Ich verkaufe eigentlich alles, was ich mache

Um seine Kunst zu kreieren, wühlt Till Rabus schon mal im Müll oder konsumiert Erwachsenenfilme. Wie seine Kinder das finden und in wie es ist, wenn Hollywood anklopft, verrät er im Gespräch.

Er wird als Salvador Dalí der Schweiz gehandelt, sieht sich aber selber gar nicht so: Till Rabus, ein 42-jähriger Künstler aus Neuchâtel, kreiert so beeindruckende Gemälde, dass seine Kunst auf der ganzen Welt an Galeriewänden hängt. New York, Paris, Hong Kong – gar in Tasmanien hat er schon ausgestellt.

Müllsäcke als Köpfe, pornöse Skulpturen aus Körperteilen oder verranztes Fast Food, cool inszeniert: solche Gemälde gehören zu Tills Repetoir. Vor allem seine Bildserie «Recadrage», in der Rabus sich auf Kunstwerke in Pornos fokussiert und diese neu interpretiert – für diese Sammlung musste er hunderte von Pornos durchschauen – wird von Kunstkenner und –liebhabern heiss geliebt.

Auch wir würden die Wände unserer Wohnung mit Tills Gemälden behängen und freuten uns darum umso mehr, als wir ihn in seinem Studio in Neuchâtel zum Gespräch trafen:

Wie definierst du deinen Stil? Man liest deinen Namen oft im Zusammenhang mit Surrealismus.
Ich mag den Begriff nicht sehr. Ich male keine verträumten Szenen, die es nicht geben kann, wie es zum Beispiel Salvador Dalí gemacht hat. Ich male echtes Leben. Müsste ich kategorisieren, würde ich meine Kunst als figurativ bezeichnen.

In einigen deiner Bilder interpretierst du Pornoszenen.
Die Porno-Serie heißt «Recadrage», also in etwa «Beschneiden». Oft werden Pornos in Kulissen mit vielen Kunstwerken gedreht. Ich dachte, es wäre lustig, sich mal auf die Gemälde im Hintergrund zu konzentrieren. Also habe ich Bilder aus den Szenen reproduziert und so zurechtgeschnitten, dass das Kunstwerk im Fokus steht und die Hardcore-Action nur angeschnitten wird.

Abgesehen davon, dass du für deine Werke viele Pornos schaust; welche anderen merkwürdigen Herangehensweisen hast du, um Kunst zu machen?
Ich habe mal alle Müllsäcke aus meiner Nachbarschaft gestohlen. Die ekelhaftesten Sachen habe ich weggeschmissen und aus dem Rest schöne Ikebana – also die japanische Kunst der Blumenkompositionen – interpretiert, die ich dann abgemalt habe. Es war grauenhaft, ich musste eine Maske und Handschuhe tragen – der Geruch war widerwärtig.

Du bist Familienvater. Wie reagieren deine Kinder auf solche Werke?
Leider sind sie nicht wirklich interessiert an dem, was ich tue. Sie zeichnen nicht einmal. Sie sind viel mehr Kino- und Theaterfans. Das haben sie von ihrer Mutter.

Und wie läuft es wirtschaftlich? Ist die Nachfrage an deinen Arbeiten gross?
Ich verkaufe eigentlich alles, was ich mache. Meine Kunden sind private Klienten, Galerien und Kunstsammler. Wenn meine Bilder an Galerien gehen, entdecke ich sie in Ausstellungen, das ist schön. Bei Privaten gibt es eigentlich so gut wie keine Chance, sie jemals wiederzusehen.

Was ist bisher dein persönliches Karrierehighlight?
Eine amerikanische Firma fragte mich, ob sie eines meiner Gemälde in der zweiten Staffel der US-Serie «True Detective» verwenden könnten. In der Folge sieht man, wie Collin Farell einen Tatort betritt und vor meinem Kunstwerk stehenbleibt. Und die Leute von Warner Bros. haben mich kürzlich kontaktiert – für einen Film den sie im Moment drehen mit dem Komiker Will Ferrell.

Hast du deine beruflichen Ziele also schon alle erreicht?
Ich würde gerne in noch grösseren Galerien ausgestellt werden und weiterhin meine Kunst verkaufen. Aber ich habe schon das Glück, von meiner Kunst leben zu können. Das ist nicht selbstverständlich.

Was würdest du tun, wenn das mit dem Künstlerleben irgendwann nicht mehr klappen sollte?

Ich liebe es zu kochen, also warum nicht Koch? Ich könnte auch Gärtner oder Tischler werden.


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11 Kommentare

Tony Maccaroni vor 1 Monat
Talent hat er! Schade nutz er es - nach meiner Meinung - nicht auch entsprechend 😞 Gut, Geschmäcker sind ja bekanntlich verscheiden und das ist gut so 😃 Trotzdem geht mir der Spruch nicht mehr aus dem Kopf, dass vieles was als Kunst betitelt wird, nicht unbedingt Kunst ist.. viel eher ist es Kunst das als Kunst zu verkaufen! Mögen ihm also die Dollars nur so zu fliegen :-D
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Sabo vor 1 Monat
Tjaaa... für die einen maag das ja Kunst sein, für andere eher Müll. Immerhin kann er doch malen.
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Friedel Bänz vor 1 Monat
Wieder einer der eine entschuldigung braucht für sein Pornokonsum 😃
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CarlitosWay vor 1 Monat
Mal ein Künstler der richtig Zeichnen bzw. Malen kann..... Top
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