Mein erstes und letztes Mal im Sexkino

Wer geht in Zeiten von Pornhub und Youporn eigentlich noch ins Erotikkino? Unser Redaktor hat sich vor Ort ein Bild gemacht.

Ein eher unscheinbares Gebäude beherbergt das Sexkino Sternen in Oerlikon, an dem ich fast täglich auf meinem Weg zur Arbeit vorbeilaufe. Am auffälligsten ist eine Art Ausbuchtung an der Front, die innen drin der Leinwand im grösseren der beiden Kinosäle Platz bietet. Das weiss ich, weil ich mal gegoogelt habe und anscheinend vor ein paar Jahren die Besitzer das ganze Ding abreissen wollten, aber dann mit der Stadtverwaltung Beef hatten. Irgendwas mit Denkmalschutz oder so.

Ist der Ruf erst ruiniert...

Mir eigentlich egal. Was mich viel mehr interessiert: Wer geht da rein? Und was passiert da drin? Und überhaupt – wer bezahlt noch für Pornos? Ein bisschen Recherche in einschlägigen Foren lässt mich neugierig werden. Ich lese da von geiler Kabinen-Action mit Paaren, Analverkehr in den hintersten Sitzreihen und «geilen strammen» Transen.

Perfektes Programm eigentlich für einen Mittwochabend, denk ich mir. Paar Minuten später stehe ich tatsächlich schon vor dem Eingang. Ein bisschen schäme ich mich, als eine ältere Dame vorbeigeht und mich missbilligend mustert, als ich gerade die Tür öffnen will. Aber eigentlich: Was solls? Ist der Ruf erst ruiniert...

Ich betrete eine kleine Empfangshalle mit Tischchen, einer Ecke voller Porno-DVDs und dem Kassenhäuschen. Dahinter sitzt eine sympathische junge Dame, die mich zwar freundlich aber gelangweilt grüsst. Obwohl ich weiss, dass es wohl ziemlich egal ist, stelle ich mich vor und betone extra, dass ich als Journalist nur mal ein bisschen Recherche betreiben will. Sie solle mich bloss nicht mit all den anderen Notgeilen in eine Schmuddelecke stellen.

Schleimige Taschentücher, viele Schwule und ältere Herren

Ziemlich unbeeindruckt knöpft sie mir 15 Franken ab und wünscht viel Spass. Aber nicht so schnell! «Wie funktioniert das denn hier eigentlich genau?», will ich wissen. Nun ja, es gäbe zwei Säle und die Kabinen und ausserdem noch ein Glory Hole und ja das wars dann eigentlich, wird mir erklärt. So leicht lasse ich mich aber nicht abwimmeln und belästige Sandra*, 28, noch eine gute Viertelstunde mit weiteren, höchst investigativen Fragen, die sie ruhig über sich ergehen lässt.

Ich kann jetzt supergut mit Fun Facts um mich werfen. Zum Beispiel weiss ich, dass die Mitarbeiter den Grossteil der Reinigungsarbeiten am Ende des Tages selbst erledigen. Diverse Körperflüssigkeiten und schleimige Taschentücher müssen beseitigt werden. Gehört eben auch zum Job dazu. Die meisten Kunden kommen untertags und am Wochenende – vorwiegend ältere Herren.

Damit beantwortet sich auch gleich die grosse Frage, wer denn heutzutage überhaupt noch ins Kino geht, um sich Sexfilmchen reinzuziehen. Die Opis sind es, für die das Internet noch böses Teufelszeugs ist. Ausserdem relativ viele Schwule, die sich dann beim Glory Hole vergnügen. Prostituierte sind offiziell nicht willkommen, richtig kontrollieren könne man das aber natürlich nicht immer.

(Leider) Kein Sodom und Gomorrha

Derart vollgepackt mit Hintergrundtrivia bin ich jetzt bereit, mich ins Getümmel zu stürzen und gehe festen Schrittes die Treppen nach oben – vorbereitet auf ein Sodom und Gomorrha. Das ekstatische Stöhnen, das mir vielversprechend entgegenkommt, erweckt grosse Erwartungen. Bis ich dann bemerke, dass diese orgiastischen Schreie aus den Lautsprechern kommen und zu den Filmen gehören, die über die Leinwände flimmern.

Kein öffentlicher Gruppensex, keine Drag Queens mit Megapimmel, nichts. Ausser mir sind nur zwei andere Herren hier. Ein grau-melierter Geschäftsmann, der – seiner Hosenausbuchtung zufolge – die Filmszene (eine Frau wird von mehreren Typen gesichtsbesamt) sehr anregend findet. Und ein etwa 200 Jahre alter Opi, der mich fröhlich anlächelt und mir Thumbs up gibt. Wie lieb!

Französische Kunstfilme für die Mama

Ich drehe meine Runde, viel zu entdecken gibt es nicht. Also zurück in den grösseren der beiden Filmsäle. «Wenn ich schonmal hier bin...», denke ich und mache mich ans Werk. Habe immerhin bezahlt! Aber so wirklich funktionieren will es nicht. Der Film ist ziemlich mies und ausserdem kann man nicht zu den besten Stellen skippen. Wer schaut sich schon einen Porno von vorne bis hinten zu Ende an? Ich stehe auf, packe ein, gehe Richtung Ausgang.

Der nette Opa fasst mir beim Vorbeigehen zum Abschied in den Schritt. Mein schlechtes Gewissen ist stark, als ich seine Hand sanft wegschiebe. Er tut mir leid. Ich hoffe, ich muss in seinem Alter meine Adventszeit nicht alleine hier verbringen und fremden Typen an den Schwanz fassen. Beim Rauseilen winke ich meiner neuen Freundin Sandra nochmal zu. Als ich auf mein Telefon schaue, sehe ich drei verpasste Anrufe meiner Mutter. Sie hat heute Geburtstag. Ich werde ihr sagen, ich hätte einen französischen Kunstfilm gesehen.


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46 Kommentare

Nein ich scherze nicht!!! vor 30 Tagen
Hilfe, ich toleriere, akzeptiere und befürworte homosex, nur habe ich selbst meine eigene homoseite noch nicht entdeckt. Berichte wie obiger zeigen mir immer wieder, wie allgegenwärtig homosexualität und transsexualität ist. Darum fühle ich mich als nur hetero sexuell isoliert und möchte gern mindestens bi werden. Wer kann mir helfen, meine homosexualität zu finden und sie leben? Ich komme mir immer mehr vor wie altes nazischwein mit meiner einseitigen heterosexualität.
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Bidu vor 1 Monat
Dem Opi sein letztes Weihnachten nachdem er mir in den Schritt gegriffen hätte...aber 100%
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Antwort von vor 1 Monat
Und du dafür lebenslänglich im Knast
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Antwort von Thomas vor 1 Monat
Bidu,was ist dein Problem?Diese Opis sind sehr lieb,bezahlen gut,benutzen Gleitcreme.Ich hatte schon mehrmals meinen Spass mit Daddys inkl. Frühstück.
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