Er analysiert die Psyche von Gangster-Rappern

Lucien Dunkelberg ist der Psychologe der deutschen Hip-Hop-Szene: Er untersucht Videos von Yung Hurn, Bushido und anderen Deutschrappern und versucht, in ihren Kopf zu blicken.

Die Rap-Szene hat ihren eigenen Kopfdoktor: Lucien Dunkelberg analysiert die Psyche von Deutschrappern. Über 8000 Menschen folgen seinem Youtube-Channel, auf dem der Schweizer Hip-Hop-Head und Psychologiestudent regelmässig versucht, in den Kopf von Moneyboy, Yung Hurn, Bushido, Fler und anderen Sprechgesang-Stars einzutauchen. Dabei entdeckt er Vermeidungsstrategien mit Penissen, gestellte Wutausbrüche und Fantasiewelten.

Wir haben uns mit Lucien Dunkelberg über seine Analysen, die deutschen Newschool-Rapper und Psychologie-Klischees unterhalten.

Lucien, die Psychologie beschäftigt sich üblicherweise kaum mit Popkultur – wieso machst du das jetzt?

Die Psychologie ist leider kaum im Zeitgeist und der Popkultur präsent und bei vielen Menschen sind ja auch diverse Vorurteile gegenüber der Branche vorhanden: Man denkt gleich an geschlossene Anstalten, an Pillen oder an menschenverachtende Experimente aus der Vergangenheit. Dabei soll die Psychologie den Menschen helfen ein selbstbestimmteres und zufriedeners Leben zu erreichen. Durch meine Videos will ich die Menschen auch an die Psychologie heranführen und so durch einen offenen Umgang die Hemmungen davor abbauen.

Und weshalb widmest du dich gerade Rappern?

Seit ich zum ersten Mal den Song «Still D.R.E.» gehört habe, bin ich ein grosser Hip-Hop-Fan und als Psychologie-Student interessiere ich mich natürlich für die Psyche von Menschen. Und gerade in der Rap-Szene, in der es viel um Status und Konkurrenz geht, tummeln sich viele spannende Leute.

Inwiefern bist du qualifiziert, anhand Internetvideos die Psyche anderer zu beurteilen?

Eigentlich kann das jeder machen. Ich versuche nur, Dinge, die ich sehe, mit Theorien zu verknüpfen, die ich in meiner psychologischen Ausbildung gelernt habe. Dadurch ist mein Blick auf die Rapper sehr differenziert und unterscheidet sich in der Qualität zu jemandem, der keine Ausbildung in diesem Bereich vorweisen kann.

Wer sind denn für dich die spannendsten Analysesubjekte?

Hustensaft-Jüngling mag ich sehr – der Typ ist interessant, gerade weil er so authentisch ist und sich in Interviews immer sehr ruhig gibt. Und auch die Analyse von Lance Butters ist mir ebenfalls gelungen, ich glaube, ich habe einen guten Zugang zu ihm gefunden. Und Moneyboy ist natürlich auch ein spannendes Subjekt.

Was gibts denn zu Moneyboy (aka Why SL Know Plug) zu sagen?

Das ist ein bewundernswerter Mann. Nachdem er für «Dreh den Swag auf» so viel Hate kassierte, liess er sich dennoch nicht unterkriegen. Dafür braucht man Visionen, ein Fernziel und einen starken inneren Antrieb. Nicht viele können von sich behaupten, so eine starke Leidenschaft zu besitzen. Bei ihm dreht sich viel um Geld, beispielsweise wenn er seine neue Gucci-Schuhe präsentiert, um damit zu zeigen, dass er es geschafft hat – schlussendlich soll das vermutlich seinen Status demonstrieren.

Drogen sind ein häufiges Thema in Rap-Songs – worauf lässt sich das psychologisch zurückführen?

Nun, so kann man sich als einen starken Typ präsentieren, der mit diesen Substanzen klarkommt – dass sie häufig illegal sind, trägt natürlich zu diesem Bild mit bei. So ähnlich wie bei den Waffen, die viele Gangster-Rapper in Videos herumtragen, geht es da vermutlich häufig um Status – eines der Grundbedürfnisse der Rap-Szene.

Gibt es übergreifende psychologische Feststellungen im gesamten Rap-Game?

Neben dem Status ist auch die Selbstinszenierung sehr präsent. Und wenn Kritik auftaucht – beispielsweise bei den «Disslike»-Videos – gehen die meisten Rapper mit Humor damit um. Aber jeder hat einen eigenen Stil und einen eigenen Charakter, da ist es schwierig, übers Band hinweg zu urteilen.

Wie sieht es denn bei den jungen Trap- und Cloud-Rappern aus – unterscheiden sich diese von den klassischen Gangster-Rappern?

Die ganze «Live From Earth»-Crew beispielsweise legt häufiger Wert auf Kreativität als auf Status. Yung Hurn ist sehr schwierig zu fassen. Bei dem einen Interview, dass er auf dem Dach eines Gebäudes gibt, scheint er kaum sprechen zu wollen. Ein wenig später quatscht er aber auf der Strasse Touristen an. Dass gibt einem Rätsel auf und macht ihn schwer fassbar.

Ist es ein Vorteil für Rapper, nur schwierig fassbar zu sein?

Das führt halt dazu, dass man als Fan viel Futter hat. Wenn Yung Hurn so schwierig fassbar ist, macht das die Menschen nur neugieriger auf ihn.

Wie geht es denn bei dir weiter – hast du schon Pläne für die nächste Analyse?

Gestern stellte ich eine Analyse von Klaus Kinski online. Neben den Rappern würde ich gerne auch andere Menschen analysieren – interessante Leute gibts schliesslich überall. 


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12 Kommentare

Gerry vor 1 Monat
Das Problem ist, dass man diese nicht analysieren kann, wenn man von Psychologie Ahnung hat. Denn die Rapper spielen alle eine Rolle und produzieren sich ein Image und eine Sprache. Im normalen 08/15 Alltag ohne Publikum sieht dieser Möchtegernanalytiker die Leute gar nicht und nur dann wäre eine Analyse möglich. Das ist so als wenn man von Tom Cruise anhand von MI2 eine Psychoanalyse machen würde.
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Jakbo Black vor 1 Monat
Alle Rapper haben Mikropenisse. Dies kompensieren sie mit ihrem verbalen Feinstejakulat. Kann ich jetzt auch psychologe werden?
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.45 vor 1 Monat
Der ganze rapp quatsch ist doch nur fuer verklemmte idioten,moechtegern gangster und stotterers
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nana vor 1 Monat
Fernanalyse von aufgesetzten Rollen? Der will wohl nie als Psychologe arbeiten wenn er sich schon während des Studiums fachlich so diskreditiert.
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