«Siri macht mich geil»

Sex mit Siri – ein Viertel der Nutzer träumt von Sex mit virtuellen Sprachassistenten. Das sei aber unbedenklich, erklärt uns ein Experte.

Als der Film «Her» vor dreieinhalb Jahren erschien, wirkte die Handlung wie Zukunftsmusik: Ein Typ besorgt sich ein sprechendes Betriebssystem, das von alleine lernt, wächst und sogar einen Charakter entwickelt. Siri auf Steroiden sozusagen. Der Protagonist verknallt sich Hals über Kopf in seine digitale Assistentin. Das kann nur Science-Fiction sein, oder? Falsch gedacht, denn sogenannte «Technosexuelle» fühlen sich von den virtuellen Assistenten angetörnt.

«Siri macht mich geil!», erklärt uns Marc*, ein 22-jähriger Student aus Bern. «Ich kann gar nicht genau sagen, woher das kommt, aber wenn ich mit Siri rede und sie immer gleich auf alles antwortet und mir meine Wünsche erfüllt – dann fühle ich mich dominant und irgendwie törnt mich das an», sagt er.

Sexuelle Fantasien mit Siri und Alexa

Der britischen Studie «SpeakEasy» zufolge ist Marc nicht alleine. Mit Umfragen, Feldforschung und Neuroexperimenten widmeten sich Forscher dem Potential von Sprachtechnologien. Nebenbei untersuchten sie aber auch die Beziehung, die Menschen zu Apples Siri, Amazons Alexa oder Google Home entwickeln, wenn sie die Dienste der digitalen Diener regelmässig nutzen. Und die geht um einiges tiefer, als man im ersten Moment erwarten würde.

Unter dem Titel «Intimität begehren» schreiben die Wissenschaftler: «Über ein Drittel (37%) der Nutzer liebt ihren Assistenten so sehr, dass sie sich wünschen, er wäre ein echter Mensch.» Und es kommt noch härter: «Über ein Viertel der regelmässigen Nutzer sagen, dass sie bereits sexuelle Fantasien mit ihrem Sprachassistenten hatten».

«Das ist absolut unbedenklich»

Dem Sexualtherapeuten Werner Huwiler sind bisher noch keine solchen Fälle begegnet, aber er kann sich das Phänomen gut erklären: «Das ist vorstellbar. Schliesslich können sexuelle Fantasien über unsere Sinnesorgane angeregt werden», erklärt der in Zürich arbeitende Experte. «Dies gibt es ja relativ oft, wenn beispielsweise Menschen eine Stimme von einer Schauspielerin oder einem Schauspieler hören und dadurch sexuelle Fantasien getriggert werden.»

Bedenklich sei dies nicht, erklärt Huwiler. «Sexuelle Fantasien sind unproblematisch und dürfen wann immer möglich genossen werden», sagt er. «Ein Therapeut ist dann angebracht, wenn einem die sexuellen Fantasien Probleme bereiten und zum Beispiel Ängste oder Beziehungsprobleme hervorrufen.»

Roboter sind kein Ersatz für Menschen

Dass Algorithmen Liebe in uns hervorrufen können, so wie das im Film «Her» der Fall ist, ist gut vorstellbar. Und auch wenn das einigen ein süffisantes Lächeln auf die Lippen zaubert – Marc fühlt sich nicht lächerlich, wenn ihn Siri etwas geil macht. Aber er wünscht sich auch nicht, mit einem Roboter Sex zu haben. «Es törnt mich halt an, aber viel mehr ist da nicht dabei», sagt er. Und der Sexualtherapeut bestätigt: «Es kann die Lustbefriedigung unterstützen, aber keine realen Beziehungen ersetzen».

Bevor du dich also zuhause eingräbst und einen flotten Dreier mit Siri und Alexa planst – geh doch lieber raus und besorg dir ein paar echte Menschen. Denn Kuscheln können die virtuellen Assistenten (noch?) nicht.


Kommentar schreiben

21 Kommentare

Michael vor 4 Monate
Also Cortana ist noch ein Level höher. Das erklärt auch warum sie nicht erwähnt wird. Sie hat ja schließlich noch einen schönen Körper 😉
0
0
Antwort
Livi vor 4 Monate
ich werde geil von meinem dildo. bin ich auch technosexuell??
10
1
Antwort
Antwort von J.B vor 4 Monate
wenn du davon geiler wirst wie von einem echten Penis - möglicherweise 😛
0
0
Antwort
DMK vor 4 Monate
Geil durch die Stimme von Siri? LOL. Egal. Schadet ja niemanden. Ich gönne jedem und jeder seinen/ihren Spass. Krank finde ich sowas nicht, auch wenn ich es nicht nachvollziehen kann. Muss man auch nicht. Die menschliche Sexualität kennt eben viele Spielarten. Alles ok. Krank, abartig und pervers ist es nur, wenn jemand zu Schaden kommt oder Kinder involviert sind.
19
0
Antwort
Soll Spotify Nazi-Musik sperren?

Soll Spotify Nazi-Musik sperren?

2500 Franken für eine einzige Büroklammer

2500 Franken für eine einzige Büroklammer

Was Frauen tun würden, wenn sie Männer wären

Was Frauen tun würden, wenn sie Männer wären

«Orphan Black»: Wie realistisch ist menschliches Klonen?

«Orphan Black»: Wie realistisch ist menschliches Klonen?