Wenn das Schlafzimmer zum Tattoo-Studio wird

Wir stehen auf selbstgestochene Tattoos. Damit ihr euch aber nicht selber unter die Nadel legen müsst, haben es deshalb zwei unserer Redaktorinnen getan.

Selbsttests, die uns Fingerspitzengefühl abverlangen und uns bisher mehr als nur einmal über die Schamgrenze katapultiert haben, sind unsere Spezialität. Schliesslich haben wir bereits Bastelnachmittage eingelegt, um mit unserem ausgeprägten handwerklichen Geschick für das Bauen von Sextoys zu prahlen oder Nutella auf Salami gegessen, um euch zu beweisen wie verdammt köstlich das schmeckt.

Logisch springen wir da auch auf den Tattoo-selber-stechen-Trend auf. Schliesslich ist eine weitere künstlerische Tattoo-Schöpfung auf der Haut der tätowierfreudigen Redaktoren im Team nicht der Rede wert. Eine weitere Steilvorlage für unser Unterfangen war das Geständnis meiner mutwilligen Arbeitskollegin, sie hätte ja sowieso ein «Bein reserviert für unnötigen Shit». Trifft sich gut, dass ich abgesehen von einem Mal Händchenhalten bei der Freundin also null Erfahrungen im Tattoo-Business habe und die Kollegin offenbar trotzdem vollstes Vertrauen in mein gestalterisches Können hat.

Das Zimmer hält als Tattoo-Studio hin

Um der Körperbemalung den nötigen Heimwerker-Touch zu verpassen, entscheiden wir uns dazu, das heutige Tattoo-Studio in mein Zimmer zu verlegen. Die Stick-and-Poke-Methode, bei der die Nadel direkt in die Tinte getunkt und jeder Stich einzeln gesetzt wird, eignet sich schliesslich perfekt für unseren Do-it-yourself-Versuch.

Statt einer bequemen, ausgepolsterten Liege stehen dafür zwei lottrige IKEA-Stühle bereit. Mein Lernpult wird mit Frischhaltefolie, Klebeband und Desinfektionsmittel zum sterilen Örtchen für die in ein Shotglas abgefüllte Tinte, die selbstgebastelte, an einen Farbstift geklebte Nadel – selbstverständlich gründlich desinfiziert – und reichlich Taschentücher. Nach dem ordentlichen Desinfizieren der ausgewählten Stelle sind wir ready to go.

Tipps vom Tattoo-Profi

Statt wegen meiner Nadelphobie ohnmächtig vom Stuhl zu kippen, entscheide ich mich dann doch lieber dafür, noch die Latexhandschuhe anzuziehen und den ersten Stich zu wagen. Wenn auch etwas blass im Gesicht. Meine Kollegin sitzt währenddessen entspannt auf dem Stuhl und plappert darüber, auf welches Essen sie heute Bock hätte.

Nach einer guten halben Stunde, in der ich mich immer mehr zu einem neuen Arbeitsfeld berufen fühle, erblicken wir das ernüchternde Ergebnis: Die Schnecke – übrigens das Motiv, für das wir uns entschieden haben – wäre auch mit einer Lupe nicht zu erkennen. Hie und da ein paar schwarze Punkte und einige geschwollene Stellen. That’s it. Wir holen uns mit einem Anruf also Tipps beim richtigen Tätowierer: Die Haut noch mehr straffen und tiefer stechen.

Zwei Stunden und viel Schmerz

Wir läuten also zur zweiten Runde ein. Ausser dem deutlich schmerzverzerrteren Gesicht meiner Kollegin und dem tiefschwarzen Fleck reichlich verschmierter Tinte an der Stelle, wo eigentlich die Schnecke prangen sollte, gibt es aber auch jetzt nicht mehr als einige Punkte zu sehen. Nach zwei Stunden und gefühlt tausenden gesetzten Nadelstichen geben wir uns dann endlich zufrieden.

Auch wenn wir das DIY-Tattoo wirklich niemals mit einem professionell gestochenen Meisterwerk vergleichen könnten, sieht es gar nicht mal so scheisse aus und hat ausserdem einen punkigen Erinnerungswert. Und zusätzlich hat mir meine Arbeitskollegin so viel Vertrauen geschenkt, dass ich sogar «jemandem eine Tätowierung verpassen» von meiner Bucketlist streichen kann.

Trotz unseres Selbsttests weisen wir aber auf die Gefahren eines DIY-Tattoos hin. Caspar Fackler, Tätowierer bei «Rock the Body» in Baden warnt: «DIY-Tattoos mögen auf den ersten Blick harmlos erscheinen, allerdings dürfen dabei die Risiken nicht unterschätzt werden. Das Tätowieren ist und bleibt ein invasiver Eingriff, bei dem man seiner Gesundheit erheblichen Schaden zufügen kann, wenn man nicht weiss, worauf geachtet werden muss. Ein steriler Arbeitsplatz, Werkzeug sowie entsprechende Nadeln sind ein Muss.»


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24 Kommentare

Simon vor 2 Monate
Lieber ein hässliches Tattoo mit Bedeutung, als ein Körperdesign von einem Profi.
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Old Fart vor 2 Monate
Um Gottes Willen! Überlegen die sich eigentlich nicht, dass man ein Tattoo sein Leben lang hat? Es sei den man lässt es sich VON EINEM PROFI überstechen, oder man lässt es sich lasern. Ich habe ein paar Tattoos aber nur von echten Tattoo Künstler.
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Irgendsonentyp vor 2 Monate
Hahaha! Coole Aktion! Sicher eine lustige Erinnerung!
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bunsuwan vor 2 Monate
Ich hasse Tattoos jede Frau ohne ist super!Schoene weisse Haut verhuntzen mit so nem Shit!!!Zum Glueck gibts viele die nie eines moechten!
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Antwort
Nein, das sind keine Fotografien

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