Auf den Spuren von Lara Croft

Die Schweiz hat ihr erstes Virtual-Reality-Center. Wir haben die Weltneuheit ausprobiert und sind völlig geflasht. Ein Erfahrungsbericht.

Leidenschaftlichen Gamern wurde es bis vor kurzem in unserer Gesellschaft nicht leicht gemacht: Wer stundenlang mit Mountain Dew vor dem flackernden Bildschirm zockte, outete sich damit als Loser, Aussenseiter und Eigenbrötler, der kein Interesse an der realen Welt hat.

Das Image vom bleichen Gamer, der sich ausschliesslich Mikrowellenfrass reinzieht, ist nun endlich abgelegt – Grund dafür ist der momentane Virtual-Reality-Game-Trend, der uns aus allen Ecken entgegenschlägt. Videospiele sind also salonfähig geworden.

Ist der Hype um die virtuelle Realität berechtigt und wirklich so krass, wie überall gesagt wird? Was man nicht kennt, macht neugierig und als langjähriger Gaming-Enthusiast wollte ich die Sache am eigenen Körper austesten. Meine Anlaufstelle: Das Virtual-Reality-Center in Dietlikon, das vor wenigen Wochen seine Pforten öffnete.

Du und dein Avatar werden eins

In Dietlikon angekommen, stellen meine Mitspielerin und ich fest, dass sich unser Erlebnis in einer leeren, dunklen Halle abspielen wird. Wir sollen heute die Beta-Version des «Explorers» testen.

Wir werden durch einen Vorhang geführt und betreten den dunklen Raum wie verängstigte Lämmchen die Schlachthalle. Was uns wohl erwartet? Auf den ersten Blick sieht der Raum gähnend langweilig aus: Bis auf ein paar Markierungen und wenige Requisiten auf dem Boden, ist die Halle komplett leer. Muss das so sein? Kommt da noch was? Wir sind verwirrt und etwas zittrig.

«Wir betreiben eine sogenannte «Freewalk-VR-Anlage. Das heisst, mehrere Spieler bewegen sich kabellos zusammen auf dem Spielfeld», erklärt uns Philip Lacoste, ein Mitbegründer des Centers. «Die Spieler erhalten dank Motion Capture Technologie einen virtuellen Avatar, der die Körperbewegungen mit ihrem virtuellen Avatar synchronisiert.»

Beim Bewegen bloss nicht reihern

Wer jetzt denkt, man zieht sich einfach irgendeine popelige Brille auf und gut ist, der kann sich auf die volle Ladung Sinneseindrücke gefasst machen: Die Computer-Freaks des Virtual Reality-Centers stülpen uns verkabelte Rucksäcke, Handschuhe und Kopfhörer über, mit denen wir über Teamspeak verbunden sind. Der zusätzliche nerdy Leckerbissen: Während des Spiels wird mit 4D-Effekten gearbeitet – zusätzlich werden wir beispielsweise auch Gerüche wahrnehmen.

Bevor wir auch nur «Respawn» sagen können, geht’s schon los: Wir sehen uns gegenseitig in verchromten Anzügen, die stark nach Master Chief aus «Halo» aussehen und hampeln rum, um die Funktionen zu testen. Nach einem kurzen Fall von Motion Sickness haben wir wirklich das Gefühl, ins Spiels eingetaucht zu sein und machen uns daran, unsere Quest zu erfüllen: Wir sollen innerhalb von rund 20 Minuten einen wichtigen Gegenstand finden, der uns aus dieser Sackgasse befördert.

Fast so sexy wie Lara Croft

Während unserer Mission rennen wir durch ruinenartige Steinhöhlen, müssen uns vor einer Schlange retten und pissen uns fast in die Hose, als wir eine klaffende Schlucht nur mit Hilfe eines schmalen Holzbretts überqueren sollen. Das Game erinnert ein wenig an die Abenteuer, die die halbnackte Lara Croft durchlebt. So sexy sind wir dann aber leider nicht: Während meine Mitspielerin schreiend über das Brett sprintet – das übrigens als echte Requisite auf dem Boden liegt – versuche ich mich krampfhaft daran zu erinnern, dass sich alles nur in meinem Kopf abspielt.

Am Ziel angekommen, reissen wir uns die Brillen von den Augen und stellen erstaunt fest, dass wir uns immer noch in der leeren Halle befinden und nicht fünf, sondern zwanzig Minuten vergangen sind. Eins steht fest: Sobald man in diese neue Realität eintaucht, vergisst man alles um sich herum und verliert jegliches Zeitgefühl. Der Hype ist berechtigt und wir setzen uns garantiert wieder eine Brille auf, um mal kurz aus unserer Tristesse zu verschwinden. Nächstes Mal dann mit Mikrowellenessen und Energydrink – in guter, alter Zockermanier eben.


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13 Kommentare

Sebastian von Riedmatten vor 4 Monate
War bei der Beta dabei! Echt genial! Freue mich auf den Horror Level 😀 Weiter so Jungs!
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Amie Mc. Amor vor 4 Monate
ein ziemlich leerer Raum... was mann dort drinn so alles anstellen könnte 😉
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VRguy vor 4 Monate
War ein einzigartiges Erlebnis, das die Jungs da in Dietlikon geschaffen haben. Wir konnten dank neuster Technik für 20 minuten in eine andere Welt eintauchen.
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Simon B. vor 4 Monate
Krass wie vor ein paar Jahren der Release von Avatar mit dieser Technik alle verblüfft hat und jetzt kann man schon life in diese Welt eintauchen. Und weils das nicht etwa in Hollywood gibt, sondern in Dietlikon, kann und muss ich das Ding umbedingt ausprobieren 😱
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