Ein Tag zwischen Dildos und Gummi-Mumus

Hast du dich je gefragt, wie die Spielzeuge, die du dir online bestellst, den Weg zu dir nach Hause finden? Wir haben es bei einem Schnuppertag im Sextoy-Versand herausgefunden.

«Kennst du diese Anti-Stress-Bälle, die manche Leute im Büro haben?», fragt mich Alan Frei, einer von zwei Gründern des Sextoy-Versands Amorana und mein heutiger Chef. «Wir haben Anti-Stress-Dildos.» Tatsächlich sieht der Büro-Alltag hier etwas anders aus. Diskussionen über Anal-Plugs gehören zum Daily Business, ein 30-Zentimeter-Vibrator überrascht niemanden und eben: Wenn du dich mal aufregst, knetest du nicht an einem Gummiball sondern an einem künstlichen Dödel rum.

Um am eigenen Leib zu erfahren, wie es in einem Online-Sextoy-Handel zu und her geht, absolviere ich hier einen Schnuppertag zwischen Dessous, künstlichen Vaginas und anderem Spielzeug, das ich früher noch vor Mama hätte verstecken müssen.

Geformt nach der Vagina eines Pornostars

Meine erste Station ist das Lager. Der Abteilungsleiter drückt mir eine Liste in die Hand, die mir genau zeigt, welche Produkte ich für die heutigen Bestellungen raussuchen muss. Momentan herrscht hier normaler Betrieb – vor Kurzem war noch die Hölle los: Um Valentinstag bestellen die Schweizer offenbar besonders fleissig. Kurz vor Weihnachten sei ebenfalls Rush Hour im Sextoy-Geschäft und – etwas überraschender – um Ostern steht bereits die nächste stressige Phase an.

Statt der zehn Minuten, die ein geübter Mitarbeiter für eine sogenannte Picking-Runde braucht, verbringe ich über eine halbe Stunde zwischen den Regalen. Nicht unbedingt weil ich unfähig wäre, sondern weil unsere Kamerafrau Valentina und ich immer wieder Pausen einlegen, um die Toys genauer unter die Lupe zu nehmen. Wir begegnen Dildos, die grösser sind als mein Oberschenkel; Penispumpen, in die ich mein Gemächt für kein Geld der Welt stecken würde und Gummi-Mumus geformt nach der Vagina von Pornostars – eine davon zählte vor einigen Jahren zu meinen eigenen Favoritinnen.

Ich widerstehe der Versuchung, das Dillion-Harper-Fleshlight heimlich in meinem Rucksack zu verstauen und fasse meinen nächsten Auftrag. Vor allem das Geschenkeverpacken liegt mir überhaupt nicht. Schon zu Weihnachten erkennt meine Familie stets, welche Päckli von mir stammen, weil ich schlichtweg kein Talent dafür habe. Auch hier wird meine Interpretation des Sextoy-Präsents eher kritisch beäugt.

Wann darf man ein Toy zurückschicken?

Unseren besonderen Respekt verdient Patrick, der sich heute um die Retouren kümmert. Mit Argusaugen untersucht er all die Produkte, die von Kunden zurückgeschickt werden. Häufig handelt es sich um defekte Geräte, die ohne weitere Fragen ersetzt werden.

Andere Begründungen sind nicht ganz so plausibel: «Neulich hat uns jemand ein Produkt zurückgeschickt, weil es zu laut war – seine Nachbarn hätten sich über den Lärm beschwert», erzählt Patrick. Und genau an meinem Schnuppertag erhält er ein Spielzeug für Pärchen zurück mit der rührenden Mitteilung, dass die Kunden soeben von ihrem Freund verlassen wurde und somit nicht mehr viel damit anfangen kann. Auch hier zeigt sich der Sextoy-Versand kulant. Das Hygienesiegel ist unbeschädigt, woran Patrick erkennt, dass der Artikel noch nicht benutzt wurde, also darf er es zurücknehmen.

Bisher sei das Glück auf seiner Seite gewesen, sagt Patrick: «Etwas richtig Ekelhaftes musste ich noch nie auspacken, ich habe aber schon ganz andere Geschichten gehört.» Seine Kollegen berichten von Spermaflecken, Haaren und anderen Rückständen auf retournierten Produkten.

Weg vom Schmuddel-Image

Den Nachmittag verbringe ich mit Amorana-Oberhaupt Alan Frei im Büro. Hier wird unter anderem das anstehende Jubiläum geplant – es gibt Goodie Bags für die Gäste –, Reklamationen am Kundendienst entgegengenommen und entschieden, welche Spielzeuge neu ins Sortiment genommen werden. Später halten wir ein kleines Marketing-Meeting ab: Brainstorming für eine Guerilla-Kampagne. Man könnte meinen, den Leuten Orgasmus-Helfer anzudrehen, sei kein Problem, hier wird aber viel Wert darauf gelegt, das früher schmuddelige Image des Sextoy-Markts auszuhebeln. Eine Kunst für sich.

Mit meiner Leistung als Schnupperlehrling ist der Chef zufrieden. «Bis auf die Geschenke – die müssen wir wohl nochmals neu machen», scherzt er. «Aber du dürftest gerne Teilzeit hier arbeiten.»

Video von Valentina Sproge.


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21 Kommentare

Gayboy vor 4 Monate
ich kauf mir immer wieder eine Grösse grösser damit mein Partner mehr Spass mit der Faust hat.
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Antwort
Antwort von vor 4 Monate
Too much information dude
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Antwort
loner vor 4 Monate
Neutrale Pakete, ja. Aber zu oft kommen sie beschädigt an und offenbaren den Inhalt jedem, der es sehen möchte. Darum kann ich nicht online bestellen. Schade.
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MArtin vor 4 Monate
Neutrale Pakete, aber der Postbote kennt die Absender und weiss genau was drin ist .... muhahahaha.
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Antwort
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