Wie bürokratisch ist eine Geschlechtsanpassung?

In Portugal können Menschen künftig selbst ihr amtliches Geschlecht auswählen. In der Schweiz muss man dafür (noch?) vor Gericht.

Letzte Woche fällte das portugiesische Parlament eine richtungsweisende Entscheidung: Künftig sollen Menschen ab 16 selbst über ihr amtliches Geschlecht entscheiden können. Zuvor mussten sich Transmenschen als psychisch krank («geschlechteridentitätsgestört») diagnostizieren lassen, um die Geschlechtsangabe auf offiziellen Dokumenten ändern lassen zu können. Das ist ein ziemlicher Fortschritt, was die Rechte von Transmenschen angeht.

Schweiz hinkt hinterher

Neben Portugal kennen auch Argentinien, Malta, Irland, Dänemark, Norwegen und Belgien die Selbstdeklaration des Geschlechts. In der Schweiz hingegen hinken wir noch hinterher, was das Thema angeht. Denn: Wenn du dich nicht mit dem Geschlecht identifizieren kannst, das im Personenstandsregister vermerkt ist, musst du vors Zivilgericht, um es ändern zu lassen.

«Das ist natürlich nicht für alle ein einfacher Schritt und deshalb versuchen wir, Menschen beim Gang vors Gericht zu unterstützen», sagt Henry Hohmann, Kunsthistoriker und Co-Präsident des Transgender Network Switzerland, das sich politisch und sozial für Transmenschen einsetzt. Im Mai soll eine Vorlage des Bundesrates in die Vernehmlassung geschickt werden, die die Änderung des amtlichen Geschlechts massiv vereinfachen und auf ein Gesuch beim Zivilstandsamt reduzieren würde.

Gefährliche Pathologisierung

«Das wäre bereits ein erster wichtiger Schritt», sagt Hohmann. «Denn dass Transmenschen nicht selbst über ihr Geschlecht bestimmen dürfen, ist ziemlich übel – sie müssen sich dies von einem Psychiater bestätigen lassen. Ein Gericht möchte eben eine Bestätigung auf Papier, aber das kann auch zu einer Pathologisierung der betreffenden Menschen führen.»

Des Weiteren sind Transmenschen für die Geschlechtsänderung auch auf individuelle Entscheidungen der Richter angewiesen. Da keine gesetzliche Grundlage dafür existiert (ein Bundesgerichtsentscheid nennt einzig einen «irreversiblen Geschlechtswechsel» als notwendig), sind die Voraussetzungen, die für die Änderung vorgelegt werden müssen, unterschiedlich.

Gerichte fordern keine Operationen mehr

2017 entschied der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte, dass weder Operationen, noch Hormonbehandlungen oder andere körperliche Massnahmen Bedingung für die Änderung des amtlichen Geschlechts sein dürfen. «Operationen werden in der Schweiz nicht mehr verlangt, aber es gibt dennoch sehr wenige Fälle, in denen Gerichte die Einnahme von Hormonen forderten. Dies ist jedoch nicht mehr statthaft», sagt Hohmann.

Auch wenn die Vereinfachung der Änderung des amtlichen Geschlechts bereits ein Fortschritt sei, fordert das Transgender Network Switzerland mittelfristig nicht nur eine Selbstdeklaration des Geschlechts, sondern auch eine dritte Geschlechtsoption. Denn viele Transmenschen identifizieren sich nicht ausschliesslich als Mann oder als Frau.

«Die Lage für Transmenschen in der Schweiz hat sich auch durch internationalen Druck verbessert», sagt Hohmann. Und vielleicht geschieht dies hier wiederum: Das deutsche Bundesverfassungsgericht entschied sich im vergangenen Oktober für einen dritten Geschlechtseintrag. Schweizer Parlamentarierinnen reichten darauffolgend entsprechende Vorstösse ein. Hoffen wir, dass diese fruchten werden.


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39 Kommentare

Neumann vor 1 Monat
Der Körperund der Geist stimmen eben nicht bei allen Menschen überein. Für das wäre Verständnis schon angebracht. Das Leben und die Empfindungen der Individuen sind wirklich eben sehr divers und individuell. Der Normalo ist aber offenbar jetzt noch überfordert damit. Zeit wird es bringen.
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SovielBullshit vor 1 Monat
He Tillate fragt mal bei der WHO nach was eine geistrige Störung ist. EInen Schwengel zu haben und zu denken man sei eine Frau ist z.B. klar eine. Aber ja sagen wir gestärten doch sie seien normal das hilft ihneen beeeestimmt
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Antwort von Pete vor 1 Monat
Ja, GID ist gemäss ICD-10 eine Störung. Wird es wohl im ICD-11 nicht mehr sein. Mal angenommen es ist eine: Wie behandelt man diese Störung am besten? Jedenfalls nicht in dem man ihnen sagt "du bist gestört und nicht normal". Geschlechtsangleichende Massnahmen um die körperliche Selbstempfindung mit der Psychischen in Einklang zu bringen sind dafür bisher das probateste Mittel.
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Antwort von vor 1 Monat
Pete: "Körperangleichende Massnahmen" bringen nichts - im Gegenteil. Darüber haben andere weiter unten schon kommentiert. Einer der sich seinen Penis verstümmeln will würde man in die psychi stecken wegen Selbstgefährdung. Wenn einer dasselbe will und gliehczeitig ernsthaft glaubt trotz Mann sein sei er eine Frau (bzw umgekehrt) dann soll das aber völlig legitim sein? Lustig.
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