Schlechter Sex und Nasenbluten

Unsere Autorin, die sonst nicht einmal Alkohol trinkt, hatte letztes Wochenende ihr erstes – und wohl einziges – Drogenerlebnis. Begeisterung klingt anders.

Für mich klang der Name Ketamin schon immer ein bisschen wie ein böser Virus, der dir das Gehirn auffressen will. Ich mache viel und hart Party, brauche dafür aber keine Mittelchen, um auf Touren zu kommen. Scheisse, ich trinke nicht einmal Alkohol. Der Typ, in den ich gerade ein bisschen verknallt bin ist da ganz anders. Der knallt sich regelmässig allerhand Zeug rein, um high zu werden. Stört mich nicht, ist ja seine Sache – solange er mich zu nichts zwingt.

So auch vergangenes Wochenende. Wir sitzen bei seinen Uni-Kollegen im Wohnzimmer, ein kleines Tablett geht rum, alle ziehen Ketamin und die Stimmung ist merkwürdig. Nicht schlecht, nur merkwürdig. Ruhig und euphorisch zugleich. Es ist das erste Mal, dass ich bewusst wahrnehme, wie Menschen auf Ketamin drauf sind. Die Augen meines Freundes und seiner Kumpels sehen aus, als wären sie auf der Suche nach der allgemein gültigen Wahrheit – besser kann ich es nicht ausdrücken.

Plötzlich fühle ich mich allein. Obwohl ich hier inmitten einer Gruppe von Leuten sitze, mit denen ich mich sonst gut verstehe. Es ist, als wäre ich auf einer anderen Ebene, als würde ich ein Geheimnis verpassen. Ich frage mich heute noch, was mich da geritten hat. Wahrscheinlich Neugierde und trotzige kindische Eifersucht wegen des Gefühls, irgendetwas zu verpassen: «Darf ich auch mal probieren?»

Hinterher ist man immer schlauer


Jemand gibt mir einen kleinen Strohhalm und das Tablett mit dem Zeug drauf. Der Geruch ist einfach ekelhaft. Ketamin riecht nach ätzenden Chemikalien, die man eher zum Reinigen stark verstopfter Abflüsse verwenden sollte, als sie sich in den Körper zu jagen. Ich bin so aufgeregt, dass ich erstmal einen Lachanfall kriege. Irgendwie überwinde ich mich dann aber doch und dann ist das Pulver ziemlich schnell in meiner Nase.


Und ich flippe aus. Wieso zum Teufel bin ich eigentlich auf diese Idee gekommen? Es brennt wie die Hölle, meine Augen tränen und ich muss husten und würgen zugleich. Ehrlich? Was habe ich nur bei diesem Zeug erwartet, das nach Cillit Bang riecht? Na ja, BANG in deine Fresse, Kleine – weiss ich jetzt. Und dann dieser grauenvolle Geschmack nach chemischem Gift, der sich von deinem Rachen aus in deinen Mund zu übergeben scheint. Ich bin geschockt, wie schrecklich dieser Scheiss ist und könnte mich selbst verprügeln für meine Dummheit. Aber hinterher ist man ja immer schlauer.

Wir müssen jetzt vögeln!


Nach eine gefühlten Ewigkeit – in Wahrheit wird es kaum mehr als eine Viertelstunde gewesen sein – spüre ich neben dem Ekelgefühl und Schmerz langsam etwas anderes. Ich werde weich wie Watte. Kuschele mich gemütlich in die Arme meines Freundes und fühle mich … irgendwie geborgen. Der ekelhafte Reinigungsmittelgeschmack ist endlich weg. Alles scheint gleichzeitig nahe und weit weg zu sein. Ich spüre die Nähe des Typen, der neben mir sitzt und in den ich doch so sehr verliebt bin. Wir sehen uns an und ohne etwas zu sagen wissen wir beide: Wir müssen jetzt vögeln. Wir stehen auf, schwanken, kriechen, und gehen im Zickzack ins Schlafzimmer – die anderen sind uns egal.


Wir fallen aufs Bett und versuchen, wie zwei langsame weiche Nacktschnecken, aufeinander zu kriechen. Eher erbärmlich. Es scheint nichts so richtig zu funktionieren aber wir sind festentschlossen das jetzt durchzuziehen. Irgendwie schaffen wir es dann, die richtige Position zu finden. Trotz meines Rausches bin ich darüber erstaunt, dass sein bestes Stück noch einsatzfähig ist. So richtig geil sind wir aber beide nicht. Kleine Halluzinationen senden mich in eine Parallelwelt. Ich schließe die Augen. Plötzlich befinde ich mich auf einem verschneiten Berg, geometrische Formen hängen wie glänzende Diamanten in der Luft. Sie kommen mit großer Geschwindigkeit auf mein Gesicht zu. Ich kann mich nicht entscheiden, ob ich Angst haben oder es spannend finden soll.

Nasenbluten und schlechter Sex

Mein Körper fühlt sich schwer an und ich muss mich bei jeder Bewegung anstrengen. Ich versuche ihn zu reiten, aber falle wie eine weichgekochte Nudel immer wieder um. Meine Seele schwebt, aber ich bewege mich mechanisch weiter. Plötzlich ist sechs Uhr morgens. Wir sind schon seit Stunden bei der Sache – oder zumindest beim Versuch – und weder bei ihm noch bei mir ist ein Höhepunkt in Sicht. Ich bin todmüde und will eigentlich nur noch schlafen.

Während der kommenden Tage habe ich immer wieder spontanes Nasenbluten – meine Schleimhäute sind so gereizt. Es fühlt sich an, als hätte ich permanent Schnupfen und ausserdem habe ich angefangen zu schnarchen – sexy! Ich würde gerne sagen können, mein Experiment und die Erfahrung nicht zu bereuen. Wäre aber gelogen. Die paar netten Schwebe-Gefühle machen weder den Schmerz, noch den Geschmack, noch den schlechten Sex wett. Sorry – nie wieder.


Das sagt die Expertin:


«Auf hoher Dosis kann Ketamin Epilepsiekrisen verursachen und sogar bis zum Koma führen», erklärt Corine Kibora, Sprecherin von Sucht Schweiz. Dieses dissoziative Betäubungsmittel verursache Wahrnehmungsstörungen und Kontrollverlust. Bad Trips seien nicht selten und wenn Ketamin mit Alkohol und anderen Drogen gemischt würde, könne es zu Herzrhythmusstörungen führen. Da das Mittel auf den Körper betäubend wirkt, sei auch die Gefahr, sich physisch zu verletzen signifikant höher. «Wenn Ketamin regelmäßig konsumiert wird, entsteht dadurch ein Gewöhnungszustand, der bis zu psychischen Abhängigkeit führen kann», erklärt Frau Kibora.


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89 Kommentare

Lifestyle auf Nase vor 25 Tagen
Falls es jemand nochnicht getan hat aber wie kann man hier davon berichten..Keti wird auch gerne mal als K.O Tropfen ersatz verwendet.. Traurig sowas
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Antwort
Heftiger vor 25 Tagen
Ich bin immer wieder extrem überrascht wie verschieden gewisse Drogen und ihre Dosierung auf Menschen wirken. Damals konnte zum Beispiel mein Kollege ohne Probleme 5 (!) Filze reinziehen und man merkte es ihm nicht an. Ich habe von den gleichen einen halben genommen und befand mich in anderen Sphären. Ganz schlimm war die Wirkung der Mischung von Koks und Kiffen, das waren Alptraumzustände. Zum Glück habe ich damit vor über 10 Jahren abgeschlossen!
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Antwort von Geschockte Leserin vor 25 Tagen
Ich bin eher davon überrascht wie freizügig Drogen konsumiert werden. Obwohl man doch genau weiss was für Schäden sie bewirken...
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Schockierende Leserin vor 25 Tagen
Beängstigend wieviel Werbung für den Konsum von Drogen gemacht wird. Auch wenn der Artikel ( abgesehen von der Qualität ) gegen den Konsum speicht, provoziert er doch die Kommentare von Konsumenten. Die nach einem Motto, ( die Dosis/Qualität macht das Gift ) leben, das einfach nur Selbstzerstörerisch und dumm ist! Aus den Kommentaren hört man raus, dass ihr euren eigenen Kindern Drogen geben würdet.
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