«Meine Kinder sollen keine Hurensöhne sein»

Die 24-jährige ehemalige Prostituierte Michelle hat ihren Job im Sexbusiness an den Nagel gehängt. Heute holt sie ihren Abschluss nach und will Karriere machen.

Michelle, 24 wohnt im österreichischen Graz und arbeitet als Verlagsassistentin. Sie ist blond, relativ schlicht gekleidet, kaum geschminkt und wirkt auf den ersten Blick eher unscheinbar. Auf den zweiten auch. Wie ein Mädchen, dessen Namen man sich nicht leicht merken kann, weil man ihn gleich wieder vergisst.

Wüsste ich es nicht besser, würde ich nie glauben, dass das ruhige Mauerblümchen, das hier vor mir sitzt, ein paar Jahre lang seine Kohle als Sexarbeiterin verdient hat. Auch ich bin nicht vorurteilsfrei, wie ich wieder mal merke. Michelles Stimme ist tief und kratzig und ihre rotzige Ausdrucksweise passt irgendwie so gar nicht zu ihrem Auftreten.
 

Hallo Michelle. Erzähl doch mal. Wie kommt man auf die Idee, als Nutte arbeiten zu wollen?
(grinst)Sehr direkt, das mag ich. Also ich war ziemlich rebellisch als Teenager. Unterricht geschwänzt, viel gesoffen und geraucht, Schule abgebrochen. Meiner Mutter war es egal und ich fand das ziemlich in Ordnung. Nichts zu tun, no Rules und sowas. Aber irgendwann stehst du halt dann da, ohne Ausbildung, Job und Kohle.

Und die einzige Lösung war für dich die Prostitution?
Naja. Ich wollte nie an irgendeiner Kasse stehen, morgens bis abends «Hallo, guten Tag, das macht dann 19,90 bitte!» kotzen. Also hab ich mir gedacht, entweder mach ich Comedy oder nehme Geld für Sex. Hab mich dann für Letzteres entschieden, weil ich nicht so lustig bin und gerne ficke. (lacht) Spaß beiseite. Eine gute Freundin hat damals schon als Callgirl gearbeitet. Die hat mir das schmackhaft gemacht.

Wie lange hast du den Job durchgezogen? Und – hattest du Spass?
Vier Jahre lang. Spass ist übertrieben, es war eben ein Job. Hast du denn Immer Spass an deinem?

Ähm...
Siehst du. Das Geld war Wahnsinn. Ich habe mich nie dafür geschämt oder mich geekelt. Ich bin ein Freigeist, ich wollte und will immer selbst über mich und mein Leben entscheiden. Und als ich nach vier Jahren keinen Bock mehr hatte, hab ich einfach aufgehört.

Geht das so einfach?
Klar. Ich hatte eine Agentur, die mich vermittelt hat und ich hab denen einfach gesagt, dass ich nicht mehr möchte. Ich weiss, man hört da oft auch andere Storys aber ich hatte wohl Glück.

Und heute?
Habe einen Job als Assistentin in einem lokalen Zeitungsverlag. Ganz normal als Praktikantin angeheuert und wurde dann übernommen. Kann wohl ganz gut Anrufe entgegennehmen, Kaffee kochen und Dokumente kopieren. (lacht) Die Kollegen sind in Ordnung, die Arbeit ist einfach und ich kann davon leben. Nicht so geil wie davor aber es geht gut.

Macht dich das glücklich?
Fuck, nein. Aber ich will was erreichen im Leben. Wenn ich mal Kinder habe, sollen die keine Hurensöhne sein. Habe vor, meinen Abschluss nachzuholen und dann zu studieren. Psychologie wär geil. Bis dahin versuche ich mich im langweiligen Alltag zu integrieren. Man wird ja auch nicht jünger, gell?

Stimmt schon. Und wenn das mit dem Studium aus irgendeinem Grund nicht klappen sollte?
Dann such ich mir einen reichen Mann und heirate den.


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222 Kommentare

warum vor 6 Monate
verurteilt man sie so sehr. Sie soll probieren ein normales Leben zu erhalten. Und scheinbar sorgt sie sich mehr um ihre noch nicht geborenen Kinder als andere. In diesem Land werden jedes Jahr 10000 Kinder zerstückelt und im Abfall entsorgt. Sie soll ihre Chance erhalten.
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Daniele vor 6 Monate
...dann bleib kinderlos....
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Markus vor 6 Monate
Komm nach China. Es gibt viele Reiche Chinesen welche gerne eine weisse Braut hätten, Sprache ist da nur halb so wichtig, und der würde wahrscheinlich dann noch das Studium Zahlen...
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Antwort
Silvano vor 6 Monate
Wer in der Hurerei arbeitet ist nur zu faul fur die Gastro - dort gibt es IMMER Arbeit für Gutaussehende! Nutten nehmen IMMER auf die eine oder andere Art einen gewissen psychischen Schaden in Kauf, DESWEGEN NULL Achtung von mir für jede die anschafft. IHR SEID DRECK. Nicht vesser als die Junkies damals am Blattspitz.
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