Hilfe, wer versteht hier was von Versicherungen?

Franchise, Offerte und Selbstbehalt – bitte was? Wir haben keinen blassen Schimmer und haben uns das Versicherungseinmaleins darum von einem Experten erklären lassen.

Wir kennen uns in so ziemlich vielen Sachen aus. Etwa wie wir Resteverwertung betreiben und dabei das alte Cola von der WG-Party wieder genüsslich machen und mit welchen Spartipps wir am schnellsten einen sechsstelligen Betrag auf unser Konto zaubern. Versicherungs-Knowhow gehört leider nicht zu unseren Stärken. Selbstbehalt? Bitte was? Franchise? Kann man das essen? Keinen Schimmer. Darum haben wir beim Experten mal nachgefragt.

«Generell sieht es folgendermassen aus: Wir sind alle bei einer Krankenkasse versichert, da diese in der Schweiz obligatorisch ist», erzählt uns Donato Coviello, Kundenberater bei den Basler Versicherungen. Damit im Krankheitsfall nicht alle Kosten aus der eigenen Tasche bezahlt werden müssen. «In Ergänzung dazu gibt es Zusatzversicherungen, die jede Person individuell abschliesst», sagt der Versicherungsexperte weiter. Reise-, Auto-, Gebäude- und etwa Rechtsschutzversicherungen gehören zur Sparte «Chaufsch, wenn sie bruchsch». Wer lieber auf Risiko geht, legt sich keine dieser Absicherungen zu.

Privathaftpflicht und Hausratversicherungen abschliessen

Und was ist für uns Jugendliche nun absolut notwendig? «Die Privathaftpflichtversicherung ist quasi ein Muss», so Coviello. Diese zieht uns nämlich aus der Scheisse, wenn wir mal einen Schaden verursachen und etwa auf der Skipiste oder mit dem Velo eine andere Person verletzen oder zum Beispiel dem Brünneli in der Mietwohnung eine Beule verpassen.

Genauso wichtig ist die Hausratsversicherung, die den ganzen Inhalt zuhause versichert: «Grundsätzlich sind in der Hausratsversicherung immer die persönlichen Gegenstände  versichert, die durch Feuer- und Wasserschäden oder Glasbruch beschädigt werden können sowie durch Diebstahl gefährdet sind», so der junge Experte. Wenn von unseren liebsten Kleidern nach einem Brand also nur noch Asche übrig ist und uns ein Wasserschaden künftige Netflix-Abende auf dem neuen Laptop versaut, hilft sie uns aus.

Wer seinen teuren, vom Omi geerbten Schmuck oder die Uhr zusätzlich schützen will, müsse dies explizit mit einer Wertsachenversicherung tun. Sinnvoll könne ausserdem eine Hausratkasko sein, um etwa elektronische Geräte gegen Schäden durch eine äussere Einwirkung zu schützen. Falls wir unserem Laptop also mal eine unabsichtliche Bierdusche verpassen sollten.

Wer im Spital ein Einzelzimmer will, legt sich eine ergänzende Versicherung zu

Und welche Versicherung benötigen wir, wenn wir noch bei den Eltern wohnen? «Dies ist abhängig von der jeweiligen Gesellschaft», erzählt Coviello. «In der Regel schliessen die Eltern eine Versicherung ab, in welcher der gesamte Haushalt miteinbezogen ist.» Es gebe aber auch Gesellschaften, bei denen Jugendliche nur bis zum Abschluss der Lehre oder des Studiums mitversichert sind und schliesslich selbstständig weiterschauen müssten.

Die Arbeitswütigen unter uns haben in Sachen Unfallversicherung einen Vorteil: «Sobald man eine Arbeitsstelle antritt, ist man gegen Berufs- und Nicht-Berufsunfälle über den Arbeitgeber versichert. Also etwa auch im Falle eines Unfalls während des Sports», erzählt Coviello. Allerdings nur für diejenigen unter uns, die mehr als acht Stunden wöchentlich für den Job aufwenden.

Im Prinzip bräuchten junge Angestellte also keine private Unfallversicherung. «Wer aber zum Beispiel im Spital in der privaten Abteilung behandelt werden möchte, kann dies bei seiner Krankenkasse einschliessen», so der Fachmann. Bietet der Arbeitgeber also nur eine allgemeine Versicherung, kann sich jeder zusätzlich halbprivat oder privat versichern. Dies sei dann aber keine doppelte, sondern eine ergänzende Versicherung. Gut, klingt bis hier hin schon mal verständlich.

Wie finden wir die perfekte Versicherung für uns?

Grundbegriffe wie die Franchise, die Offerte oder den Selbstbehalt sind uns aber immer noch Fremdwörter. «Die Franchise bei der Krankenkasse beispielweise ist das Geld, welches der Kunde selbst an seine jährlichen Krankenkosten zahlen muss», so der Experte. Wie hoch diese Selbstbeteiligung beim Besuch bei Onkel Doktor ist, bestimmen wir beim Abschluss einer Krankenkassenversicherung individuell. Je höher die gewählte Franchise, desto günstiger wird die monatliche Prämie. «Wer selten zum Arzt geht, sollte dies nutzen.» Anders ist es beim Selbstbehalt einer Versicherung: «Dieser bezieht sich nicht auf die jährlichen Kosten, sondern muss vom Kunden bei jedem Schadenfall bezahlt werden.»

Und wie finden wir nun die auf uns zugeschnittene, perfekte Versicherung, die uns nicht den ganzen Monatslohn aus dem Portemonnaie saugt? Donato Coviello erklärt: «Grundsätzlich ist es so, dass ein Berater durch ein Gespräch mit dem Kunden in Erfahrung bringt, was ihm wichtig ist und was er braucht.» Hierfür checkt der Experte auch die finanzielle Lage ab – um uns vor unnötig aufgeschwatzten Zusätzen zu bewahren.

«Anschliessend wird eine Lösung ausgearbeitet, eine Offerte – also ein Angebot – erstellt und die auf jede Person zugeschnittene Versicherung definiert», sagt der Kundenberater der Basler. Studenten und Lehrlingen, denen es etwa an Geld fehle, könnten sich schliesslich keine 2000 Franken Versicherung leisten. Unser Tipp an Versicherungsneulinge lautet also: Informiert euch – und zwar so genau wie möglich.


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16 Kommentare

Deacon Palmer vor 6 Monate
Die wichtigste Grundregel wird aber nicht genannt. Und zwar dass man nur versichern sollte, was man nicht selbst bezahlen kann. Alles andere ist nur ein Geschäft für die Versicherung.
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Mr. Nasty vor 6 Monate
Supi! Endlich wird das mal erklärt. KK, Hausrat, Haftpflicht und bei Fahrzeugen eine Kasko Versicherung. Das sind nicht gerade wenig Versicherungen und alle kosten Geld. Rechtsschutz bringt gar nichts! Wieso? Weil Juristen nichts bringen. Das ist herausgeschmissenes Geld. Wenn der Richter/In nicht einsehen will, dann bringt das alles einen Sche..s! Da unsere Juristen sowieso alle korrupt sind (so ca. 90%)- vergiss es! Die Polizei erscheint auch nur bei Unfällen, wo es verletzte gibt und untersucht nur noch Offizialdelikte. In der Schweiz wird dem Bürger mit diesem ganzen Versicherungsschrott, das hart verdiente Geld aus der Tasche gezogen. Und wenn man sie dann braucht, bezahlen sie nix.
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Dominik Graf vor 6 Monate
Rechtsschutzversicherung chaufsch wenn sie bruchsch... und genau dann kriegt man keine mehr! Schon mal was von Karenzfrist gehört, oder davon dass man sich strafbar macht wenn man falsche Angaben macht beim Abschus der Versicherung?
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Rechtsschutz vor 6 Monate
Also ein sehr wichtige Versicherung in der heutigen Zeit ist meiner Meinung nach der Rechtsschutz. z.B im Strassenverkehr gibt es immer wieder Situationen in welchen die Gegenpartei behauptet nicht Schuld zu sein. Ohne Rechtsschutz ist es dann gern mal ziemlich umständlich und teuer.
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