Sie verkaufen Dinge, die es noch gar nicht gibt

Hast du eine grossartige Idee für ein neues Produkt? Ein neues Kaufhaus in Berlin testet, ob es bei den Kunden gut ankommt.

Berlin ist ein Mekka für Menschen mit Ideen. Seien es Kulturschaffende, Schauspieler, Jungunternehmer – allesamt verhoffen sie sich, in der deutschen Metropole besser zu Kohle und Kontakten zu kommen, als an der Nordsee oder in einem Walliser Kaff. Und für junge Start-Ups ist Berlin gerade noch ein bisschen interessanter geworden.

Angenommen du hast ein völlig neuartiges Produkt entwickelt und bist selbst davon überzeugt – wie findest du heraus, ob es auf dem Markt auch wirklich Chancen hat? Klar, du könntest in teure Marktforschung investieren, aber wer in der heimischen Badewanne ein neues Mate-Getränk entwickelt, kann sich wahrscheinlich kein teures Forschungsinstitut leisten. Viel praktischer wäre es, deine Idee einfach direkt in einem Laden zu testen und zu schauen, ob es tatsächlich jemand kauft.

Das Kaufhaus des Testens oder kurz KaDeTe – in Anlehnung an das berühmte Berliner Kaufhaus des Westens – bietet genau das an. Wir haben uns mit den beiden Gründerinnen Ola Klöckner und Franziska Schetter über ihr neues Projekt unterhalten.

Woher kam die Idee fürs KaDeTe?

Das Bedürfnis entstand aus eigenen Erfahrungen heraus. Wir haben mit unserem Business selbst erlebt, wie schwierig es ist, einen Ort zu finden, der eine erste Anlaufstelle für junge Unternehmer bietet, der sie motiviert, ihnen hilft, Feedback ermöglicht und es erlaubt, Dinge zu optimieren. In einem Gespräch viel dann der Satz: «Man müsste sowas haben wie…». So kamen wir auf die Idee, nicht nur einen Marktplatz für Produktneuheiten zu schaffen, sondern Start-Ups auch bei der Marktforschung zu helfen.

Habt ihr selbst bereits Start-Ups geführt, die vom KaDeTe hätten profitieren können?

Wir betreiben mit Matcha You (ein natürliches Koffein-Getränk) bereits unser eigenes Start-Up. Durch diese Erfahrung entstand überhaupt erst die Idee fürs KaDeTe.

Für welche Produkte ist das KaDeTe geeignet?

Wir wollen keine Produkte, die bereits bundesweit im stationären Handel verfügbar sind. In erster Linie richten wir uns an Unternehmen, deren Produkte wenig bis gar keine Bekanntheit haben. Aber auf der anderen Seite entwickeln auch bekannte Unternehmen unbekannte Produkte, die sie auf Herz und Nieren prüfen wollen. Einen kleinen Teil des Sortiments dadurch abzudecken wäre denkbar.

Wie entscheidet ihr, welches Produkt in eurem Sortiment landet?

Wir prüfen alle Produkte, die wir aufnehmen – schliesslich steckt jedes Unternehmen mit neuen Produkten auch an einem anderen Punkt. Bisher meldeten sich so viele unterschiedliche Branchen mit ihren Eigenheiten, dass wir uns erst einmal rein im persönlichen Austausch finden können.

Legt ihr mit dem KaDeTe einen bestimmten Fokus auf bestimmte Produkte?

Wir stecken aktuell in der Pilotphase. Vielleicht ergibt sich im Projektverlauf ein Fokus – aktuell ist aber noch alles möglich.

Welche Daten erhalte ich, wenn ich mein Produkt bei euch ausstelle?

Bei uns erfahren Start-Ups Fakten, die die zukünftige Produktentwicklung beeinflussen. Zusätzlich bekommen sie durch die Marktforschung handfeste Zahlen und Fakten, die sie beispielsweise bei zukünftigen Verhandlungen gezielt einsetzen können. Ein paar Beispiele: Wer ist die kauftreuste Zielgruppe? Wo liegt der perfekte Preis für maximale Kunden und maximalen Umsatz? Ob und bei wem erregt das Produkt Aufmerksamkeit?

Inwiefern profitiert ihr selbst davon?

Das KaDeTe at bestimmt einen Abstrahleffekt auf uns und unser Unternehmen. Aber das war nicht die Intention. Wir haben eine Vision und wollen diese bis zu ihrer Umsetzung verfolgen. Das ist für uns persönlich viel Wert: Dinge sehen, Gedanken, Visionen dazu haben und diese ausprobieren zu dürfen.

Seid ihr am Verkaufspreis beteiligt?

Start-Ups, die bei uns ihre Produkte zeigen, testen und verkaufen wollen, zahlen für sechs Monate die Kosten für Miete, Nebenkosten und Personal. Vorerst wird keiner von uns – und auch nicht das Berliner Institut für Innovationsforschung, das die Marktforschung betreibt – entlöhnt. Nach der halbjährigen Startphase wollen wir aber felxible Preismodelle anbieten und hoffentlich irgendwann für die Arbeit, die wir reingesteckt haben, entlohnt werden.

Wie sind denn die Rückmeldungen bisher?

Unglaublich! Wir spüren sehr viel Begeisterung und waren in der ersten Woche fast durchgehend auf Adrenalin. Wir haben viele Anfragen von Start-Ups bekommen und das KaDeTe scheint wohl einen Nerv und einen Need getroffen zu haben.

Die Bewerbungsphase für die ersten sechs Monate im KaDeTe läuft noch bis Ende Januar. Interessierte Start-Ups können sich hier beim Kaufhaus melden.


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4 Kommentare

Taugenichtse vor 5 Monate
Kulturschaffende 😃 Wohl das Unwort des Jahres.
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Antwort
Luigi Canzoni isst im Winter gern Marroni. vor 5 Monate
Wenn die Produkte gut sind und die wahrscheinlichkeit hoch ist, dass man sie in genügend hoher Anzahl verkaufen kann, bekommt man auch in den Supermärkten direkt Platz um dies auszuprobieren. Sind die grossen Märkte nicht interessiert, sollte man sich generell nach einer neuen Idee umsehen, dann bringts nämlich nichts. Abgesehen davon, dass das KaDeWe wohl in Kürze ein paar Anwälte zum KaDeTe rüber schickt wegen ganz offensichtlichem Markenklau, ist so ein "Testkaufhaus" nicht sinnvoll, da dort nur die Leute rein gehen, welche dies absichtlich tun um solche Produkte zu finden. Wenn das Produkt dort gut ankommt, dann hat das überhaupt keine Aussagekraft, wie es ankommt, wenn es dann kommerziell sinnvoll in einem Regal bei einem Grossverteiler steht. Dort muss sich das Produkt nämlich dann auch verkaufen, wenn man nicht extra darauf aufmerksam macht. Es ist also wesentlich besser hartnäckig Klinken zu putzen und von Konzern zu Konzern zu tingeln und die eigenen Produkte vorzustellen. Wenn die ein Geschäft wittern, dann wollen sie es auch haben und die geben sogar das Geld für die Produktion, wenn sie überzeugt sind. Und die wissen ganz genau was sich verkauft und was nicht und dann spielt es auch plötzlich keine Rolle mehr ob man das beste Produkt hat sondern nur noch ob es sich um das best verkäufliche Produkt handelt, denn das ist alles was zählt.
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Jambon vor 5 Monate
Unter dem Wort Kaufhaus, verstehe ich etwas anderes als eine Brockistube.
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Heller vor 5 Monate
Kenne ich von Quatsch und die Nasenbaerbande...
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