Der Ballermann stinkt nach Furz

Unser ungleiches Pärchen hat die ersten Stunden auf Mallorca überstanden. Erste Erkenntnis: Es ist tatsächlich genau so (schlimm?) wie erwartet.



Während sich der Grossteil meines Bekanntenkreises über sengende Hitze, Unmengen an Alkohol und «lustige» Partymusik reinen Herzens freuen kann, fühle ich mich vor meiner Reise nach Mallorca am Flughafen in Zürich so, als würde man mich geradewegs ins Fegefeuer abkommandieren.

Dass meine wunderbare Kollegin Pearl mich begleiten darf, ist Fluch und Segen zugleich. Es heisst zwar immer geteiltes Leid sei halbes Leid – ich bin mir aber nicht ganz sicher, ob dieses geflügelte Wort auch dann noch Geltung trägt, wenn die leidteilende Person gar kein Leid empfindet. Pearl ist nämlich nicht nur unsere französischsprachige Redaktionskollegin, sondern ganz nebenbei auch noch erfolgreiches Model und leidenschaftliches Partygirl. Und was bin ich? Menschenscheu und permanent mies gelaunt. Vor allem bei Sonnenschein.

Klischees sind keine, wenn sie stimmen

Und hier sitze ich nun. Im Hotelzimmer. Es ist inzwischen weit nach Mitternacht, durch das geschlossene Fenster (draussen riecht es – aus mir unerfindlichen Gründen – penetrant nach Furz) höre ich regelmässig Bierzeltchöre und «Ich ficke dich, du Hurensohn“-Rufe und ich versuche mich mental auf die kommenden Tage hier am Ballermann einzustellen. So ganz kann ich es noch nicht fassen, dass ich tatsächlich hier bin.

Wer jemals RTL geschaut hat, kennt das Klischee der komasaufenden deutschen Ballermannfraktion. Ich verrate euch Glücklichen da draussen am sicheren Festland jetzt mal was: Es ist kein Klischee, wenn es stimmt. Innerhalb der ersten Viertelstunde – die wir nach unserer Ankunft im Hotel dazu verwendet haben, die Gegend kurz abzuchecken und einen Supermarkt zu finden, um unseren Süssigkeitenvorrat aufzustocken – wurden wir ungelogen siebenmal sexuell belästigt. Also naja. Pearl wurde sexuell belästigt. Aber sieben verdammte Mal! «Zeig deine Brüste, du geile Sau!» war da noch der charmanteste Spruch.

Unser strenges Wochenprogramm

Nun ja. Morgen erkunden wir jedenfalls erstmal einen Teil der Insel und versuchen herauszufinden, ob es hier tatsächlich noch so etwas wie vom Massentourismus unberührte Orte gibt. Soll ja ziemlich schöne Wander- und Fahrradwege geben und tolle versteckte Strände und so Zeugs. Ich würde zwar lieber Zuhause rumsitzen und Kette rauchen – aber dafür werde ich ja leider nicht bezahlt.

Was die Woche sonst noch so ansteht? Bierzeltphilosophie, Malle-Make-Over, mindestens ein Tinder-Date (hey, ich bin schlecht gelaunt, nicht untenrum tot!) und – wenn wir schon mal hier sind – natürlich begleiten wir einen waschechten Ballermann-Superstar bei einem seiner Auftritte.

Ich leg mich jetzt ins schöne, grosse, weiche Hotelbett und versuche zu schlafen. Trotz Unbehagen und des strengen Darmgeruchs, der sich mittlerweile schon in meine Nasenschleimhäute und all meine Klamotten gefressen hat.


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27 Kommentare

Moni vor 3 Monate
Na Bravo dieser junge Herr, könnte wohl mehr sehen mit verbundenen Augen. Wir waren jetzt 2x in Mallorca Herbst und einmal im Frühling einmal im Landesinnern und einmal direkt am Meer, diese Insel hat soviel Schönes zu bieten, aber wenn man es nicht sehen will.
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MArtin vor 3 Monate
Tja wer auch auf die Südwest Seite von Malle geht, sollte nichts besonders erwarten. Ich war in Cala D'or auf der Ost Seite. Sehr Schön und Ruhig
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Kötler vor 3 Monate
Wer Scheisse sucht wird Scheisse finden!
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Maja vor 3 Monate
Dienstag, Port de Soller, Musik am Strand. Malle kann auch anders!
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