Menschliches Elend ist ihr Geschäft

Die Stringer von Los Angeles sind Sensationsreporter auf der Suche nach blutigen Unfällen, grauenvollen Verbrechen und den Abgründen der Menschlichkeit. Eine neue Doku lässt sie uns begleiten.

«Ich filme das Elend der Menschen. Ich dokumentiere die schlimmsten Momente ihres Lebens», beschreibt Howard Raishbrook seine Arbeit. Gemeinsam mit seinen Brüdern ist er einer der Stars von «Shot in the Dark». Die Netflix-Eigenproduktion schliesst nahtlos an den True-Crime-Trend der letzten Jahre an.

Ganz neue Perspektiven

Durch ein in dieser Form noch nie dagewesenes Konzept muss sich die Show, die Sensationsreporter – sogenannte Stringer – bei ihrer Jagd nach den Schrecken der Nacht und hochdramatischem Videomaterial zeigt, neben Genre-Hits wie «Making a Murderer» oder «The Keepers» nicht verstecken.

Aus nächster Nähe begleiten wir die Raishbrook-Brüder und deren Kollegen (und gleichzeitig Konkurrenten) durch das nächtliche Los Angeles. Während andere Dokus die Zuschauer meist aus der Perspektive der Opfer, der Täter oder der Ermittler teilhaben lassen, widmet sich «Shot in the Dark» den Blicken und Eindrücken von Randfiguren.

Das menschliche Elend

In diesem Fall sind die Randfiguren Journalisten, deren einziger Job es ist, möglichst als Erste – bestenfalls sogar noch vor Eintreffen der Einsatz- und Rettungskräfte – den Horror und das Unglück der Stadt einzufangen. Ob brutal verstümmelte Mordopfer, verbrannte Leichen nach einem Hausbrand oder abgetrennte Körperteile nach schrecklichen Autounfällen – die Stringer und ihre Kameras sind vor Ort.

Grosse TV-Stationen kaufen die dramatischsten Bilder für ihre News-Sendungen – und zahlen richtig gutes Geld für gute Aufnahmen. Je extremer, umso besser. Aber der Kampf ist hart und die Konkurrenz schläft nicht. Wer zu spät kommt, hat Pech gehabt. Zeit für Anteilnahme und Menschlichkeit bleibt in diesem Job kaum. In einem Job, der allein durch das Elend anderer Menschen existiert.

Ohne Rücksicht und Mitgefühl

«Ich würde viel lieber die Unschuld und Freude einer glücklichen Kindheit dokumentieren», sagt Raishbrook. «Aber das ist nicht das, was die Leute sehen wollen. Das verkauft sich nicht. Wo du News siehst, sehe ich Dollar-Zeichen.»

Das neueste Glanzstück in der Reihe der True-Crime-Dokus von Netflix schafft es, sogar während stellenweise langatmiger Sequenzen den Nervenkitzel und das «Ich bin live dabei»-Gefühl aufrecht zu erhalten. Durch die frische Sichtweise fühlt man sich als Zuschauer, als wäre man selbst Teil der Reporter-Gruppe. Und es dauert erschreckend kurz, den Punkt zu erreichen, an dem man selbst dem nächsten tragischen Unfall entgegenfiebert – ohne Rücksicht und Mitgefühl.


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13 Kommentare

vor 3 Monate
In der ersten Folge sieht man, wie einer sich neben ein liegengebliebenes Auto stellt und wartet bis jemand dagegen fährt. Selbst als die lichter des wagens ausgehen bleibt er sitzen und wartet, obwohl er weiss das jemand dabei aterben könnte.
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Big Brother vor 6 Monate
Hier wird verdeutlicht, dass der mensch ein geldgeiles arschloch ist! Auch wenn niemand mehr helfen kann, ich als opfer würde zum täter werden, würde mich jemand in solchen situationen filmen! Keine rücksicht auf privatsphäre, hauptaache alles ist dokumentiert.
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Leser vor 6 Monate
Erinnert mich an den Film Nightcrawler.
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Sabo vor 6 Monate
Das thema wird auch im film "night crawler" gut gezeigt
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