Auf welches Schulfach würdest du am liebsten verzichten?

Eine finnische Schulreform will herkömmliche Unterrichtsfächer nach Stundenplan verbannen und sie durch interaktive Events ersetzen. Wäre das auch etwas für uns Schweizer? Wir haben nachgefragt, welchen Stoff ihr für unnötig haltet.

a2 + b2 = c2 – Wenn du noch weisst, dass diese Formel «Satz von Pythagoras» heisst, sie uns Streckenlängen bei einem rechtwinkligen Dreieck berechnen lässt und du sie nach der Schule jemals in deinem Leben wieder angewendet hast, dann bist du unser Held. Denn seien wir mal ehrlich: Binomische Formeln, der französische Conditionnel und ähnliches Wissen aus unserer Schulzeit sind nicht wirklich in unserem Gedächtnis geblieben. Auch die Standard-Lehrer-Aussage «Das braucht ihr später fürs Leben!» kann uns echt gestohlen bleiben.

Beat Zemp, Präsident des Schweizerischen Lehrerverbandes, sieht das anders. Er meint :«Unser Gehirn vergisst gar nichts! Dieser vermeintlich vergessene Stoff kann wieder aktiviert werden, wenn man ihn braucht.»

Bye, Mathe, bye!

Auch wenn der Stoff wieder aktiviert werden kann, Finnland setzt auf ein neues Lehrkonzept und lanciert eine Schulreform, wie 20 Minuten berichtet. Ab 2020 sollen dadurch herkömmliche Fächer wie Mathematik, Literatur, Geografie oder Geschichte nicht mehr in einzelnen, konzentrierten Unterrichtseinheiten vermittelt werden, wie wir sie normalerweise kennen, sondern als interdisziplinäre Events.

Der Zweite Weltkrieg soll so beispielsweise aus geschichtlichen, geographischen und mathematischen Blickwinkeln betrachtet und bearbeitet werden. In einer anderen Schulung namens «Arbeiten in einem Café» konzentriert man sich auf Skills in Englisch, Wirtschaft und Kommunikation. Grund für diese Reform? «Die Bedürfnisse haben sich geändert. Das System muss dem 21. Jahrhundert angepasst werden.» Sagen zumindest die finnischen Verantwortlichen.

Wie siehst du das?

Ob eine solche Reform in der Schweiz eingeführt werden könnte und ob sie Erfolg hätte, darüber scheiden sich die Experten-Geister. Doch welche Fächer würden Schweizer Schülerinnen und Schüler gerne von ihrem Stundeplan streichen und warum? Nachdem wir ein bisschen rumgefragt haben, stellen wir fest: Es gibt vor allem ein Schulfach, das den Unmut vieler Lernender erregt. Ganz klar und wenig überraschend ist das der Klassiker Mathematik. Vor allem für das spätere Leben attestieren viele der Befragten dem verhassten Zahlen- und Formel-Chaos keine Notwendigkeit. Die 24-jährige Selina gesteht uns beispielsweise: «Ich habe alle Matheformeln vergessen.»

Egal, wen wir gefragt haben - ob Schüler oder Erwachsene (die ja bekanntlich auch mal die Schulbank gedrückt haben) - ein Grossteil spricht sich dafür aus, dass das Zahlenfach weniger vertieft behandelt werden sollte. Zudem sollten Sprachen nicht nur ein reines Abfragen von Vokabeln sein. Vor allem wünschen sich die Befragten aber lebensnahe und praktische Themen für den Alltag. Wie macht man eine Steuererklärung? Welche Versicherungen brauche ich? Und wie verhalte ich mich beim Bewerbungsgespräch richtig? Dies bestätigt uns auch Lorenz, 22 Jahre: «Das wäre in meiner Schulzeit nützlicher gewesen.»

Für Lehrerverband-Präsident Zemp ist es dennoch wichtig, dass sich junge Menschen Basiswissen aus möglichst vielen Bereichen aneignen. «Ohne grundlegende Kompetenzen geht es nun mal nicht: Richtig rechnen und logisch denken können, gutes Textverständnis  zu haben und sich schriftlich und mündlich verständlich ausdrücken zu können, gehören ebenso dazu wie Informationen zu suchen, verarbeiten und präsentieren zu können», erklärt er uns.

Welche Methode sich letztendlich durchsetzen kann, wird die Zeit zeigen. Aber sicher ist, dass sich Schweizer Schülerinnen und Schüler wohl nicht so bald von ungeliebten Matheaufgaben verabschieden können. In der Bildstrecke oben siehst du übrigens, welche anderen Fächer nicht gerade Bestnoten bekommen.


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37 Kommentare

Joe vor 7 Monate
Turnen! Als ungelenker Fettsack war die Turnstunde eine Kwal! Einer der vielen Gründe meiner Abwärtsspirale. Schlimm am Turnen war auch, dass sich alle anderen gefreut haben.
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Lisa vor 7 Monate
Abgesehen von Lesen und Schreiben, so wie Rechnen, habe ich in der Schule nichts gelernt. Kann mich jedenfalls an nichts erinnern was ich von dort noch wüsste. Alles was ich weiss, habe ich mir selbst beigebracht. Von daher könnte man von mir aus in der Schule ausser Deutsch und Mathematik alles streichen.
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Antwort von Joe vor 7 Monate
Also geschichte ist schon interessant. Man versteht die eigene zeit besser und wenn man einen guten gesamtüberblick hat trägt die geschichte auch zur geistigen weite bei.
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Antwort von Lisa vor 7 Monate
ja, ja, das ist sogar sehr interessant. Nur was fange ich jetzt heute mit meinem Wissen über die Römer an? Ich kauf mir vielleicht mal wieder einen Römersalat aber das wars auch schon. Rütlischwur? Okay, daran erinnert mich aber auch die Presse jedes Jahr pünktlich zum 1. August. Das selbe gilt für Geografie. Ein tolles Fach, wo ich wie bei Geschichte nur Bestnoten hatte. Aber was bringt mir das heute im Alltag. Ich finde meistens wieder nach Hause wenn ich nicht zu sehr betrunken bin aber die "my Home" Funktion von meinem Fussgängernavi erledigt den Job ohne meine Geographiekenntnisse auch. Was ich heute über die Welt weiss, hat mir ehrlich gesagt vor allem der Fernseher beigebracht und da meine ich nicht die neuen deutschen Trash Sender sondern schon das ernsthafte Bildungs TV. Und früher haben mich meine Lehrer dafür gehasst, dass ich dann immer mehr wusste als sie in diesen Fächern. Aber rückblickend ist Lesen und Rechnen wirklich das einzige was mir etwas gebracht hat und alles andere was ich heute weiss beruht nur auf diesen beiden Fächern. Damit kann man sich jegliches Wissen selbst aneignen, welches man haben möchte. So habe ich das gemeint.
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