Lasst diese Vorsätze doch einfach mal bleiben

Alle zwölf Monate wiederholen sich die öden, absolut lächerlichen Ziele fürs neue Jahr. Unsere Redaktorin erzählt, wieso die Vorsätze schon jetzt ihre Nerven strapazieren.

«Dieses Jahr werde ich ganz viel Sport treiben» oder «Ab jetzt werde ich völlig unabhängig von einem Partner glücklich sein». Alle Jahre wieder muss ich mir die schwachsinnigen Neujahrsvorsätze meiner Mitmenschen anhören – und darf zusehen, wie bereits im Februar die Fitness-Mitgliedskarte statt die Schokolade in einer dunklen Ecke verkümmert und die ach so unabhängigen Frauen verzweifelt auf Tinder swipen, um endlich den passenden Typen für gemeinsame Nächte zu finden. Grausam. Einfach nur grausam.

Neues Jahr, neues Ich

«Im 2018 werde ich dem Alkohol abschwören», heisst es heute Morgen im Tram auf den Sitzen vor mir. Zwei junge Männer diskutieren über das vergangene Festtagswochenende. Wie sich aus ihrem Gespräch schliessen lässt, hat da wohl jemand etwas zu tief ins Glas geschaut. Ich tippe, dass sie sich spätestens Mitte Januar schon wieder mit einer Flasche rotem Vodka draussen den Hintern abfrieren und es im Club wild treiben. Das grosse Lügen, das sich jeden Dezember zwischen Weihnachten und Neujahr abspielt, hat offensichtlich wieder begonnen.

Diese Vorsätze sind schlicht und einfach ermüdend. Jeden Dezember nehme ich die gefassten Entschlüsse mit einem höhnischen Lächeln zur Kenntnis und denke nur: Same old shit. Zugegeben, auch ich hatte vor Jahren die Intention, den Süssigkeiten abzuschwören. Es hat nicht geklappt, ich habs hingenommen und nie, nie, niemals wieder versucht. Denn ich besitze doch den kleinen Funken Respekt vor mir selbst, mir diesen Nonsens nicht mehr jährlich einreden zu müssen. Ich weiss nämlich genau, dass ich weder dem warmen Muffin widerstehen kann, noch auf den Schoggi-Osterhasen verzichten will.

Doch wieso erlegen sich Menschen immer diese Vorsätze auf? Ist denn hier niemand so diszipliniert, die Schokolade mit Mass zu geniessen statt gleich täglich eine ganze Tafel zu verschlingen? Wieso muss es gleich ein ganzes Päckchen Zigaretten sein, wenn auch ein halbes reicht? Wie es scheint wollen einige einfach nur der Tradition gerecht werden, dem Trend folgen und keine Aussenseiter sein, die ihr Leben einfach mal geniessen. Andere wiederum versuchen, die Kontrolle über das eigene Leben zu erlangen und steuern das Idealbild ihrer Selbst jedes Jahr aufs Neue an – und scheitern meist kläglich.

Ab Mitternacht beginnt das neue Leben

Und wieso beginnt der Kampf gegen den inneren Schweinehund genau am 1. Januar, wo sich doch eigentlich jeder Monat, ja jeder Tag perfekt dazu eignet? Haben sich etwa zu viele Pfunde des vergangenen Weihnachtsschmaus angesetzt? Oder hat sich nach den partyexzessiven Festtagen die Lunge gemeldet, man solle doch bitte endlich das Rauchen unterlassen? So ein Bullshit. Fitnesscenter-Abos kriegt man übrigens auch im März oder im Juni und September. Neujahr dient wohl bei Unzähligen als Reset-Knopf: Der einfachste Weg, um seine Strapazen und Sorgen des Vorjahres zu vergessen, ist der Neustart an Silvester. Der neue, hoffentlich perfekte Lebensabschnitt beginnt mit dem ersten Feuerwerk um Mitternacht – oder vielmehr verkatert um 11:36 Uhr morgens.

Wer sich dieses Jahr wieder einmal vornimmt, endlich Spanisch zu lernen oder das Sparschwein so richtig zu mästen, soll sich doch bitte ein Herz nehmen und den Vorsatz einhalten. Oder aber nächstes Jahr sein Maul einfach nicht mehr so weit aufreissen, wenn es aufs Neue heisst: neues Jahr, neues Ich


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17 Kommentare

Felidae vor 14 Tagen
Ich würd mich nicht so künstlich aufregen über so Sachen (Vorsatz für 2018?) resp. hoffe ich, sie nervt sich nicht tatsächlich ab solchen Dingen sondern tut es bloss, um nen Artikel schreiben zu können. Die Energie kann man für Besseres verwenden. Soll doch jeder tun wie er will. Ich persönlich halte es auch mehr so, dass ich mir Dinge vornehme und sie dann ( naja...oft) umsetze, egal ob es Juni September oder halt Dezember ist. Jedem das Seine.
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King kong vor 14 Tagen
Auf solche Artikel.
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Joel vor 14 Tagen
Habe mir als Vorsatz genommen nicht mehr so viel an meinem Dödel zu Rubeln, habe es bis jetzt leider nicht geschaft. Meine Eltern sind schon wieder zu viel weg.
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idiot vor 14 Tagen
die vollidioten lassen grüssen!
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