In der Zukunft gibts «Hitler – das Musical»

Aussergewöhnliche Musical-Erlebnisse, computergesteuerte Partnerwahl und Sex-Verträge: Wir lieben den neuen Roman von Marc-Uwe Kling.

Der Berliner Kleinkünstler und Autor Marc-Uwe Kling landete mit seiner Känguru-Trilogie einen Überhit. Die Story rund um das kommunistische Känguru und turbokapitalistische Pinguine ist nicht nur verdammt witzig, sondern auch unheimlich clevere Gesellschaftskritik. Und das wohl beliebteste Einschlaf-Hörspiel aller deutschsprachigen Antifas.  

In einem (hoffentlich fiktiven) Interview mit einer Schülerzeitung sagt das Känguru, welches sich für den Autor ausgibt, einmal: «Ich schreibe nur ein viertes Känguru-Buch, wenn mir nichts Besseres einfällt und ich dringend Geld brauche». Und Kling hat wohl genügend Kohle gescheffelt und ihm ist etwas Besseres eingefallen: «QualityLand».

Die Welt der Algorithmen

Klings neuer Roman spielt in der Zukunft. Aber nicht in der schönen Version davon, in der wir uns mit dem Grundeinkommen legalisiertes Schweizer Gras kaufen und bekifft mit hochentwickelten Sex-Robotern kuscheln – sondern in der Zukunft, in der Maschinen und Algorithmen die Welt beherrschen.

In «QualityLand» kriegst du immer automatisch genau das geliefert, was du zu genau dem Zeitpunkt brauchst – egal ob du dir dessen bewusst bist oder nicht. Du kriegst immer den perfekten Partner vermittelt und beim Ultraschall verrät dir der Arzt nicht nur das Geschlecht des Kindes, sondern auch gleich seine prognostizierte Karriere. Und wenn du anständig Sport machst, deine Oma nicht krank war und du dich gesund ernährst, steigert sich dein persönliches Level. Das heisst: Du musst beispielsweise bei lebensnotwendigen Operation weniger lang warten als andere. Eine gute Sache, nicht?

Viel zu realistisch

Was nach absurder Zukunftsmusik klingt, ist leider viel zu realistisch. Wenn du bei Tinder deine Daten verlangst, kriegst du rund 800 Seiten zugeschickt, die nicht nur deine Chats und Matches umfassen, sondern auch deine Standorte, deine Fotos von Insta (sobald du einmal die Verbindung hergestellt hast) und natürlich deine Vorlieben im Bezug auf potentielle Sexbeziehungen. Diese Daten bestimmen, welche Werbung du im Netz zu sehen bekommst, welche Freunde auf deinem Facebook-Feed erscheinen und welche Stellenangebote dir bei LinkedIn empfohlen werden. Jetzt denk mal an die Experimente mit personalisierten Preisen bei der Migros und daran, dass Trump angeblich dank der Filterbubble zur Macht kam. Hast du schon Schiss?

Was Kling in «QualityLand» tut: Er denkt die heutige Situation konsequent weiter – mit verdammt viel Zynismus. Ganz so witzig wie die «Känguru-Chroniken» ist das nicht, aber Gründe zum Lachen gibts trotzdem genug. Beispielsweise als ein Protagonist «Hitler – das Musical» besucht, einen Sex-Vertrag unterzeichnen muss oder ein Minister schwört, dass es besser ist, sich von einer Qualitätswaffe als von minderwertiger Ware umlegen zu lassen.

Siehs als Training

Falls du in deinem Freundeskreis gerne damit angibst, Orwells «1984» gelesen zu haben, oder du schlicht Bock hast, dich auf die kommende Machtergreifung der künstlichen Intelligenz vorzubereiten: Gib dir das Buch! 

Hast du Bock auf ein Gratisexemplar des Buches? Wir verlosen drei Ausgaben. Sende eine Mail an redaktion@tilllate.com und schreib uns, weshalb du eine Zukunft, in der Algorithmen die Welt beherrschen, witzig oder überhaupt nicht witzig findest. Mit etwas Glück flattert dann eine Exemplar von «QualityLand» umsonst zu dir nach Hause. 


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7 Kommentare

Känguru Fan vor 2 Monate
Intelligentes Buch mit viel zynismus. Schade dass hier mitem dem reisserischen Musical Titel beworben wird, obwohl dies nur marginal im Buch eine Rolle spielt. Wer die heutige technische Welt sieht und kennt und ahnt wohin das alles führen könnte, wird dieses Buch lieben. Kling ist ein genialer Gesellschafts Kritiker der sehr poentiert auf Dinge aufmerksam macht, die für viele schon selbstverständlich sind. Ich kann das Buch nur empfehlen und wer es mag, die Känguru Chroniken sind auch genial.
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Grock vor 2 Monate
Wann kommt «Blocher - Das Musical»?
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Klaus vor 2 Monate
Einfsch nur primitiv.
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Studentin vor 2 Monate
Ich hab das Buch gelesen und kann mich der Kritik nur anschliessen: es lohnt sich!
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