Was tun, wenn man vom ganzen Netz verspottet wird?

Unsere Redaktorin wurde im Club unvorteilhaft geblitzt – und wurde mit dem Foto zum Gespött ihrer Facebook-Freunde. Wir haben einen Anwalt gefragt, wie sie hätte reagieren sollen.

Ja, ich war dicht. Ich habe nach einer nervenzehrenden Prüfungsphase im letzten Frühling über die Stränge geschlagen und die glücklichen Stunden alkoholinduzierten Daseins im Club mit einigen Fotos gekrönt. Wer macht das heute denn nicht?

Dass die meisten Bilder entweder verschwommen, unbrauchbar oder nicht gerade schmeichelhaft für mein persönliches Bestehen waren, ging mir während dieser Stunden aber ihrwisstschonwo vorbei. Hauptsache: feiern.

Für das Foto verfluchte ich ihn – und mich selber

Verheerend war einzig, dass am Tag nach der spiritusüberladenen Nacht plötzlich ein mehr als unschmeichelhaftes Foto von mir in den Social-Media-Abgründen kursierte. Das T-Shirt verdeckte leider kaum noch das Wesentliche und die Position der geklauten Tequila-Flasche hätte anstössiger nicht sein können. Wer meinen Absturz auf dem Facebook-Feed mitverfolgte? Absolut jeder, dem ich schon mal die Hand geschüttelt hatte. Inklusive Eltern und Chef.

Verantwortlich für meinen sozialen Niedergang war ein Bekannter. «Han zu viel Likes uf dem Bild, das löschi nöd», entgegnete er mir, als ich darum bettelte, das Foto zu entfernen. Arschloch. Ich verfluchte ihn – und mich selber – und fand mich schliesslich damit ab, monatelang das Gespött von Freunden und Arbeitskollegen zu sein. Ein Rechtsanwalt erzählt mir nun: Ich hätte mich wehren können.

Keine Anzeige, aber eine Ermahnung

«Wenn eine Drittperson ein Foto von jemandem ohne dessen Einwilligung teilt, greift er ins Recht am eigenen Bild ein, welches ein Teilelement des Persönlichkeitsrechts ist», sagt Michael Reinle von Bühlmann Rechtsanwälte AG. «Eine stillschweigende Einwilligung wäre zwar möglich, doch ist diese grundsätzlich jederzeit widerrufbar.» Mein Betteln hätte also bereits ausreichen müssen.

Das Gesetz sehe weiter vor, dass beim Zivilrichter auf Unterlassung und Entfernung des Bildes geklagt werden könne. Zudem würden die meisten sozialen Netzwerke vorsehen, dass man Verstösse gegen die Nutzungsbedingungen – hierzu gehören etwa auch Gesetzesverstösse durch andere Nutzer – melden könne. Statt die Öffentlichkeit zu meiden, hätte ich dem Idioten also einen richterlichen Mittelfinger per A-Post zuschicken können.

«Die Persönlichkeitsrechtsverletzung ist eine zivilrechtliche Frage: Es gibt zwar keine strafrechtliche Sanktion, der Beklagte wird aber zur Entfernung des Bildes verpflichtet», so der Anwalt. Und wer gar nachweisen könne, dass er finanziellen Schaden von einem unangemessenen Foto davongetragen hat, dürfe Schadenersatz einfordern. Führe ein Bild ausserdem zu einem immateriellen Schaden, kann eine Genugtuung verlangt werden. Die Möglichkeiten meiner Rache wären unendlich gewesen.

Nur eine Persönlichkeitsrechtsverletzung doch vielmehr eine Ehrverletzung?

Das Motiv eines veröffentlichten Fotos spielt allerdings ebenfalls eine Rolle im Krieg um Social-Media-Güter: «Der Inhalt des Bildes sowie der Kontext der Veröffentlichung üben einen Einfluss auf die Bewertung des Falls aus», sagt Reinle. Sei eine Person also klar erkennbar und werde sie sehr negativ dargestellt, könne eine Ehrverletzung vorliegen. Anders als die Verletzung des Rechts am eigenen Bild, wird diese Art der Schikane auch strafrechtlich sanktioniert und kann somit schwerwiegendere Folgen haben. Vielleicht hätte ich meinem Ex-Bekannten also noch einen, diesmal etwas folgenreicheren Mittelfinger zusenden können.

«Viele Personen sind sich gar nicht bewusst, welche Auswirkungen Fotos auf Social Media haben können», erzählt Reinle. Im schlimmsten Fall lande das Foto auf dem Tisch des zukünftigen Arbeitgebers. Trotz Expertentipps für Notfälle, meide ich künftig handylastiges Blitzlichtgewitter im Club. Ist wohl vernünftiger.


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41 Kommentare

Lösung vor 9 Monate
Aus dem Netz gehen. Ganz einfah
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Juanes vor 10 Monate
Du bist nicht die hellste oder? Vor Jahren hatte ein Kumpel ein blödes Foto auf seinem Profil, ich sagte ihm er solle dies löschen. Er nur nein, dann habe ich ihm gesagt es sei keine Bitte es ist ein Befehl. Er lachte und sagte wieder nein, also gab ich im 3 Sekunden zeit das Bild zu löschen oder es folgt eine Anzeige. Er schaute mich an und realisierte das ich es ernst Meine. Dann war das Bild weg.
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Partymarty vor 10 Monate
"Trotz Expertentipps für Notfälle, meide ich künftig handylastiges Blitzlichtgewitter im Club. Ist wohl vernünftiger." Eine tiefe Einsicht für eine 13-Jährige..! Jetzt gibts noch einen Gratistipp: Meide das Blitzlichtgewitter generell beim Abstürzen... Fotos wie du mit einem Trichter auf dem Kopf eine Bierbong im Park leerst sind auch nicht gerade karrierefördernd... Cheers!
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Ronald vor 10 Monate
"Zuviele Likes, lösche ich nicht" -Sehr gute Begründung meiner Meinung nach. Wer möchte schon mit wenig FB likes leben? Niemand!
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