Keine Angst vor Schwuchteln, Schlampen und Pussys

Wenn politische Korrektheit nicht zu den gewünschten Ergebnissen führt, sollte man vielleicht einen anderen Approach wagen, findet unser Autor. Positive Konnotation statt gezwungener Selbstzensur.

 

Hallo, ich bin eine Schwuchtel. Und ich weiss leider recht genau, wie viel Macht Worte haben und wie viel Druck sie ausüben können. Als wohl einziger geouteter und schon immer eher flamboyanter Teenie-Schwuler in einem kleinen, erzkatholischen Dorf in Oberösterreich aufzuwachsen, war kein Zuckerschlecken. Not gonna lie.

Schon ziemlich bald hatte ich aber herausgefunden, dass die Beleidigungen und Attacken aufhörten, wenn ich mich – anstatt mich weinend zuhause zu verstecken – noch mehr exponierte und quasi meine Not zur Tugend machte.

Mit Luftkuss und Schulterzucken


Ich nahm all meinen Mut zusammen und ging in der Rolle des schillernden Paradiesvogels voll auf. Liess die bösen Worte an meinem Panzer aus Glitzer, Glamour und bösartiger Bitchyness (danke an dieser Stelle an Serien wie «Melrose Place» und «Reich & Schön») einfach an mir abprallen. Den homophoben Blödmännern mit hässlichen Sportschuhen war schneller der Wind aus den Segeln genommen, als ihnen neue, wenig kreative Ideen einfallen konnten, mich zu quälen. Die gelegentlichen, uninspirierten «Schwuchtel!»-Rufe beantwortete ich mit Luftkuss und Schulterzucken.

Ich habe gelernt, mich selbst nicht mehr vor der Welt – und damit vor mir selber – zu verstecken und zu schämen. In manchen Situationen ist Angriff eben immer noch die beste Verteidigung. Damit halte ich es auch heute noch und bin bis jetzt ganz gut damit gefahren – obwohl ich meine Persönlichkeit, meine Identität nicht auf meiner Sexualität aufbaue, die nur ein kleiner Teil von mir ist.

Die Rechte der Andersdenkenden


Ich bin mehr als nur ein Homo, der auf Schwänze steht – das definiert mich nicht. Wenn mich gewisse Menschen jedoch genau darauf zu reduzieren versuchen, dann bitte. Halte es da eben wie Madonna: «Wenn ich auf die Knie gehe, dann nicht um zu beten.»

Das Ganze ist gar nicht so eine grosse Sache, wenn man mal darüber nachdenkt. Dass wir heute noch über Begrifflichkeiten diskutieren müssen – absurd. Das hat auch nichts mit militantem Gutmenschentum zu tun oder Political Correctness. Der deutsche Journalist Wau Holland hat mal gesagt: «Wir müssen die Rechte der Andersdenkenden selbst dann beachten, wenn sie Idioten oder schädlich sind. Wir müssen aufpassen. Wachsamkeit ist der Preis der Freiheit – nicht Zensur.»

Gegen die Angst der Welt


Genau das! Indem wir versuchen, Begriffe zu tabuisieren und zu verbieten, zensieren wir nicht nur die Menschen, die gegen uns schiessen – sondern vor allem auch uns selbst. Viel effektiver, als beleidigt Zeter und Mordio zu schreien, wäre es doch einfach mal die Feinde mit ihren eigenen Waffen zu schlagen. Sprache wächst und befindet sich in stetigem Wandel mit Zeit und Gesellschaft. Wir alle können sie mitprägen, im Hier und Jetzt.

Wir Schwuchteln, Fetten, Huren, Schlampen, Behinderten, Pussys haben die Macht, «böse» Worte zu «unseren» Worten zu machen und sowohl und selbst, als auch dem Rest der Welt die Angst vor uns zu nehmen, anstatt uns abzugrenzen und (sprachlich) unnahbar oder verboten zu machen. Dafür müssen wir nur laut genug sein.


48 Kommentare

Peter vor 3 Monate
Ich als bi leben im Paradies. Aber besseren Sex als mit einem Mann oder einer Gruppe von Männern gibt es nixht. Frauen sind zu solchen Sachen nixht zu haben. Grad am Samstag hatte ich eine Party bei mir mit 8 Typen und jeder hat mich ....... ein Traum
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Eulenspiegel vor 3 Monate
Nichts gegen Paradiesvögel - um einen Hetero-Familienvater in meinem Bekanntenkreis zu zitieren: "Ich gehe doch nicht auf einen CSD, um da komplett normale langweilige Leute zu sehen. Dann könnte ich ja auch zu einer Gewerkschaftsrede gehen". Es ist auch gut zu sehen, wenn man sich etwas Paradiesvogelhaftiger gibt, wie dann auch Heteros auftauen und selber bunter werden, weil sie sich nicht mehr so in eine eingebildete Zwangsjacke stecken müssen.
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Conan vor 3 Monate
da kommt bei mir der Brechreiz auf, wenn ich diese Figuren sehe. Die ganze Welt wird nur noch schwul scheint es.
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Mama vor 3 Monate
ich schäme mich regelrecht sowas meinen Kindern erklären zu müssen.
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