Juwelier verkauft Blechdose für 1000 Franken

Wie wärs zur Abwechslung mal mit einem Wollknäuel für 9000 Franken? Die amerikanische Kultmarke Tiffany & Co. bietet ihren Kunden «Alltagsgegenstäde» zu horrenden Preisen. Und die Welt ist sprachlos.

Wer bei Tiffany & Co. shoppen geht, weiss: Preisgünstig ist hier nichts. Die amerikanische Juwelier-Marke, die schon von Marilyn Monroe in «Diamonds are a girl's best friend» so schön besungen wurde, steht für ausgewählten Luxusschmuck im obersten Preissegment.

Dass die Firma, deren diamantbesetzte Ringe, Armreifen und andere glitzernde Klunker schon so manches Rich-Kid-Herz höher schlagen liessen, sich über ihren dezent (ab-)gehobenen Status durchaus bewusst ist, zeigt nicht zuletzt die «Der Preis spielt keine Rolle»-Option im hauseigenen Online-Store.

Spielt Geld eine Rolle?

Alles schön und gut – wers hat, der hat eben. Die neueste Idee der gewieften Hirne hinter dem Label stösst allerdings so einigen halbwegs am Boden gebliebenen Leuten ganz schön sauer auf. Unter dem Titel «Everyday Objets», was so viel bedeutet wie «Alltagsgegenstände», verhökert Tiffany's eben genau das: Grundsätzlich ganz normales Zeugs, das so gut wie jeder von uns in irgendeiner Form zuhause hat.

Aber natürlich kommt ein Twist: Der Laden verkauft ein versilbertes Wollknäuel für umgerechnet gut 9000 Franken oder ein Vogelnest (warum auch immer das zu Alltagsgegenständen gezählt wird) im Austausch gegen ganze 10k. Aber keine Panik! Für den schmalen Geldbeutel gibts klar auch günstige Alternativen. Wie wärs mal mit einer Konservendose für einen schlappen Tausender oder – für die Geizkrägen unter uns – einen Strohhalm für 250 oder ein Papierbecher-Set für 95 Stutz?

Design, Funktion, Spätkapitalismus und Blechdosen

Die Netzgemeinde, die wohl grösstenteils nicht zum Kundenstamm der Luxus-Kette gehört, reagiert verständlicherweise mit Irritation und Sarkasmus. Da heisst es auf Twitter etwa: «Nichts schreit mehr nach Spätkapitalismus, als die Tatsache, dass Tiffany's für wortwörtlichen Müll 1500 $ verlangt» oder «Wenn du vor dem grossen Aufstand betteln gehst, dann lass dich ja nicht ohne diese wunderschöne 1000-$-Blechdose von Tiffany's erwischen».
 

Reed Krakoff, einer der kreativen Köpfe hinter den seltsamen Teilen, erklärt gegenüber «Bloomberg»: «Was die Kollektion so einzigartig macht, ist die Mischung aus höchster Qualität, feinster Handwerkskunst und Design mit einem Level an Funktionalität, das es dem Kunden erlaubt, diese Dinge täglich zu benutzen.»

Funktion hin oder her – tatsächlich lässt sich die bittersüsse Ironie hinter einer leeren (aber immerhin versilberten) Blechdose kaum leugnen, die wohl mehr kostet, als so mancher Person im Monat zum Überleben zur Verfügung steht. Irgendwie geschmacklos.


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17 Kommentare

Jane77 vor 27 Tagen
Das traurige daran... es wird gekauft
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Boro vor 27 Tagen
Einfach nur schlecht! Da sind nicht mal Ravioli drin ...
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V. Lyritsch vor 28 Tagen
Alles Neider! Wie kann ich meine Einzigartigkeit besser zeigen, als mit einer Büchse für 1000?
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Lorenz vor 28 Tagen
Das ist noch nichts im Vergleich zu Dingen von Asprey, zB den Britannia ruler... googlet mal 😃
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