Meine Familie hat schon mein Grab bestellt

Die Eltern unserer Autorin zahlen jährlich für die Bestattung ihrer Tochter – auch wenn sie erst Mitte 20 ist. Bis vor kurzem wusste sie noch gar nichts darüber.

Ich kann nicht über meinen eigenen Tod bestimmen. Dies zeigte eine Diskussion, die ich kürzlich mit meiner Mutter führte. Eigentlich nahm ich an, dass ich irgendwo in der Schweiz begraben werde, weil ich mich hier Zuhause fühle. Nur: Meine Eltern sind türkische Muslime und haben etwas ganz anderes für mich vorgesehen. Nach meinem Abgang manövriert der Diyanet-Verband, eine türkisch-islamische Stiftung, die im Dienste der muslimischen Gemeinschaft in der Schweiz steht, mich in die Türkei – in ein Dorf, das ich kaum kenne.

Letztes Jahr zählte der Diyanet-Verband 91 Todesfälle ihrer Mitglieder. In der Branche geht man üblicherweise davon aus, dass 95 Prozent der verstorbenen Muslime zurzeit in der Heimat begraben werden. Obwohl die Schweiz mittlerweile muslimische Friedhöfe anbietet, nutzt diese kaum jemand. Deswegen sind sie Teil dieses Verbands. Keiner der Türken, die ich kenne, würde hier begraben werden wollen.

Die Türkei fühlt sich nicht an wie Heimat

Meine Eltern bezahlen dem Diyanet-Verband jährlich 76 Franken. Im Beerdigungspaket befindet sich der Transfer in die Türkei, die islamische Totenwaschung, das Totengebet und ein ewiges Ruherecht.Der Grund für den Entscheid meiner Erzeuger: «Es ist Familientradition.» Meine Eltern stammen von dort ab – und sie enden dort, in dem hinterletzten türkischen Eck. Das steht fest. Und ich soll die Tradition weiterführen. Obwohl ich mich in der Schweiz wohler fühle als in der für mich ziemlich fremden Türkei. Absurd.

Klar, ich könne mich auch für einen anderen Ort entscheiden, meinte Mama. Aber wenn ich nichts an diesem Plan ändere, ist meine letzte Ruhestätte die Türkei. Mein erster Gedanke war, dass die schon geplante Bestattung einer Zwangsheirat recht nahekommt. Statt mir einen Ehemann aufzuzwingen, zwängen sie mich in ein Grab an einem fremden Ort. Nicht so okay, eigentlich.

Der Service

Nehmen wir mal an, ich schreibe kein Testament, in dem ich ausdrücklich zu verstehen gebe, dass ich nicht in der Türkei begraben werden möchte – wie sieht meine Bestattung dann aus? Nachdem mich irgendein Typ vom Verband in die Türkei liefert, werde ich von einer Frau, vermutlich einer Verwandten oder sogar meiner Mutter, bis in die kleinste Körperritze gewaschen. Frauen waschen Frauen, Männer waschen Männer.

Mein Körper wäre danach ready für die Bestattung. Vorher halten meine Glaubensbrüder und -schwestern ein Totengebet für mich ab. Das ist im Islam Pflicht. Bei dem Gebet wenden sich die Gläubigen an Allah, um für den Seelenfrieden des Verstorbenen zu bitten.

Für immer Ruhe

Im Gegensatz zu Christen begräbt man Muslime nicht in Särgen. Zwar wird der Sarg zur Überführung des Leichnams in die Heimat benutzt und nach der Waschung gebraucht, um den Körper bis zum Grab zu transportieren. Die Leiche wird aber direkt ins Grab gelegt, ohne Sarg und nur mit weissen Baumwollstoffen – zwei für Männer, fünf für Frauen – am toten Körper. Der Körper der Leiche schaut im Grab Richtung Mekka.

Unkompliziert läufts auch bei der Gestaltung des Grabes ab. Muslime stehen eher auf schlichte Ruhestätte. Ausser der Erde und einem Grabstein ist oftmals nichts Anderes zu finden. Was mir auch gefällt, ist die ewige Totenruhe. Im Islam werden Tote nicht umgebettet oder irgendwann neu belegt.

Alles für die Familie

Im ersten Moment fand ich dieses Vorgehen nicht unbedingt erfreulich. Das liegt daran, dass etwas ohne mein Wissen für mich entschieden wurde. Inzwischen schlagen aber zwei Herzen in meiner Brust: Meine Eltern würde es freuen, dass ich dort ruhe.

Aber falls ich irgendwann eine eigene Familie gründe, überdenke ich diese Situation. Ich hoffe, meine Kinder wollen mich nach meinem Tod ab und zu besuchen und für ein kurzes «Hallo» sollen sie nicht 2500 Kilometer reisen müssen.

Aber was auch immer schlussendlich passiert: Es kann es mir ja sowieso gleich sein, wo ich begraben liege. Ich bin dann eh tot.


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114 Kommentare

Daniel vor 4 Monate
Naja, vielleicht verliebt sie sich eines Tages in einen Schweizer, dann ist gut das Grab steht schon bereit.
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ursula vor 4 Monate
Gräber sind immer für die Lebenden, en Toten ist es egal, wo ihre Hüööe ist.
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Yunus vor 4 Monate
Was für dummi rassishte da unterwegs sind 😅 Ich lebe sit 23 jahr ide shwiz und han bis hüt kein shwizer live kseh wo so redet wie ihr da shribet.. Vorem handy wenn de name anonym ish chonts wahre ksicht vo euch use.. Und ah die Fatma Süleymanoglu wo da extra ihkstellt worde ish zum muslime slecht darzstelle han sho paar bricht vo dir glese vergiss ned kultur het 0 mit de religion ztue..
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Antwort von Markus vor 4 Monate
Lerne erst deutsch...dann versteht man auch was du ausdrücken willst.
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