als im Drogenrausch durch die Clubs zu ziehen, bin ich eigentlich ganz froh darüber, mich immer wieder in meine kleine, pastellrosa Zuckerwatte-Einhorn-Welt zurückziehen zu können. Bin aber noch nichtmal 30 Jahre alt und will mich später nicht darüber ärgern müssen, mein Leben faul an mir vorbeiziehen lassen zu haben. Deswegen: YOLO! (Sagt man das eigentlich noch?)


Silvester habe ich aus Gründen bei und mit lieben Menschen in Wien verbracht. Und da sowohl meine Freunde, als auch Wien megahip sind und man ja «alles einmal ausprobieren» sollte, habe ich mich dazu entschlossen, die Gelegenheit beim Schopf zu packen und mit meinem Selbstüberwindungstrip gleich weiterzumachen. Ich überlegte, was mich wirklich Überwindung kosten würde und da gab es drei Dinge: Ins Solarium gehen, nicht-schwarze Kleidung tragen und eine Vagina berühren.

Darf ich mal anfassen?

Natürlich entschied ich mich aus rein praktischen Gründen für den dritten Punkt. Meine gute Freundin Charlotte, mit der ich gerade auf der Couch sass, um nach Bildern von Nicole Kidmans Gesicht zu suchen (warum auch immer), verdient sich ihr Geld nämlich als Pornodarstellerin und geht von Berufswegen her sehr locker und offen mit Nacktheit und Sexualität um. Folgende Konversation fand tatsächlich statt:

«He, darf ich mal deine Mumu anfassen?»
- «Äh... Okay? Warum? Du bist schwul.»
«Möchte mal wissen wie das ist.»
- «Von mir aus.»
«Aber kein Sex oder so. Nur kurz anfassen.»
- «Ist in Ordnung.»

Viel langweiliger und trockener als erwartet

Und schon war das geklärt. Hose auf, Hand rein. Ich weiss nicht, was ich erwartet hatte. Vielleicht eine grosse, klaffende, glitschige Fleischwunde, die mich verschlingt und als schleimiges, fischiges Monster wieder ausspuckt. Wenn ich Glück habe. Oder schlimmer: Ich entdecke plötzlich meine heterosexuelle Seite und kehre als pussy-grabbender Donald-Trump-Fan in Blue Jeans, roten Puma-Sneakers und weissem Fake-D&G-Logo-Shirt in die Schweiz zurück.

Gott sei dank ist beides nicht eingetroffen. Ich muss sagen, es war ziemlich ernüchternd und viel trockener und weniger erschreckend, als gedacht. Fast schon enttäuschend. Man könnte beinahe meinen, es sei richtig langweilig gewesen. Viel Haut und irgendwie an den «falschen Stellen» weich und doch hart und überhaupt einfach von allem viel weniger und kleiner. Hingeschaut habe ich nicht, dafür blöd gekichert. Und darauf gewartet, dass meine Hand irgendwo tief versinkt, was natürlich nicht passiert ist.

Gestunken hat es auch nicht wirklich

Kennt ihr das, wenn ihr wiedermal bei Oma zu Besuch wart, zu viel Kuchen gegessen habt und dann heimlich unter dem Tisch den obersten Knopf eurer Hose öffnet, um Platz für die aufquellende Wampe zu bieten? Ungefähr so wie diese Fettfalten hat sich die Mumu angefühlt. Aber doch anders.

Ach so, ja und: Gestunken hat es auch nicht. Da hatte ich schon Begegnungen mit Schwänzen, die um Einiges ekelhafter waren. Das Ganze hat gerade mal ein paar Sekunden gedauert. Hose wieder zu, weiter nach Nicole Kidman gegoogelt. Und ich bin immer noch nicht hetero. Sollte aber wohl meine Vorurteile gegenüber weiblichen Geschlechtsteilen überdenken.

Fazit: 2017 lasse ich die Finger von Mumus. Und mache mich mal über die weibliche Anatomie schlau.


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