Warum ich keine BHs mehr trage

Eingezwängte und verschwitzte Brüste gibts im Sommer nicht für unsere Autorin. Sie hat dem Tragen von BHs nämlich seit einigen Jahren komplett abgeschworen.

Meine Brüste und ich hatten von Anfang an eine emotionale Beziehung. Mit zwölf weigerte sich mein Körper, irgendwas da oben wachsen zu lassen. BHs trug ich damals dennoch – aus Trotz und pubertärer Verzweiflung. Ich beneidete die Mädchen in meiner Klasse um ihre A-Körbchen und glitzernden Snoopy-BHs, die sie in der Sportumkleidekabine stolz präsentierten. Jetzt, mit knapp 25, kann ich nur noch verständnislos über meine damalige Unsicherheit lachen. BHs trage ich nämlich überhaupt nicht mehr – und das schon seit Jahren.

Mal Hand aufs Herz: Es gibt kaum ein besseres Gefühl als die Häkchen nach einem langen Tag zu lösen und das einengende Scheissteil in die Ecke zu schmeissen. Gerade jetzt, wo die Temperaturen auch mal die 30-Grad-Grenze knacken. So schön sie auch aussehen können, nicht jede muss sich in Büstenhalter zwängen – vorausgesetzt der fehlende Halt bereitet keine Schmerzen oder ist sonst irgendwie unangenehm. Dass Boobies durch die fehlende Stütze schneller hängen könnten, ist übrigens ziemlicher Blödsinn. Im Gegenteil: Der Brustmuskel wird stärker in Anspruch genommen und die Brust sogar gestrafft, wie der Wissenschaftler Rouillon in seiner Studie bestätigt.

Es wird von uns erwartet, BH zu tragen

Die Erkenntnis, dass ich meine Brüste nicht mehr Tag für Tag ins Bügelgefängnis verbannen will, kam schleichend. Ich würde jetzt gerne behaupten, dass die Idee ausschliesslich aus einer feministischen Überzeugung heraus geboren wurde und ich all meine BHs mit einem lauten «Fuck you!» in Richtung Patriarchat verbrannt habe.

Das mag zwar einer der Gründe sein, aber die Wahrheit ist: Ich bin einfach zu bequem. Warum sollen wir uns mit Druckstellen, wunden Schultern und verdrehten Trägern rumschlagen, obwohl wir (oftmals) keinen brauchen? Die Antwort ist simpel: Weil es von uns erwartet wird. Und weil wir uns meist unwohl fühlen, wenn wir ohne BH das Haus verlassen.

#FreeTheNipple!

Der BH ist im Laufe der Zeit so etwas wie ein Schutzschild geworden, ein magischer Vorhang zwischen den eigenen Brüsten und den fremden Blicken auf der anderen Seite des Stoffs. Verstecken wir sie also nur unter dem BH, weil wir Angst vor unserer nippelphoben Gesellschaft haben? Fakt ist: Der Busen ist kein Sexorgan, er wurde und wird bloss sexualisiert. Brüste und Nippel werden mit Lust gleichgesetzt – was es wiederum schwerer macht, BH-frei und mit sichtbaren Brustwarzen unterm Shirt durch den Alltag zu rennen. Frauen wie mir, die maximal ein B-Cup tragen, fällt das wohl um einiges leichter, weil die neugierigen Blicke der anderen nicht ununterbrochen unterm Kinn kleben bleiben.

Das hier soll kein Aufruf sein, all eure BHs in die Tonne zu treten oder BH tragende Frauen zu verteufeln. Was ich sagen will ist: Es ist scheissegal, ob deine Brüste hängen, winzig sind, nicht gleich aussehen oder zwei unterschiedliche Grössen haben. Du darfst sie einpacken oder in Freiheit baumeln lassen. Letzten Endes ist das eine individuelle Entscheidung. Du sollst nicht das Gefühl haben, etwas verstecken zu müssen. Denn: All Boobs are beautiful.


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269 Kommentare

Eine Frau mit etwas grösseren Brüsten vor 5 Monate
Ein Luxus-Problem von Frauen mit kleinen Brüsten! Bei hohen Temperaturen gibt's nichts unangenehmeres als Haut, die auf Haut klebt und Schweissansammlungen unter dem Brustansatz. Geniess dein Gefühl von Freiheit, aber komm bloss nicht mit dem Spruch: "ist scheissegal, ob deine Brüste hängen..." Ist es nämlich nicht scheissegal.... Sondern echt unangenehm.
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bounty vor 5 Monate
Möchte mal wissen was die Dame schreiben würde, wenn sie einen Tag lang ohne BH bei Grösse 75E durch die Gegend läuft. Ich spühre meine BH's kaum, aber wenn mal halt irgendwelche billig Ware kauft muss man sich nicht wundern.
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Antwort von maeny vor 5 Monate
75E??? Sowas gibt's
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Markus vor 5 Monate
Wäre es nicht viel einfacher, Dir einzugestehen, dass Du ein kleines bisschen verklemmt bist? Das kriegst Du mit Coaching in ein paar Sitzungen weg, Aber der Glaube an eine übersexualisierte Gesellschaft nippelphober Patriarchen wird echt teuer zum behandeln...
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