Go-Go-Girls und besoffene Briten in Magaluf

Um die gängigen Klischees über Europas beliebteste Partyinsel zu widerlegen, haben sich unsere Malle-Korrespondenten Benny und Pearl einige Alternativen zum Ballermann angeschaut.



«Mallorca ist nicht nur Ballermann, man muss da ja nicht hingehen und sich von diesem vorwiegend unanständigen Saufpack die Ferien vermiesen lassen. Die Insel hat so viel zu bieten, man muss sich nur vorher informieren!» So oder so ähnlich klingt der Grundtenor an Kommentaren aus meinem Bekanntenkreis und von Leserseite her, wenn klar wird, dass ich dem Abenteuer «Tilllate goes Malle» nicht besonders wohlgesonnen gegenüberstehe.

Penetrant fröhliche Menschenmassen, zu laute Musik und Temperaturen um die dreissig Grad mögen die meisten Menschen in entzückte Euphorie versetzen. Undankbaren Möchtegern-Reisejournalisten wie mir bereitet das Gedöns aber eher Kopfschmerzen.

Warten auf bessere Zeiten

Um mich der Stimme der Mehrheit und dem Willen meiner hochmotivierten Reisebegleitung Pearl zu beugen, standen heute also Ballermann-Alternativen auf dem Programm. Frisch und munter fuhren wir per Mietwagen erstmal nach Palma. Hauptstadt der Insel und vollgestopft mit ziemlich hübschen historischen Bauten und teils nicht ganz so wunderschönen Touristengruppen.

Wären da nicht die sengende Hitze, die riesigen Müllhalden und Taubenschwärme gewesen – die zwischen Louis Vuitton, Philipp Plein und einer Menge Bettlern auf bessere Zeiten gewartet haben – hätte ich der Stadt eventuell sogar irgendwie halbwegs etwas abgewinnen können. Habe ich aber nicht.

Mein Highlight: Ich habe mir ein Paar Crocs gekauft. Offiziell, um damit an den Strand gehen zu können. Inoffiziell weil es einfach die bequemsten Schuhe der Welt sind. Not gonna lie! Ich schäme mich nicht für meine Crocs.

Das soll das echte Mallorca sein?

Die nachfolgende zweieinhalbstündige Fahrt durch das doch angeblich so atemberaubend schöne Landesinnere entwickelte sich vom lustigen Roadtrip schnell zu einer der langweiligsten Autofahrten, denen ich je beiwohnen musste. Links und rechts nichts als Sträucher und Bäumchen und halbvertrocknete Wiesen und zwischendurch mal ein paar übertrieben abseits gelegene Siedlungen.

Unser Ziel: Ein Strand auf der anderen Seite der Insel. So ganz ohne Touristen, nur mit einigen wenigen Einheimischen. «Hier könnt ihr das echte Mallorca erleben», wurde uns von mehreren Seiten versprochen. Also entweder haben wir uns verfahren oder das «echte Mallorca» ist in etwa so beeindruckend und aufregend wie eine Seniorenkaffeefahrt. Oder Wachkoma.

Tatsächlich waren hier vergleichsweise wenige Menschen anwesend. Das könnte aber wohl auch an den Schuhen, Flaschen und toten Fischen liegen, die es sich zwischen den Badenden bequem gemacht haben. Ich fühle mich wiedermal bestätigt und freue mich darüber, Pearl mitteilen zu können, dass ich es ihr ja gesagt hätte.

Der Ballermann der Briten

Ich würde am allerliebsten zurück ins Hotel fahren, um die Minibar zu plündern und es mir mit dem Fernsehprogramm gemütlich zu machen. Die Dame an meiner Seite hat allerdings andere Pläne. Wenn mich schon Ballermann, Stadtspaziergänge und Geheimtipp-Strände nicht begeistern können, dann kann es vielleicht Magaluf.

In unseren Breitengraden kaum bekannt, erfreut sich das Örtchen bei jungen Britinnen und Briten dafür seit Jahren umso grösserer Beliebtheit. Ist der Ballermann fest in deutscher Hand und überlaufen von Ex-Dschungelköniginnen und feierwütigen Biertrinkern aus Bayern und NRW, versuchen sich in Magaluf englische Teenies gegenseitig das Wasser zu reichen. Oder eben die Vodka-Shots.

Und was ist nun besser?

Die wichtigsten Unterschiede zwischen dem deutschsprachigen Pendant und der Partyhölle auf der anderen Seite der Bucht von Palma: Altersdurchschnitt gut fünf bis zehn Jahre niedriger, mehr bunte Discolichter und vor allem – mehr Geknutsche. Während sich in S'Arenal die Typen zwar lautstark darüber äussern, was sie gerne mit diversen an- oder abwesenden Damen im Bett anstellen würden (sich jedoch wohl mehrheitlich am Ende des Tages alleine im Hotelbett einen runterholen), geht es in Magaluf viel eher und viel offensichtlicher zur Sache.

Ob das jetzt am Alter liegt oder daran, dass Briten verhurter sind als Deutsche, kann ich nicht beurteilen. Interessant ist es aber allemal. Müsste ich mich entscheiden, würde ich aber sogar den Ballermann wählen. Der alten Hassliebe wegen. Und weil hormongeschwängerte britische Teenager irgendwie ziemlich anstrengend sind.


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65 Kommentare

malle malle malle vor 3 Monate
Wenn man die schönen Ecken von Malle ansehen möchte ist man in Arenal und Magaluf definitiv an der falschen Adresse
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Antwort
Hab mich wohl täuschen lassen vor 3 Monate
Ich dachte immer Hipster wären keine Spiesser.
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Ikke fahr nie nach Malle vor 3 Monate
Hauptsache auf Kosten der Zeitung in die Sonne. Armer Kerl , einfach job verfehlt.
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Antwort
Flo vor 3 Monate
Jemand der nicht gerne hunderte Menschen um sich auch nicht mal die Kante gibt - sollte es besser lassen einen Mallorca Bericht zu schreiben.
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