Wir haben eine Woche nach dem Horoskop gelebt

Unsere Redaktorin glaubt nicht an Sterndeutung und hat sich darum von einer Astrologin ein personalisiertes Horoskop erstellen lassen, um eine Woche lang danach zu leben.

Für abenteuerreichen neuen Lesestoff wagen wir gerne mal Ausflüge in absurde Ecken – sei dies nun die nächtliche Seelensuche mit einem Medium oder das Rufen von unsichtbaren Wesen mittels Ouija-Brett. In einer alten Villa das Reich der Toten zu betreten und sich mit einem alten Geist zu unterhalten, reichte mir aber noch nicht an spirituellem Treiben. Darum suchte ich eine Astrologin auf, die mir ein persönliches Horoskop erstellte, um schliesslich eine Woche lang danach zu leben.

Bei unserem ersten Treffen erklärt mir also Silvia Benz, die für den Astro-Dienst Horoskope schreibt, wie sie anhand von meinem Geburtsdatum und der genauen Uhrzeit erste Erkenntnisse über meine Persönlichkeit schliesst. Während Sternzeichenkunde für mich eine völlig legitime Art der Charakterbeschreibung ist – ja, als Waage bin ich harmoniebedürftig und habe Entscheidungsschwierigkeiten –, stutze ich bei der genauen Auslegung von Planeten und ihren Konstellationen etwas. Das ist mir definitiv zu viel unsinniges Geschwätz.

Aber hey, vielleicht ist tatsächlich was dran an dem Gerede über Horoskope und vorbestimmte Schicksale, die schon seit Jahren in den Sternen stehen. Vielleicht verspüre ich ja Gefühlseruptionen, die mein Leben verändern werden – oder auch nicht. Statt den Sternen-zeigen-dir-die-Zukunft-Humbug zu belächeln, versuche ich also ernst dabei zu bleiben. Auch wenn das bei Aussagen wie «der grosse, dicke Jupiter steht ihrer Waage-Sonne zur Seite» etwas schwierig ist.

Montag: «Stellen sie sich ihren Herausforderungen»

Okay. Ich habe gerade noch Uniferien. Das Repertoire an Aufgaben, die mir auferlegt wurden, ist momentan also eher klein. Aber gut, wenn es mein heutiges Ziel ist, das Beste aus dem Tag zu gestalten, versuche ich es – und zwar zuerst einmal von der liegenden in die sitzende Position im Bett. Statt mich aber nach der angestrengt körperlichen Betätigung auszuruhen, beschliesse ich mich in Sachen Haushalt zu betätigen. Ganz recht, ich putze die Wohnung. Freiwillig. Emotionale Ausbrüche stelle ich zwar noch keine fest, doch vielleicht bringt die weitere Woche gefühlsbetontere Aufgaben.

Dienstag: «Verlassen sie ihre Komfortzone»

Schon wieder? Habe ich mit dem Wohnungsputz die Bequemlichkeit meines sonst so ins Bett eingelullten Selbst nicht schon genug verlassen? Aber gut, heute probiere ich, meine Komfortzone auf emotionaler Ebene zu durchbrechen. Statt wie sonst untätig vor dem Handy zu sitzen und auf eine Nachricht eines Typen zu warten, nehme ich die Sache selbst in die Hand und konfrontiere das Tinder-Date von letzter Woche mit Fakten: Entweder läuft jetzt was oder sonst kannst du dich verpissen. Ich trete der Komfortzone so richtig in die Eier. Und meine neu gefundene knallharte Einstellung wirkt tatsächlich. Denn er meldet sich, um sich zu verabreden.

Mittwoch: «Es gibt ein paar Bewunderer. Sehen Sie diese?»

Nope, leider nein. Heute bin ich aber scheinbar nicht nur von Verehrern umgeben, sondern habe laut meinem Horoskop auch so meine Probleme mit Kritik. Davon spüre ich beim Faulenzen nicht gerade viel. Ausser vielleicht vom Mami, die mir via Telefon mal wieder sagt, ich solle doch bitte lieber mal die Sonne geniessen statt im Zimmer zu versauern. Der Aussage, dass es «zwischendurch so aussehen könnte, als würde ich nichts tun», stimme ich aber voll und ganz zu.

Donnerstag: «Sie sollten den Tag mit Freunden und Teamkollegen – oder dem Schatz – verbringen»

Irgendwie praktisch, dass ich donnerstags arbeite – so kann ich während der Rauchpausen auch gleich den Punkt «mit Freunden quatschen» abhaken. Da ich derzeit aber im beziehungslosen Limbus schwebe, wird das mit dem Schatz etwas schwierig. Thank god for Tinder, würde ich da mal sagen. Darum muss das Tinder-Date von letzter Woche für ein paar Bierchen herhalten.

Freitag: «Sie sind in einem kreativen, schaffensfreudigen Zustand»

Dies ist der erste Tag, an dem ich dem Horoskop mehr als nur geheuchelte Ernsthaftigkeit entgegenbringe. Ein bisschen zumindest. Wieso? Weil ich diesen Tag schon vor Wochen dem Ausleben meiner kreativen Ader versprochen – und mit einer Freundin zum Basteltag erkoren habe. Inklusive Besuch im Broki und dem Baumarkt und Handwerken Zuhause. Dass mir das Horoskop einen gestalterisch hochaktiven Tag vorausgesehen hat, muss wohl Zufall sein.

Ganz überzeugt vom horoskopischen Treiben bin ich zwar nicht und eine astrologische Ausbildung hat auf meiner To-do-Liste des Lebens definitiv keine Priorität, doch hat mir das Treffen mit der Expertin sowie die personalisierte Wochenweissagung zugegebenermassen die Augen etwas geöffnet. Ganz so absurd und abwegig sind die Prognosen nicht. Zumindest, wenn man versucht, die erkorenen Ziele zu verfolgen. Es könnte also tatsächlich was Wahres dran sein.


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29 Kommentare

MrJose vor 3 Monate
" der Glauben versetzt Berge"
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MrHolmes vor 3 Monate
Horoskope sind nichts weiter als platt Statistiken. Über die Jahre hinweg, kann man so von Tag zu Tag in etwa herausfiltern wie in etwa der Durchschnitt tickt und das danach eben auf die breite Masse ummünzen.
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ROCCO vor 3 Monate
Ausgerechnet eine junge Tussy einen solchen Test machen zu lassen, ist so Absurd, wie diesen lächerlichen Quatsch den sue schreibt. Dekadenz Die zum Himmel stinkt. Astrologie ist nur ganz wenigen schlauen Köpfen vorenthalten. Sill si3 weiterhin Tinderbumser daten, und sich im Kissen einlullen... Und bitte Klappe halten!
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Astro Boy vor 3 Monate
ich zweifle nicht am Einfluss der Sterne auf unser Leben. Ich zweifle aber daran, dass es Menschen gibt, welche das durchschauen können.
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