Das perfekte Rezept, um Insta-famous zu werden

Die cleveren User der Foto-Community gründen jetzt geheime Gruppen, um viel mehr Likes und Follower zu generieren. Damit sind sie dem Insta-Fame einen Schritt näher.

Instagrammer weltweit beissen sich seit Mitte 2016 in den Arsch: Die beliebte Fotoplattform sortiert die Fotos der User nun nicht mehr chronologisch, sondern nach Relevanz. Heisst: Du siehst vor allem Posts von Abonnenten, die du oft likest und kommentierst. Und weil jeder Otto, der bei Instagram angemeldet ist, nach ein bisschen Internetfame lechzt und sich früher oder später zu einem Like-geilen Monster entwickelt, will man relevant bleiben und bloss nicht in der Flut an fremden Fotos untergehen. Was macht man also, um das zu erreichen? Einem «Instagram Pod» beitreten, um den Algorithmus zu überlisten.

Die Idee hinter den Pods ist marketingtechnisch ziemlich ausgefuchst: Influencer, also Instagrammer mit vielen Followern, die in ähnlichen Themenbereichen unterwegs sind, schliessen sich zu Gruppen zusammen. Egal ob #Foodporn, #InteriorDesign oder #Fashion – für jeden User gibt es die passende Nische. Bis zu 15 Mitglieder werden dann in einen privaten Gruppenchat auf Instagram eingeladen. Sobald eines der Pod-Mitglieder ein neues Foto hochlädt, wird es in die Gruppe gepostet. Diese stürzt sich dann als famehungriger Mob auf das besagte Bild und liket oder kommentiert es wie verrückt. Die Person bedankt sich im Gegenzug dann ebenfalls mit Likes und Kommentaren, sobald ein anderes Mitglied etwas postet.

Zutritt nur per Einladung

Was das alles bringen soll? Engagement. Das ist praktisch der heilige Gral der Insta-Community, bei dessen Erwähnung jeder User ein feuchtes Höschen bekommt. Durch ein hohes Engagement in den ersten Minuten eines Posts, ist die Sichtbarkeit erhöht, so dass das eigene Bild in der «Entdecken»-Kategorie der Plattform landen könnte. Schafft man es auf die Seite, flattern immer mehr und mehr Likes – und vielleicht sogar neue Follower – ein. Ein Träumchen.

Teil eines Pods zu werden, ist gar nicht mal so einfach. Die Regel lautet nämlich: Invite only, damit die coolen Kids des Geheimclubs unter sich bleiben. Alternativ kannst du natürlich auch deinen eigenen Pod gründen – bleibt nur die Frage, ob du damit erfolgreich sein wirst. Aber wieso überhaupt erfolgreich sein? Ist es nicht total künstlich auf diese Art und Weise Aufmerksamkeit zu generieren? Authentisch ist jedenfalls anders. Wobei man sich über die Frage, ob überhaupt irgendetwas in den sozialen Medien authentisch sein kann, das Maul zerfetzen könnte.

Like-Zwang und Zeitdruck

Bist du erstmal hinzugefügt, gibt es allerdings keine ruhige Minute mehr: «Nach ein paar Wochen merkt man, dass ein gewisser Druck entsteht. Mehrmals am Tag musste ich Fotos anderer kommentieren, bis ich dann aus allen Gruppen ausgetreten bin», erzählt die deutsche Instagrammerin Angelina auf «Online Marketing Rockstars», die 240'000 Follower hat und in mehreren Pods gleichzeitig aktiv war. «Es sind häufig dieselben kurzen Kommentare oder sogar einfach nur Smileys. Das sagt nichts aus», findet sie.


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8 Kommentare

Jan vor 5 Monate
Bin Outdoorfotograf aus Basel und meist in den Alpen unterwegs. Ihr findet mich unter "lichterfang" 😄😋
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Wayne vor 5 Monate
Ich habe echt nur Verachtung übrig für solche Leute. Diese Selbstbeschäftigung mit #FoodPorn und #InteriorDesign und ähnlich überflüssigem, oberflächlichem Bullshit hinterlässt mich oft nur noch ratlos. Es existiert offenbar ein Paralleluniversum, wo Leute leben, für die "Insta-Fame" ein respektables Ziel ist. Dabei rede ich nicht von den paar wenigen, die daraus ein lukratives Geschäftsmodell gemacht haben. Die sind zwar skrupellose Marketinghuren, aber dabei sehr clever. Diese "Insta-Famer" sind hingegen einfach nur erbärmlich. Mag sich einer noch daran erinnern, dass Instagram mal eine für die damalige Zeit innovative Foto-App war? Manchmal sehne ich mich echt danach zurück, wo das schlimmste was Instagram anstellen konnte, noch der "Retro"-Filter war.
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Antwort von christin vor 5 Monate
du bist mir echt sympathisch!
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Jodeler vor 5 Monate
D elite het secret swiss jodel
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