«Für die Rich Kids von der Goldküste spielt Geld keine Rolle»

Wozu im Büro sitzen oder zur Schule gehen, wenn man überteuerte Schuhe an reiche Hipster verkaufen kann? Wir haben mit einem jungen Zürcher gesprochen, der genau das macht.

Castor ist 25, wohnt in der Nähe von Zürich und arbeitet als Buchhalter in einem kleinen Familienbetrieb. Mit rund 5800 Franken Lohn im Monat würde er eigentlich ganz gut auskommen – wären da nicht die 4-Zimmer-Wohnung in einem Haus direkt am See, das teure Auto und die wochenendliche Champagner-Dusche.

Das alles und noch viel mehr leistet sich der gebürtige Vietnamese durch die Kohle, die er mit seinem Nebenjob verdient. Er handelt im Internet mit streng limitierten und unglaublich teuren Designerstücken, vor allem mit Schuhen. Wir haben mal nachgefragt, wie es sich so lebt als Fashion-Dealer für Rich Kids.

20 Minuten Tilllate: Hallo Castor! Du machst ganz schön viel Geld mit dem Verkauf von teurem Designer-Shit. Was genau verkaufst du?
Castor: Derzeit fast nur limitierte Schuhe und Jeans. Die beliebtesten Labels bei meinen Kunden sind Hosen von «Fear of God» und natürlich Kanye Wests «Yeezy»-Sneakers.

Seit wann machst du das und wie hat alles angefangen?
Mit Klamotten handle ich seit zwei Jahren, mehr oder weniger. Meine ersten Verkäufe waren aber – es tönt jetzt vielleicht komisch – hochgelevelte «World of Warcraft»-Accounts. Ich habe bis zu einem bestimmten Level gespielt und den Zugang dann an Typen vercheckt, die höher einsteigen wollten.

Haha, eh cool! Und wie kam der Wechsel vom WoW-Nerd zu Designerzeugs?
Durch Kollegen. Wir Asiaten sind Business-Typen, meine Cousins machen schon lange in Sneakers und haben mich mit ins Boot geholt.

Woher bekommst du die Ware?
Über Kontakte. Vitamin B ist alles. Ich habe viele Kollegen im Modegrosshandel und im VIP-Management. Durch die komme ich an seltene und gefragte Produkte, die ich oft zu einem Drittel des üblichen Handelspreises bekommen kann.

Und sind die Sachen alles Originale?
Nur weil ich Asiate bin, heisst das nicht, dass ich mit Fakes deale. Bei mir ist alles zu 100 Prozent echt.

Und an wen verkaufst du? Wieso gehen die nicht einfach in einen Laden oder bestellen online?
Ich verkaufe wie gesagt nur sehr limitierte und gefragte Items. Die gibt es entweder gar nicht mehr im normalen Handel oder nur noch sehr schwer zu erstehen. Meine Kunden sind eigentlich die typischen Rich Kids von der Goldküste, da spielt Geld keine Rolle. Für Prestige und Style bezahlen die dann auch mal das Zehnfache. Wie etwa bei den Yeezy Boosts.

Und wie findet man dich?
Es gibt geheime Facebook- und Whatsapp-Gruppen. Die richtigen Leute wissen Bescheid. Alle anderen müssen draussen bleiben.

Also würde ich da nicht reinkommen?
Sorry.
Wow, okay. Wie viel machst du so im Monat?
Das kann ich nicht so genau sagen. Hängt von der Nachfrage ab. Im November waren es nur 7000. Der Dezember läuft weit besser. Weihnachtsgeschäft! (lacht)

Im normalen Alltag arbeitest du als Buchhalter. Hast du das noch nötig?
Ich muss eben meinen Lifestyle finanzieren. Gehe gerne gut Essen und feiern, da kann ein Abend schon ein paar Tausender kosten. Die Arbeit als Buchhalter ist chillig und damit habe ich ein gewisses Grundeinkommen und bin auf der sicheren Seite. Ausserdem gebe ich meiner Familie viel. Meine kleinen Cousinen – sie sind sechs und sieben – sind meine grössten Schätze. Und die kleinen Prinzessinnen haben einen teuren Spielzeug-Geschmack.

Eine letzte Frage noch: Wie legal ist das alles?
Da musst du meinen Anwalt fragen.


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29 Kommentare

News Fakerin vor 3 Monate
Haha, LOL, genau und weil er so ein gute Geschäftsmann ist, will er keine neuen Kunden gewinnen. Darum ist alles so streng Geheim und nur für Inside-Insider! Genau und ich verdiene mit geheimen und uralten WC-Enten so nebenbei 8000.-/Monat, ganz locker, dafür geben ich das Geld auch aus für meine süssen 3 und 5 jährigen tibetisch-mexikanischen Cousins.
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patrick h. vor 3 Monate
Ich bin Asiate darum gilt Klischee A (Business-Typen) Ich bin Asiate aber das heisst nicht Klischee B (Fakes). Spannende Interpretationen... Aber das Schlimmste ist eigentlich, dass er einfach auf Kosten anderer Reich wird. Und nein, damit meine ich nicht die Goldküsten Kids, sondern die "viele Kollegen im Modegrosshandel" - ich würde jetzt mal wetten, ein Arbeiter der seine 42 Stunden im "Modegrosshandel" arbeitet kommt niemals auf so viel Lohn. Er nutzt einfach andere aus. Punkt. Nicht mehr, nicht weniger. Und für was? Champagner Duschen. Ohne Moralapposten spielen zu wollen aber ich bin überzeugt davon, dass er mal auf seinen Lifestyle verzichten könnte um wirklich bedürftigen z.B. in seinem Heimatland, was spenden zu können.
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johnny vor 3 Monate
ja genau... wie dumm sind die Leute eigentlich ?
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Buyer67 vor 3 Monate
Haha, unser Maestro, cool wie er sich chillig gibt und die fett krasse Sprache beherrscht. Letzte Woche wurde er mal wieder von seinen Bossen eingesackt und 2 Tage im Loch versenkt wegen solchen Mist, tja, thats life Little asian, die andern sind eben doch grösser, haha
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