Netflix zeigt Brutalo-Cop mit Einhorn

Die kontroverse Serie «Happy!» vermischt blutige Action mit herzigen, animierten Fabelwesen. Eine höchst stylische Comic-Verfilmung mit wenig Tiefgang.

«Mein Leben ist wie eine verstopfte Toilette – die Scheisse lässt sich nicht runterspülen», beschreibt Nick Sax seinen Alltag. Der gute Herr ist ein ziemlich abgefuckter Ex-Polizist, der sich sein Geld als gnadenloser Profi-Auftragskiller für die New Yorker Unterwelt verdient. Ihm zur Seite steht neuerdings ein lilafarbenes, fliegendes Einhorn namens «Happy», das einer der brutalsten, nervigsten, absurdesten und gleichzeitig herzigsten Netflix-Serien ihren Namen gibt.

Nicht für jedermann


Die Verfilmung eines Comics aus dem Jahr 2013, ursprünglich vom Horror-/Trash-/Science-Fiction-Sender «Syfy» produziert, ist seit einigen Tagen als Netflix-Original weltweit über den Streaming-Dienst abzurufen. Wir verstehen zwar auch nicht genau, was die Kriterien für ein Netflix-«Original» sind, wenn es gar nicht von Netflix selbst stammt – was wir aber wissen: «Happy!» spaltet die Gemüter.

Als Mischung aus klischeebehafteter Ami-Cop-Action (Krimineller Ex-Bulle erkennt, wie heldenhaft es ist, sich zurück auf die Seite der Guten zu schlagen und ein entführtes Kind zu finden – auch, wenn dabei unzählige böse Buben auf grauenvolle Weise ihr Leben lassen müssen) und übertrieben kitschig-süssem Buddy-Movie (Hater Kerl freundet sich mit imaginärem Einhorn an und lernt durch das Fabelwesen das Leben wieder zu schätzen) ist das chaotische Serienerlebnis wahrlich nichts für jedermann.

Herzig und doch unsympathisch


Der – durch widrige Lebensumstände und verlorener Liebe – von Zynismus und Kaltblütigkeit erfüllte Nick und sein neuer bester Freund Happy sind ein ungleiches Duo, das dem Zuschauer gleichermassen ans Herz wachsen, wie auch unglaublich auf die Nerven gehen kann. Der eine bockig und desinteressiert, der andere treudoof und angestrengt positiv gelaunt – es gelingt schwer, die beiden zu hassen. Aber so richtige Sympathien für den Brutalo und sein Einhorn kommen irgendwie auch nicht auf.

Die schon tausendmal in anderen Filmen und Serien durchgekaute (und dabei ein bisschen seichte) Storyline fesselt reichlich wenig. Es wird schnell klar: Die Aufmachung und der Style stehen im Mittelpunkt. Auch Laien ohne entsprechendem Vorwissen entgeht der Comic-Charakter der Serie nicht. Schnelle, harte Schnitte, aussergewöhnliche Kamerafahrten und Perspektiven verleihen «Happy!» eine sehr eigenwillige Ästhetik.

Stylischer Nonsens

Unklar bleibt, für wen die Serie letztendlich gemacht wurde: Für Kinder ist sie zu gewalttätig und düster. Erwachsene könnten sich, wenn schon nicht am fehlenden Tiefgang, dann zumindest am animierten Haupt-»Darsteller» und dessen wohl bewusst bescheuerter Charakterzeichnung stören.

Für einen klassischen Binge-Watching-Marathon scheint dieses laute, chaotische und stellenweise erstaunlich blutige Machwerk weniger geeignet zu sein. Auch sticht es (inhaltlich) in der Masse der vielen, richtig guten Netflix-Serien, die in letzter Zeit veröffentlicht wurden, kaum heraus. Hat man aber mal Bock auf stylischen Nonsens und ein bisschen visuelle Abwechslung, kann man «Happy!» wenigstens mal eine Chance geben.


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11 Kommentare

DaDave79 vor 24 Tagen
Allein der versiffte Auftritt von Meloni ist die Serie wert. Eine der Überraschungen was Serien angeht. Schräg, brutal, humorvoll, durchgeknallt. Tarantino auf Xtc.
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Antwort
sehr kreativ sit man heute selten vor 24 Tagen
ich finde die Serie Top muss man einfach sehen ist voralem mit passenden Schauspielern besetz
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Marco vor 24 Tagen
Ich muss sagen, ich finde das eine der besseren Serien, wae genug Action drin, auch Humor, und hat mich auch fast mal zu tränen gebracht. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung, so wie es das Ende auslegt das es weiter geht.
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Simona vor 25 Tagen
Allein wegen Elliot Stabler - eh sorry, Christopher Meloni ist die Serie schon super!
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