Der kindischste Künstlerstreit des Jahres

Jeder darf das pinkeste Pink und den glitzerndsten Glitzer der Welt nutzen – nur nicht Anish Kapoor. Der britische Künstler hat sich selbst in die Scheisse geritten, als er das schwärzeste Schwarz für sich beanspruchte.

Das Jahr 2016 war für viele von uns beschissen: Einige bemerkenswerte Promis sind gestorben, Brangelina haben sich getrennt, Justin Bieber hat gleich viermal bei den «AMAs» abgesahnt und für die Plastiksäckchen in der Migros müssen wir nun blechen.

Auch für den 62-jährigen britischen Bildhauer Anish Kapoor muss der Jahresrückblick eher wie ein grosser, dampfender Scheisshaufen aussehen, denn: Nach einer kindischen Fehde darf der Künstler mit indischen Wurzeln sowohl das pinkeste Pink als auch das glitzerndste Glitzer der Welt – beide von einem anderen britischen Künstler entwickelt – nicht nutzen. Anish ist jedoch alles andere als unschuldig – er hat nämlich mit dem Kindergarten angefangen.

Die schwärzeste Farbe verursacht Streit

Im Frühjahr dieses Jahres wurde bekannt, dass sich Anish klammheimlich alle Nutzungsrechte für die Farbe «Vantablack» gesichert hatte, dem schwärzesten Schwarz der Welt. Es besteht aus Kohlenstoffnanoröhrchen und absorbiert 99,96 Prozent des Lichts. Erfunden wurde es von der britischen Firma «NanoSystem», die es ursprünglich für die wissenschaftliche Nutzung entwickelte.

Anishs Argumentation, dass es wegen der aussergewöhnlichen Dichte der Farbe schwierig sei, überhaupt genügend von ihr für alle herzustellen, zog leider nicht. Die weltweite Künstlerszene ist stinksauer und würde ihn wahrscheinlich liebend gern in seiner eigenen Farbe ertränken. Allen voran der britische Künstler Stuart Semple, der den Spiess kurzerhand umdrehte – indem er eine eigene Farbe entwickelte: «PINK», das pinkeste Pink der Welt, das natürlich jeder nutzen darf. Jeder, nur nicht Mister Kapoor. Karma ist und bleibt halt eine Bitch. In einem Interview verrät der 36-jährige Stuart, dass Anish das Nutzungsverbot absolut nicht kalt liesse: «Einer meiner Freunde ist mit einem Freund von Anish befreundet und anscheinend würde er alles dafür tun, um an etwas PINK zu kommen».

Ein bisschen Glitzer Glitzer – nur nicht für Anish

Als wäre das nicht schon hart genug für den indisch-stämmigen Bildhauer, setzt Stuart noch eins oben drauf: Anfang Dezember brachte er ein weiteres Produkt auf den Markt – «Diamond Dust», das krasser glitzert als Einhornkacke. Der Künstler beschreibt den Glitzer als «das reflektierendste natürliche Kunstmaterial, das es gibt». Tatsächlich enthält sein Produkt echte Glasscherben: «Wir haben für das Produkt hochwertiges Glas verwendet, das fast perfekt rein ist (99,8 Prozent) und haben es zu willkürlich geformten Scherben verarbeitet, die das Licht aus unterschiedlichen Winkeln reflektieren», erklärt Stuart in einem Interview. «Das ergibt den funkelndsten natürlichen Glitzer der Welt!». Und auch den darf Anish natürlich nicht nutzen.

Der Farbentwickler argumentiert weiter: «Anish Kapoor wird nicht ein einziges Glitzerkorn erhalten, bis er endlich aufhört, sich wie ein Scheusal zu verhalten und sein Mega-Schwarz teilt!». Das ist mal eine klare Ansage und erinnert uns an Kindheitstage zurück als wir bei Streitereien immer schnell schrien: «Er hat angefangen!»

Bei so viel Mimimi wünschen wir uns eigentlich nur eins für die beiden Künstler: Grow the fuck up und teilt miteinander. So, wie das Erwachsene eben machen. 


Kommentar schreiben

13 Kommentare

Lisa vor 9 Monate
Das schwärzeste Schwarz ist ja eigentlich gar keine Farbe im Sinne einer Farbe wie das pinkeste Pink. Man kann das schwärzeste Schwarz auch nicht auf etwas pinseln. Es sind ja Nanoröhrchen aus Kohlenstoff die auf einer Oberfläche gerade nach oben wachsen. Ich finde wenn man mit einer Farbe nicht etwas malen kann, dann ist es auch keine Farbe. Und die Röhrchen schlucken einfach alles Licht bis nichts mehr übrig bleibt und auch das definiert eigentlich keine Farbe sondern nur die Abwesenheit von Farben.
0
1
Antwort
S.G. vor 10 Monate
Wenn nicht so viel Geld im Spiel wäre, dann könnte man schon von Kindergarten sprechen aber es geht um nichts anderes als was exklusives benutzen zu dürfen um daraus was seltenes zu kreieren und es dann sündhaft Teuer zu verkaufen. Anish Kapoors Werke verkauften sich bereits vor seinem Exklusivrecht auf Vantablack zu Unsummen und wenn er dann noch Kreationen hervorbringt die eine "Exklusivität" vorweisen, dann steigt seine Quote noch ein Stück nach Oben. Er soll scheinbar 2Mio britische Pfund bezahlt haben für die Exklusivrechte, dieses Geld hat er bestimmt nicht ausgegeben ohne, dass er sich erhofft es wieder rein zu holen. Scheinbar soll er einen Raum bauen, welcher Innen mit Vantablack angestrichen wird und man darf dann gegen Bezahlung von 500USD diese Raum betreten und das "Ultimative Schwarz erleben" und offenbar gibt es genug Deppen, welche bereit sind soviel zu bezahlen.
1
0
Antwort
Paul vor 10 Monate
Das sind wirkliche Künstler. Es ist eine grosse Kunst sich so doof zu benehmen.
6
0
Antwort
Kaputtathron3000 vor 10 Monate
"natürliches Kunstmaterial"? Ja ne is klar.... Ebenso: "zu willkürlich geformten Scherben verarbeitet"? Sehr paradoxe Bezeichnungen.
5
0
Antwort
«Kein Alkohol? Bist du etwa schwanger?»

«Kein Alkohol? Bist du etwa schwanger?»

Was würdest du deinem Kindheits-Ich sagen?

Was würdest du deinem Kindheits-Ich sagen?

Schaust du dir Filme in der Synchronfassung an?

Schaust du dir Filme in der Synchronfassung an?

Die Leichenstarre vor der Linse
sponsored

Die Leichenstarre vor der Linse