Ich habe den neusten Dating-Trend getestet

Selbstliebe wird zurzeit heiss diskutiert. Unsere selbstkritische Autorin hat deshalb ausprobiert, wie es sich anfühlt, sich eine Woche lang selbst zu daten.

Alleine ins Kino gehen, sich zum Abendessen ausführen oder den Gammelsonntag ohne Freund auf der Couch verbringen: Radikale Selbstliebe und «Self-Dating» sind Themen, die momentan auf gefühlt jeder Plattform thematisiert werden. Menschen, die intensiv Zeit alleine verbringen, sollen selbstbewusster und glücklicher sein und klar – sich besser akzeptieren können. Als Mensch, der jahrelang mit Selbsthass, Depressionen und geringem Selbstbewusstsein zu kämpfen hatte, schüchtert mich dieser Trend etwas ein – und genau deswegen habe ich ihn eine Woche lang ausprobiert.

Es ist Dienstagabend, müde vom Arbeitstag stehe ich zwischen glitzernden Seifen, die so stark riechen, dass es mir die Nasenhaare wegätzt. Um mich herum lauter krampfhaft freundliche Verkäuferinnen: Ich will eine Badekugel kaufen, denn heute ist der erste Abend meiner neuen «Self-Love-Routine». Zuhause angekommen lasse ich mir ein Schaumbad ein und ziehe das volle Programm durch: Kerzen, Wein, Buch. Eine Stunde, zwei Gesichtsmasken und zehn verschrumpelte Finger später falle ich glücklich in mein Bett.

Kinogeknutsche und peinliche Dinner-Dates

Nach dem entspannten Spa-Abend brauche ich etwas, das mich herausfordert. Kennst du diese traurigen Gestalten, die einsam im Kinosaal sitzen, um sich eine Schnulze reinzuziehen und dabei in ihr Popcorn heulen? Heute, an diesem Mittwochabend, bin ich das. Allerdings gucke ich «Es», sitze nicht nur mit Popcorn, sondern auch mit zwei Flaschen Bier da – und habe verdammt viel Spass. Niemand, der mich alle fünf Minuten mit Fragen löchert oder meine Snacks wegfuttert. Einsam fühle ich mich nicht mal, als das Pärchen neben mir in wildes Geknutsche ausbricht. Win.

So schwierig und unangenehm wie ich mir das Selbst-Dating vorgestellt hatte, ist es bisher nicht. Deswegen schleppe ich meinen sozialphobischen Arsch am nächsten Abend zur ultimativen Challenge: Ich gehe essen. Alleine. Ohne mein Handy alle zwei Sekunden zu checken. Als ich in der Ecke meines ausgewählten Restaurants Platz nehme, sind meine Hosen voll. Die Mädels, die sich an den Tisch neben mir setzen, starren mich unentwegt an – wahrscheinlich denken sie, ich wurde sitzengelassen. Die Situation ist mir verdammt unangenehm, irgendwie ist mir plötzlich alles peinlich. Ich bleibe trotzdem sitzen, verdrücke hastig meine Kürbisgnocchi, schmeisse mein Geld samt Rechnung auf den Tisch und flüchte.

Bett, Katze, Netflix

Um meine Nerven zu beruhigen, gehe ich am nächsten Tag spazieren, kaufe mir einen bunten Blumenstrauss und lade mich auf ein Kaffeedate ein. Während ich meinen Macchiato trinke, wird mir klar, worum es bei diesem Selbstliebe-Hype wirklich geht: Erfüllen wir unsere eigenen Erwartungen nicht, werten wir uns innerlich ab – mal ist es die Stimme im Kopf, die uns als totaler Versager abstempelt, mal bestrafen wir uns aktiv, indem wir uns nicht das geben, was unser Körper oder Geist gerade braucht: Ein grosses Stück Kuchen, ein zehnstündiges Nap, eine Umarmung oder unser Lieblingsessen. Diese Dates mit uns selbst schaffen Raum, damit wir uns um uns selbst kümmern können. Dadurch signalisieren wir uns, wie wichtig das eigene Wohlbefinden ist.

Den Sonntag beginne ich so, wie ich ihn später auch beende: Im Bett, zusammen mit meiner Katze und der neuen Staffel «American Horror Story». Lazy Sunday geht eben auch gut alleine. Und genau das haben mir die letzten Tage gezeigt: Auch, wenn ich durch meine Dates kein neuer Mensch geworden bin, der vor Selbstliebe und Selbstbewusstsein platzt, weiss ich umso mehr, dass mein Wert und Wohlbefinden nicht von anderen abhängig sein sollte – sondern davon, wie ich mich selbst behandle. Denn die wichtigste Beziehung, die wir jemals haben werden, ist die zu uns selbst – so kitschig sich das auch anhören mag. 


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30 Kommentare

Chris vor 4 Tagen
Das geht als Frau, weil man weiss, dass man sich jederzeit zu jeder Tages- und Nachtzeit ficken lassen kann, wenn einem danach ist. Eine Whatsapp-Nachricht genügt. Für heterosexuelle Männer sind die Chancen ungleich schlechter verteilt. "Dä Foifer und s Weggli" gibt es für die wenigsten Männer. "Selbstliebe" ist nur ein schöneres Wort für "Egoismus".
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Zombie vor 6 Tagen
BEI ZEUUUSSSSS NOFRETETTE UND ALLE ANDEREN GOETTINNEN DES PLANETEN VENUS, diese Dame ist fantastisch!! Hehe Sie könnte glatt meine Tochter sein 😃!!! Was für einen super Geschmack Sie doch bloss hat, alleine den neuen ES Film angugen gehen und dabei Popcorn futtern und es sich gut gehen lassen hehehe einfach Klasse für ihre Gesundheit und Wohlbefinden!! Danach am Sonntag eine meiner Lieblingsserien American Horror Story zu gugen yeaaaa nur pass bitte auf, dass sich dabei deine Katze nicht erschreckt 😃!!! Diese Dame hat nur Recht und dieser Artikel beruht auf eine Sache, die ich schon bei einem anderen Artikel versucht habe zu erklären und zwar, das man als erstes sich selbst akzeptiert und lieben muss, bevor man andere auch lieben kann, das ist nur richtig so! Ob dann bei der Dame auch einmal eine Partnerschaft ankommen wird oder nicht, darauf kommt das erst aufs Zweite raus und ist in diesem Sinne ihr selbst überlassen!! Bei uns Italos gibt es einen uralten Spruch : Meglio solo che male accompagniato - Lieber allein statt in schlechter Begleitung, denn weiss der Himmel was diese Dame vorher mit anderen zusammen alles erlebt und durchgemacht hatte und sich deswegen Mal eine sogenannte " Auszeit " gönnen will!! Und das ist absolut richtig, ich bin stolz auf Sie und widme ihr noch meine lieblings Titelsequenz von American Zombie Story....ne Verzeihung, meinte von American Horror Story hehehe😃 und wünsche Ihr alles Gute und alles was Sie sich vorgenommen hat, soll ihr wohl bekommen sein!!! Besten Dank für die Aufmerksamkeit, euer Horrorclownjoker Zombie 😃 😃!!!!!
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Antwort von Haraldo vor 5 Tagen
Jaa, schrieb no me...
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Also sowas aber auch vor 6 Tagen
Der Rahmen den man sich da setzt ist sinn frei. Sich selbst lieben kann man auch anders.
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