Teenie trieb ihren Freund in den Selbstmord

Klassische Literatur interessiert uns nicht. Eine clevere Bücherkampagne will das ändern und verpackt literarische Klassiker in unwiderstehlichen Clickbait-Überschriften.

Während der Schulzeit mussten sich die meisten von uns durch dicke Wälzer wie «Romeo und Julia», «Moby Dick» und «Sturmhöhe» ackern. So spannend die Geschichten literarischer Klassiker auch sind, auf ihnen liegt oft eine dicke Staubschicht, die potenzielle Leser abschrecken kann. Der texanische Buchhandel «The Wild Detectives» will das ändern, indem er Leser mit Headlines reinlegt, die den eigentlichen Buchinhalt aufs Übelste dramatisieren. Clickbait vom Feinsten.

So wird aus der Tragödie «Romeo und Julia» der überspitzte Titel «Teenie trieb ihren Freund in den Selbstmord». Auch Oscar Wildes Klassiker «Das Bildnis des Dorian Grey» formt sich neu und wird zu «Brite stirbt nachdem sein Selfie schiefgeht». Unter dem Motto «You fell for the bait, now fall for the book» lancierten die Kreativköpfe des Buchshops die Kampagne «Litbait», die seit vergangenem September läuft und auf diversen Social-Media-Kanälen ausgespielt wird.

Sechsstündige Blogposts, die ganze Bücher enthalten

Klickt man auf die vielversprechenden Titel, wird man im Gegensatz zu anderen Medien nicht enttäuscht – im Gegenteil. Die Links führen auf eine Seite mit weiteren Blogposts, die eine fette literarische Überraschung bereithalten. Hinter den Überschriften verbergen sich jeweils die kompletten (!) Bücher, die man gratis lesen kann. Und obwohl es eher unwahrscheinlich ist, dass sich jemand einen sechsstündigen Blogpost reinzieht, hat «Litbait» messbaren Erfolg: Der Traffic der Website soll sich um 14'000 Prozent erhöht haben.

Clickbaiting ist scheisse, wissen wir alle. Doch was sagt es über uns aus, wenn wir grosse Meisterwerke erst millennialgerecht verpackt bekommen müssen, um sie zu konsumieren? Ist das das Armutszeugnis unserer Generation? Zumindest wissen wir jetzt, dass die billige Ködertaktik etwas Gutes mit sich bringen kann: Statt eines öden Listicles bringt dich dein zielloses Mausgeklicke zu den geistreichen Worten grosser Schriftsteller, mit denen du dich sonst möglicherweise nie befasst hättest. 


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11 Kommentare

Jusa vor 7 Monate
Frankenstein ist ein Schweizer, kein "German doctor" (Bild 6).
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C.b vor 7 Monate
Grösster Müll seit langem tut mir leid.
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Simon Wanner vor 7 Monate
Die sollen mal sofort die Redaktion von 20Minuten abwerben, niemand anderes kann Überschriften so gut übertreiben.
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Marc vor 7 Monate
Cool. Gefällt mir sehr gut diese Aktion
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