Wissenschaftler wollen Glitter verbieten

Unser Autor erfreut sich wie kein anderer an den kleinen, schillernden Dingen im Leben. Dass industriell hergestellter Glitzerstaub mit Mikropartikeln aus Plastik für eine Naturkatastrophe sorgen könnte, bricht sein Herz.

Kommendes Jahr tritt im UK ein Gesetz in Kraft, das Mikroperlen, also winzige Plastikteilchen, wie sie oft in kosmetischen Produkten und vor allem in buntem Glitzerstaub verwendet werden, verbieten soll. Wie das in einigen Ländern, wie den Niederlanden etwa, schon länger der Fall ist. Der negative Effekt der kleinen Dinger auf die Umwelt sei laut Wissenschaftlern verheerend.

Rund 52 Trillionen dieser nicht abbaubaren Minifragmente sollen mittlerweile schon in den Weltmeeren treiben und eine Gefahr für Fische und anderes Unterwassergetier darstellen. Inzwischen sei bereits der Verdauungstrakt fast jeden dritten Fisches in Grossbritannien von den weniger als 5 Millimeter kleinen Teilchen befallen, beweist Umweltaktivist Professor Richard Thomson in einer Untersuchung.

Da bricht das Glitzerherz

Und mein Herz bricht gleich doppelt. Erstens, weil mir die Fische so leidtun, die doch einfach nur fröhlich rumschwimmen und ihre Ruhe haben wollen. Stattdessen essen sie giftige Dinge, die sich nicht nur schlecht wieder rauskacken lassen, sondern die sie sogar töten können. Fuck. Ausserdem weine ich aber auch, weil ich über die Existenz von Glitter nachdenke.

Der Gedanke daran, dass jemand mal sowas gesagt haben könnte wie «Hey, es bringt eigentlich überhaupt gar nichts, es ist einfach nur voll hübsch!» rührt mich im wahrsten Sinne des Wortes zu Tränen. Diese schöne, unschuldige Idee – die in all ihrer fast schon naiven Simplizität einzig und allein dem Zweck dient, die Welt ein kleines bisschen bunter, schillernder und fröhlicher zu machen – geht mir näher, als ich zugeben möchte..

Nur oberflächlich harmlos

Gut, vielleicht bin ich auch einfach nur eine verblendete Elster, die sich von schimmerndem Scheiss blenden und anlocken lässt. Deshalb würde ich wohl auch Helene Fischer ohne mit der Wimper zu zucken zur bedeutendsten europäischen Kulturschaffenden des 21. Jahrhunderts küren, wenn ich könnte. Helene Fischer ist so etwas wie fleischgewordener Glitzerstaub – lieb und cute und bunt und an der Oberfläche harmlos.

Das Problem ist eben diese Oberfläche. Zerstört nämlich leider ziemlich viel, dieser Glitzer. Die metaphorische Helene Fischer. So wunderschön und glücklichmachend er auch wirken mag – letztendlich besteht er doch aus einer ungesund grossen Menge an winzigkleinen, höchst umweltschädlichen Plastik-Mikropartikeln, die Mutter Natur einfach nicht abbauen kann.

Doppelmoral ist mein Gemüse

Das ganze bunte Glitterzeugs ist also nicht nur megahartnäckig und bleibt gern wochen- wenn nicht monatelang an allem und jedem kleben, mit dem es in Berührung kommt. Es ist auch noch fast unzerstörbar und gelangt im Laufe seines quasi-unendlichen Lebens irgendwann über Umwege in unsere Gewässer. Den Scheiss kann auch die beste Kläranlage nicht ganz rausfiltern!

Jetzt steh ich also hier. Hin- und hergerissen ich auch zwischen den Fronten. Zwischen glitzernder Lebensfreude, Ethik und Moral. Ich weiss, ich müsste auf das Zeug verzichten, es verteufeln gar. Aber kann ich das? Sollte auch Veganer sein und gegen Palmölproduktion protestieren und so ziemlich alle Hollywood-Filme meiden. Aber will ich das? Muss ich nochmal drüber schlafen, glaub ich.
 


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30 Kommentare

garry glitter kindermilchschnitte vor 7 Tagen
find ich gut wie schlecht...gut; es sieht dämlich aus, frauen wirken wie auf dem geistigen stand einer 7 jährigen mit glitter im face... schelcht; ein weiteres einfacher ausondierungskriterium ist weg...
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nurich vor 10 Tagen
interessant geschrieben, sehr nahbar und niemand sonst thrmatisiert esbin so einer weise wie du das machst. gefällt mir. finde ein verbot sinnvoll und sehe darin chancen die welt doch noch ein wenig sinnvoller zu bewirtschafen. wir, der supervirus
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Isa vor 10 Tagen
Also ich kann dieses Zeugs nicht ausstehen. Ist unnötig, klebt überall und ist kaum weg zu kriegen.
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Reto vor 11 Tagen
Dieses Romantisierung von unwichtigem Zeug wie "Glitzer" ist doch selten dämlich. Das gehört verboten. Die Hersteller wissen ja was zu tun ist. Das Zeugs ökologisch abbaubar machen.
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