Ich verbrenne die Sachen meiner Exfreunde

Unsere Redaktorin hat es genossen, das Hab und Gut ihres Verflossenen zu zerstören. Zerschneiden, verbrennen, ganz egal was – Hauptsache weg damit.

Ich habe mich ergötzt an dem Haufen zerstörter Shirts, Postkarten und Pärchenfotos, die damals vor mir lagen. Ich habe sie genüsslich getreten und in den Boden gestampft. Zerrissene Papierfetzen und abgetrennte Stoffärmel lagen am Boden, ich mit der Schere in der Hand und purem Wahnsinn in den Augen.

Nein, das sind nicht die ersten Sekunden eines schlechten Drogentrips, sondern meine Reaktion auf eine Trennung. Zugegeben, sie ist schon einige Jahre her, doch die dramatische Verarbeitung eines «Ich mach Schluss» spielte sich genauso ab. Und die winzig kleine Prise «Dramaqueen», die meinem Liebeskummer beigefügt wurde, tat mir in diesem Moment unheimlich gut. Was ich damit sagen will? Es ist unglaublich befriedigend den Shit des Ex zu zerstören, möge er auch noch so klein sein.

Lieber randalieren als heulen

Mit jedem einzelnen Riss in die mit nicht ganz so ewig währender Liebe verfassten Postkarten – «Du bist die Liebe meines Lebens», my ass – riss ich gleichzeitig ein Stück Wut aus meiner Seele. Klingt irgendwie poetisch und schmalzig, doch so war es. Statt mich im Bett zu verkriechen und mir die Augen auszuheulen, zerstörte ich also Gegenstände vom Ex – und heulte dabei nur halb so viel.

Jedes Stück Papier, das langsam den Flammen aus dem Feuerzeug wich, und jedes zerfetzte Teil seines Lieblingspullis, das im Müll landete, verlieh mir Macht und Kontrolle. Über sein Eigentum und meine Gefühle. Eine Win-Win-Situation also.

Innovative Schlussmachgeschenke

So entfernte ich mich langsam und nur Schritt für Schritt von ihm. Doch es war befriedigend, brachte mich innerlich zur Ruhe. Zugegeben, besonders kreativ war ich in meiner Herzschmerztrauerphase nicht gerade. Da hätte eine mit Schokoküssen verschmierte Schachtel voller Erbstücke, die zuerst noch einige Stunden in brütender Hitze geschmort hätte, oder das uringeruchverströmende Fotoalbum des letzten gemeinsamen Liebesurlaubs wohl grössere Vergeltung geübt. Aber mittlerweile bin ich doch ziemlich froh, dass mich zu dieser Zeit keine derartigen Ergüsse überkommen haben.

Ich versteh schon, die Reaktion war völlig infantil. Zählen das Alter, die Unerfahrenheit und der Fakt, dass ich wohl niemals zuvor so sehr verletzt worden war als Ausreden? Vielleicht. Auch wenn ich eine Trennung mittlerweile aber sicherlich – okay, zumindest zu 99 Prozent – anders handhaben würde, mich sogar ob derartiger Gedanken fast schäme, fühlten sich die damaligen Wutausbrüche gegenüber leblosen Objekten unheimlich befreiend an. Pubertär und ein winziges bisschen stillos, aber befreiend.


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41 Kommentare

Hömmaaa vor 11 Tagen
Hab ich auch schon gemacht und kann bestätigen: Das ist wahnsinnig befreiend. Allerdings sollte man hier differenzieren. Bei einer "sauberen" Trennung mit vorheriger Aussprache bringt das Zerstören gar nix sondern nur gesundes Trauern und Zeit. Wird man belogen/betrogen oder feige abserviert, ist es wahnsinnig befreiend. Allerdings habe ich mich auf die Sachen beschränkt, die er nicht mitnehmen wollte bzw. die eh mir gehört haben (Fotos, Andenken etc.), da ich nicht zusätzlich zum Trennungsschmerz noch Schuldgefühle oder eine Anzeige wegen Sachbeschädigung am Hals haben wollte.
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Bimbo vor 12 Tagen
Aus Liebe kann niemals Hass werden - auch wenn dies viele Leute glauben. Nur aus enttäuschter Selbstverliebtheit kann Hass werden. Aber die meisten Menschen wissen heute ja gar nicht mehr was Liebe wirklich ist...Sie brauchen nur einen Partner um ihr eigenes Selbstwertgefühl zu steigern. Was sie Liebe nennen ist in Wahrheit bloss Folie à deux
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Only you vor 12 Tagen
Mein Ex Freund ist leider während einer OP gestorben. Ich habe heute nach 20 Jahren immer noch Fotos von unsere schöne Zeit al Errinnerung in meinem Album. Mein Mann weiss es, und versteht es nicht, er sagt ich soll alles wegwerfen. Werde ich niemals tun.
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Antwort von Markus vor 12 Tagen
Verstehe dein Mann nicht, es tut mir ja leid für sein Tod, aber er ist nicht mehr da und dein Mann sollte nicht eifersüchtig sein. Er sollte Dir deine schöne Errinnerung nicht verbieten.
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