Ohne Putzfrau kann ich nicht leben

Unser Autor kann sich ein Leben ohne Haushaltshilfe nicht mehr vorstellen. Auch viele Gleichaltrige gönnen sich den Luxus einer Reinigungskraft. Dekadent oder normaler Alltag?

Bei all dem offensichtlichen Leid und Elend auf dieser Welt fällt es nicht leicht, mich über das subjektive Leid und Elend in meiner Wohnung auszulassen, ohne wie ein versnobtes Arschloch zu erscheinen. Trotzdem – ich muss etwas loswerden: Seit meine Putzfrau mit mir Schluss gemacht hat, liegt mein Leben in Schutt und überfüllten Aschenbechern.

Zum Glück bin ich da nicht alleine. Ganz klar geht der Trend in Richtung Lifestyle-Boost, für den man auch gerne bereit ist, zu bezahlen. Personal einzustellen, zumindest temporär, ist demnach kein Phänomen der elitären Oberschicht mehr, sondern wirklich in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Vor allem immer mehr junge Wohngemeinschaften – wo die Kosten aufgeteilt werden können – engagieren reinliche Helferinnen und Helfer, um Haushalt und damit die Work-Life-Balance auf möglichst hohem Niveau zu halten.

Eindruck bei der Putzfrau schinden

Frau Mariana, eine rüstige Ungarin, war jahrelang mein Fels in der Brandung. Ihre wöchentlichen Besuche kosteten mich einiges an Geld, Nerven und Würde – und doch waren sie das Beste, was mir passieren konnte. Sie kam und ging, wie es ihr gerade passte; sie nahm kein Blatt vor den Mund und überhäufte mich mit Lebensweisheiten und Beziehungstipps («Bist du schwul immer noch? Schwul ist gut aber mit Frau ist besser! Brauchst du Heirat und Kinder!») und machte mich ganz nebenbei zu einem besseren Menschen.

Es mag ein bisschen irre klingen – Frau Mariana war mehr als eine Putzfrau. Eigentlich fungierte sie beinahe als eine Art Lifecoach. Ihre Besuche machten mir unterschwellig so grosse Angst, dass ich mich das erste Mal im Leben bewusst dazu aufraffte, selbst Dinge in die Hand zu nehmen. Ich wollte meine Reiningungskraft beeindrucken, wollte ihr vorgaukeln, nicht der faule Sack zu sein, für den sie mich (zurecht) hielt. Die Illusion eines geregelten, jungen Erwachsenenlebens aufrecht zu erhalten, bedarf jedoch echter emotionaler Arbeit.

Vor dem Putzen selbst mal putzen

Also änderte ich meinen Schlafrhythmus; meldete mich wieder öfter bei meinen Eltern und schränkte meinen Nikotin- und Alkoholkonsum ein. Um Frau Mariana nicht zu sehr zu verärgern, hatte ich es mir zudem angewöhnt, am jeweiligen Vorabend ihres Erscheinens eine mehr oder weniger akribische Grundreinigung in der Wohnung durchzuführen. Diese beinhaltete Tätigkeiten wie staubzusaugen, Geschirr und Töpfe zu spülen und das Badezimmer auf Hochglanz zu polieren.

Natürlich fand die gute Seele dennoch immer genug Grund, um missbilligend mit der Zunge zu schnalzen und vorwurfsvoll ob meiner unendlichen Schlampigkeit zu stöhnen, bevor sie sich ans Werk machte und mein versifftes Höllendrecksloch mit aggressiver Akkuratesse wieder halbwegs wohnlich zu gestalten. Dabei entstanden gerne mal ein paar Kratzer im Parkett und ich erfuhr aus erster Hand, dass mein Macbook nicht wasserfest ist. Schade. Warum liegt es auch da einfach so rum?

Junge verzichten für Luxus auf Luxus

Nun hat sich Frau Mariana nach Jahren der Symbiose von mir getrennt, um ihren wohlverdienten Lebensabend ganz gemütlich in ihrem Haus am Balaton zu verbringen. Natürlich versuchte ich aufrichtig, mich für sie zu freuen. Die Verabschiedung verlief herzlich und ich hatte probiert, ihr glaubhaft wahrzumachen, auch ohne ihre Hilfe zurechtzukommen. Wir wussten beide: Ich bin ein frecher Lügner vor dem Herrn.

Schon wenige Wochen, nachdem ich auf mich alleine gestellt war, merkte ich: So kann es nicht weitergehen! Aus Gesprächen im Freundeskreis weiss ich, dass ich glücklicherweise nicht der einzige in meinem halbwegs jungen Alter bin, der ohne Haushaltshilfe mit Lebensberater-Ambitionen Schwierigkeiten hat. Erstaunlich viele meiner Bekannten zwischen 18 und 28 verzichten gerne mal auf Kinobesuch, Taxifahrt oder die dritte Flasche Wein, um sich den dekadenten Luxus einer Putzkraft zu leisten.

Wie faul kann man eigentlich sein?

Derart beflügelt von der Gewissheit, nicht der einzige Blödmann zu sein, der ohne Arschtritt und Putzfrau nicht lebensfähig ist, bin ich gerade dabei, das Gefühl, meine Ersatzmutter zu hintergehen, zu verdrängen. Ich suche nun fleissig nach einer Alternative für Frau Mariana.

Die ersten Probeläufe endeten jedoch in kleineren Katastrophen und gröberen Nervenzusammenbrüchen, auf die ich hier nicht näher eingehen möchte. Aber ich gebe nicht auf – irgendwann finde ich schon eine adäquate Nachfolgerin. Bis dahin muss ich wohl in meinem eigenen Dreck hausen. Oder ihn einfach mal selbst wegräumen. So schwer kann das ja auch wieder nicht sein. Eigentlich.
 


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51 Kommentare

Schanet Vielleicht vor 3 Monate
So sieht dementsprechend auch die heutige Umwelt aus. Die Erde kann sich aber scheinbar keine Putze leisten.
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Gunhilde Ochsenknecht vor 3 Monate
Der Typ braucht keine Putzfrau sondern eine Therapie. Er ist ganz einfach nur ein Messi, ein Chaot. Wer so lebt ist verludert. Würde mich wundern, wie es ausserhalb der Wohnung aussieht.
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TheMan vor 3 Monate
So ein Schwachsinn. Für etwas habe ich doch geheiratet.
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MArtin vor 3 Monate
Wie alt sind die Bilder ? Röhrenmonitore und Röhrenfernseher ? Die gabs mal 1980 Seit 2000 gibt es Flachbildschirme für die Masse zu einem bezahlbaren Preis.
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