Festivals machen uns zu besseren Menschen

Love, Peace und Happiness: Wie unsere Vorfahren damals am Woodstock, sind wir auch heute am Openair St. Gallen glücklichere und sorglosere Menschen.

Als ich am Samstagvormittag auf dem Festivalgelände des Openairs St. Gallen ankam, gabs erst mal eine dicke Umarmung von meinem Kollegen Schimun. Wieso? Es ist Openair – weitere Gründe braucht es nicht für mehr Herzlichkeit. Und müssten wir nicht arbeiten, hätte er mir bestimmt  – oder ich ihm  – auch noch ein Bier in die Hand gedrückt. Geld und Mühe spielen eben keine Rolle, wenn du am Openair bist.

Drei Tage Liebe und Musik

Schon unsere Eltern, deren Eltern oder zumindest die Vertreter der Hippie-Bewegung in Amerika haben gewusst, dass sich Peace, Love und Happiness am besten und am unbeschwertesten an einem Festival ausleben lassen. Wieso trug das legendäre Woodstock wohl den Übernamen «Drei Tage Liebe und Musik»? Und anders ist das Motto heute am Openair St. Gallens eigentlich nicht.

Eine kleine Anekdote: Als ich am Freitag über das Festivalgelände strich, ist mir ein grössere Pavillon-Konstruktion aufgefallen, unter der rund ein Dutzend Leute im Kreis um einen Gitarrenspieler sassen. Ich fragte kurz, ob ich mich daneben setzen darf. Die Runde machte mir Platz und ich lauschte ein wenig der Musik. Als ich schliesslich mein mitgebrachtes Bier ausgetrunken habe (trotz Arbeit), fragte mich einer in schönstem St.-Galler-Dialekt, ob ich noch eins wolle. Das ist Openair.

Ein kleines Utopia

Von so einer kleinen Nettigkeit kann wohl jeder Festival-Besucher erzählen. Wir sind offener, netter, glücklicher, herzlicher und auch hilfsbereiter als sonst. Probleme mit dem Zeltaufbau? Dein Nachbar hilft dir. Ein wenig Zärtlichkeit? Es läuft jemand mit einem «Free Hugs»-Schild rum. Nasse Socken? Deine beste Freundin hat sicher noch ein Paar für dich eingepackt. Und nur wenn es in Strömen pisst, suchst du vergebens nach strahlenden Gesichtern. Aber auch dann singt irgendwo eine tanzfreudige Gruppe um die Wette.

Das Phänomen ist eigentlich leicht erklärt – und es ist nicht nur der Alkohol. Wir sind hier am Openair St. Gallen aus drei Gründen vereint: Wir lieben Musik, wir wollen feiern und wir sind keine asoziale Menschen. Gleichzeitig sind Festivals wie Ferien im eigenen Land. Wir sind für ein verlängertes Wochenende mal weit weg von Zuhause: Nicht geografisch, sondern vom Alltag entfernt. Sorgen und schlechte Nachrichten lassen wir hinter uns. Keine nervigen Eltern oder Mitbewohner – alles voll easy. Ein kleines Utopia eben.

Bessere Menschen?

Die Frage ist nur, können wir das auch zurück in die echte Welt hinaustragen? Machen uns Festivals zu besseren Menschen? Aus eigener Erfahrung kann ich das bejahen. Von diesem einmaligen Beisammensein kann jeder etwas mitnehmen. Wir rücken an Regentagen ein wenig näher zusammen und strahlen unsere Mitmenschen bei schönem Wetter an. Wer sein Herz ein mal für Peace, Love und Happiness geöffnet hat, wird es so schnell nicht mehr schliessen.

Was ist deine schönste Openair-Geschichte? Erzähl sie uns in den Kommentaren!


Kommentar schreiben

11 Kommentare

Zu viel Fantasie? vor 11 Monate
Herzig wie man versucht sich selber zu belügen und die unnötigen Alkohol und Drogen Exzesse durch ein "besserer Mensch" Geschwätz zu relativieren. Sorry das ich eure kleine Hippygschpänst Seifenblase zerplatzen muss aber das ist alles nicht wahr. Alkohol und Drogen machen euch nicht zu besseren Menschen, Dreck und Gestank auch nicht, Sorry.
18
44
Antwort
Antwort von ElectricKoolAidAcidTest vor 11 Monate
Völlig richtig. Exzesse sind in Ordnung, solange man dazu stehen kann. Dazu stehen bedeutet aber nicht, sich selber dafür in den Himmel zu loben. Mit genügend Demut und Respekt gegenüber Substanzen und der nötigen psychologischen Vorbereitung (Set und Setting) kann man sich durchaus zu einem "besseren Menschen" weiterbilden. Aber sicher nicht im Kreise eines überenergetischen Festivals und auch nur dann, wenn man gewillt ist, den Rausch zu verarbeiten statt das Erlebte zu verdrängen und dem alten Muster nachzurennen...
9
3
Antwort
Antwort von THETRUTH vor 11 Monate
Hört auf diese weise wundervolle Person, sie spricht die Wahrheit. Wenn wir alle einmal schön mit Velo fahren, wäre die Welt schöner, friedlicher und glücklicher. With u my brothers and sisters much love
4
0
Antwort
Antwort von vor 11 Monate
Warst du schon mal auf ein festival? ich glaube nicht. ...
4
1
Antwort
Nein, das sind keine Fotografien

Nein, das sind keine Fotografien

Moes Bar aus den «Simpsons» gibts bald in echt

Moes Bar aus den «Simpsons» gibts bald in echt

18-Jährige stopft Herz in Glacecornet

18-Jährige stopft Herz in Glacecornet

«Wonder Woman» lässt Sexisten durchdrehen

«Wonder Woman» lässt Sexisten durchdrehen