Die Tinder-App für Essensreste

Um die Verschwendung von Lebensmitteln zu stoppen, entwickelten zwei Engländerinnen eine App, die ungewollten Nahrungsmitteln ein neues Zuhause sucht. Wir haben die Food-Waste-App getestet.

In der Schweiz werden pro Kopf jährlich etwa 30 kg Lebensmittel weggeworfen – wir reden hier jedoch nicht von Resteabfällen, sondern von geniessbarem Essen. Läden wie die «Äss-Bar» wollen gegen unsere verschwenderischen Gewohnheiten vorgehen und haben mit dem Konzept Erfolg: In den Filialen werden Sandwiches, Kuchen und andere Goodies für wenig Kleingeld angeboten, die Bäckereien und Supermärkte sonst wegwerfen würden. Was macht man aber, wenn der eigene Kühlschrank vor Lebensmittelresten fast platzt?

Die kostenlose App «Olio» sucht überschüssigem Essen ein neues Zuhause. Ihre Gründerinnen Tessa Cook und Saasha Celestial-One wollen Nachbarn und Läden über die Food-App verbinden, damit die Leckereien nicht einfach weggeschmissen werden – sei das die halbe Avocado, die Reste vom Sonntagsbrunch oder ein Bund Zwiebeln. «Ich bin auf einer Farm aufgewachsen und weiss, wie viel Arbeit in die Produktion von Lebensmitteln fliesst», erzählt uns die 41-jährige Tessa. Der Gedankenblitz zu «Olio» sei ihr beim Umzug gekommen, als sie übriggebliebenes Essen verschenken wollte und nicht wusste, wohin sie es bringen könnte.

214'169 gerettete Lebensmittel und 85'000 Mahlzeiten

Eigentlich eine tolle Idee. Beim Blick auf die Standorte wird jedoch schnell klar, dass sich die Lebensmittelretter vor allem in England aufhalten – und gerade mal 38 User in der Schweiz zu finden sind. Dabei ist die Bedienung der App recht simpel: Man lädt ein Foto des zu verschenkenden Lebensmittels hoch, daraufhin erhalten lokale User eine automatische Benachrichtigung. Das Essen kann dann Zuhause, in Geschäften, speziellen «Olio»-Boxen oder an anderen Orten abgeholt werden.

Zahlen muss man für die Angebote übrigens nichts. Bereits 214'169 Lebensmittel und rund 85'000 Mahlzeiten sollen so bereits in hungrigen Mägen gelandet sein. Auf «Olio» finden sich aber nicht nur Lebensmittel – auch Bücher, Spielzeug, Möbel und Haushaltsartikel können hochgeladen und abgegeben werden.

«40 Prozent der Angebote sind nach einer Stunde weg»

Das wollen wir selbst ausprobieren. Kann doch nicht so schwer sein, jemanden zu finden, der auf Gratiszeug steht, oder? Um das Ganze noch spannender zu machen, stellen wir kein Essen, sondern einen Kaktus rein. Der vergammelt sonst sowieso auf dem Schreibtisch und braucht eine Person mit grünem Daumen. Bring it on!

Wir warten. Und warten. Und warten. «40 Prozent der angebotenen Waren sind nach einer Stunde weg, innerhalb eines Tages kommen wir auf 80 Prozent», sagt Tessa. Das können wir leider absolut nicht bestätigen: Auch nach 24 Stunden gibt es niemanden, der sich unser Inserat auch nur angeschaut hat oder unserem traurigen kleinen Kaktus ein neues Zuhause schenken möchte. Schade! Bis «Olio» auch bei uns richtig durchstarten kann, braucht es wohl einfach noch mehr Schweizerinnen und Schweizer, die die App nutzen. Bis es soweit ist, schlagen wir uns die Bäuche eben in Geschäften wie der «Äss-Bar» voll.


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2 Kommentare

Eddy vor 7 Monate
Warte schonlange auf die App für die Toullettenspühlung. Wetten,dass die auch baldkommt ?
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Bitteklopfen vor 8 Monate
Ihr ladet einen vergammelten kaktus hoch und erwartet antworten?
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Antwort
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